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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1882-11-29 · No. 48. (29.11.1882) · p. Seite 192

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 48. (29.11.1882)
Date
1882-11-29
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
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schränkte, geiheilte Emanationslehre enthält, wo der Verfasser an die Idaäschüs (Magie*) denkt, weil sie die ־Weit ihr einen in Finsterniss verwandelten Theil des Urlicfaies halten. Sollte Saadia denn wirklich an die 0*110 des madaehfüsehen Urlichts ohne Weiteres die Gottheit snbstitairt haben? Wir können eben bei diesem sich so sehr durchkreuzenden Durcheinander von Anschauungen nur vermuthen,'nicht entscheiden! . S. 53 folgert Herr Dr. G., dass Saadia die vierte Schöpfhngstheorie, die eine Combi nation der zwei vorhergehenden ist, nicht etwa auf eineu historischen Hintergrand aufgebant, sondern wahrscheinlich selbst zu dem Zwecke erfunden haben, am die Zahl von 13 Theorien zu erhalten, für welche Zahl er, wie der Verfasser meint, eine gewisse Vorliebe za haben scheint. Man wird hier den Verfasser von einem gewissen Hypercriticismus nicht ganz firt!sprechen können. Was in aller Welt hätte Saadia reizen sollen, gerade IS Thesen zu erhalten? Spielt doch die Zahl 12 fast ebendieselbe Bolle bei seinen *Beweisführungen; so z. B. gleich unmittelbar vorher bei der zweiten Sohöplungstheorie? Es liegt ja weder eine innere hoch eine äussere Nöthignng vor, eine von Saadia mit den Worten ־OTTO מי -TT! והדעת הרביעית als historisch angeführte Ansicht für eine von ihm selbsterfandene und znsammengee teilte za erklären! Dass ״Saadia hier ausnahmsweise auf eine specielle Erörterung dieser Theorie verzichtet,“ beweist doch nichts für Herrn Dr. G.; denn wozu sollte er sie eigentlich erörtern? Da er ja die zweite und dritte Soböpfangstheorie mit ausreichender Ausführlichkeit behandelt hat, bedurfte doch die vierte — die wesentlieh nur eine Zusammenstellung der 2. und 3. ist — keiner weiteren Begründung und Auseinandersetzung, da sie doch auf denselben Voraussetzungen und Be- ן weisgründen beruht, and auch durch aie gleichen Xänw&nde und Gegengründe widerlegt wird, was die Worte יתחייבו באלה י׳יז יממות deugich genug besagen! Ueberdiee hat ja der Verfasser eine allerdings nicht genug verbürgte Theorie des Maulcitirt, der ausdrflcklich lehrt fjv 0*5? xal 5Xtj. Und hätten wir selbst gar keinen Anhaltspunkt für eine solche Ansicht bei aen Griechen, d«m> dürfen wir doch die philosophische Zersplitterung und Zerklüftung, ferner die ausgesprochene VeiSniitehmgssucht de«Mutaziliten, dis sich eine so schöne Combinatian gewiss nicht so leicht werden entgehen lassen, nicht vergessen. Die Matazihtan aber dienten Saadia unleugbar als Gesohichtaquelle nicht nur, sondern auch vorzugsweise als Modell fSr sein eigenes Denken, wenn der Verfasser aach — nicht ohne jeden Erfolg — sich sichtbar bemüht, Saadia seines Mutazilismus möglichst za entkleiden, um ihm ein mehr aristotelisches Gewand umzuhängen. Wir sind also keinesfalls berechtigt, hier an eine Zahlenspielerei des sonst so ernsten and jeder Abgeschmacktheit abholden Saadia zn denken, zumal wenn wir ihn einer Willküriichkeit, zum Mindesten einer Ungenaaigkeit, zeihen müssten. Wenn also überhaupt das nachdrückliche Hervorheben der Zahl 13 eine Liebhaberei genannt werden kann, dann ist diese Liebhaberei bei Leibe keine Eigenheit Saadia’s, sondern höchstens des — Verfassers Das auf S. 62 von Saadia angeführte Beispiel von dem Stein, der, in die Höhe geworfen, nothwendig zur Erde zurückkehren müsse, findet sich wortgetreu wieder in Schahr. ed. H. I, 56; die Primärquelle ist wahrscheinlich in Alex. Aphrodis. de fatoo § 13 zu suchen. Es wiederholt sich dieses Beispiel reoht oft bei den jüdischen fteligionsphilosophen. So z. B. Maim. 8 Capitol ed* Wolf S. 60, ferner im מאמר הבחירה des Mose Narbonni u. s. w., worauf übrigens wohl hätte hingewiesen werden können. S. 129 wird ׳ betont, dass Saadia Gott nur ein Wissen und Vermögen über das von uns Möglichgehaltene zuschreibt, während Gottes Allmacht sich über das begreiflich Unmögliche auch nicht erstrecken kann. Verf. erinnert daran, dass auch Maimonides diesen Gedanken ausgesprochen hat, ״wie es scheint, im Ein- Verständnisse mit den Mutakallimun“, das ist, gelinde gesagt, ein kleiner Lapsus; denn im Guide II, S. 118 — welchen Passus Herr Dr. G. übersehen zu haben scheint — legt Maimonides diesen Gedanken nicht den Mutakallimun, sondern direct den griech. Philosophen — diese bilden den stricten Gegensatz zu den strengen Mutakallimun — in den Mund. Die Quelle für diesen Gedanken befindet sich im de fato des Alex Aphr. S. 30, wo es heisst: xi yxp dSövaxa xfj aöxwv;puoE־. xal xapi xotj 5eol; vrp/ 4׳jxt,v (puXäxxei tpöaiv. (Vergl. damit m. Willensfreiheit § 78, wo die Abhängigkeit Madmon’s von dieser Stelle durch einen classischen Beweis erhärtert wird) Ebenso ist der S. 165 erwähnte saadianische Einwand, dass man eine bereits geschehene Handlung nicht rückgängig machen könne, wörtlich im de rato § 30 zu finden. .... 43’jvaxov yip xal xol? Ovöt;.. xöv yeyovöxwv xl (1Tj fEYövfval .... Nur lutherische Dogmatiker behaupten ein Wissen Gottes auch des für uns begreiflieh Unmöglichen, vergl. D. T. Strauss, die christliche Glaubenslehre, Bd. I, S. 569, was gleichfalls nicht unberücksichtigt hätte bleiben dürfen. (Fortsetzung folgt.) Notiz. Auf der׳■ diesjährigen 36. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner in Karlsruhe sprach Prof. Ziegler über die ״Entstehung der alexaud r inisch en Philosophie-“. —Der Inhalt dieser lichtvollen Auseinandersetzung war im Ganzen folgender: Der Erste, der den Begriff des Xdyo? in den Mittelpunkt der Weltbetrachtung geworfen, war Philo. Die alte Frage, ob die alexandrinische Philosophie, ob vor allem Philo’s Darlegung wesentlich jüdischen oder griechischen Ursprungs sei, ist jetzt dahin za beantworten, dass das jüdische Element der Hauptfactor gewesen, der jüdische Geist, wenn anch nicht in seiner ursprünglichen Gestalt, seiner ursprünglichen Reinheit, sondern das vom Helenenthum schon beeinflusste Judenthum. Zwei Säulen der ehemaligen Anschauung, Therapeuten und Essenismus, sind noch , zu stürzen um den jüdischen Ursprung festzuhalten. Es ist jetzt nachgewiesen, dass es Therapeuten überhaupt niemals gegeben und dass die darauf bezügliche Scnrift nicht von Philo verfasst ist, sondern dass wir es da mit dem Prodncte eines Christen aus dem dritten Jahrhundert zu thun haben. Für das Essenerthum ist aber der Zusammenhang mit dem Judenthnm 'zu bewahren. JBeriehtignng: In vor. Njummer mnss es in der ersten Zeile der vierten Seite statt ״griechischen‘“ heissen: ,jüdischen“. In No. 45 Seite 179b. 6. Zeile von unten ist'statt ״Nationen“ zu lesen ״Stationen“. — Die in derselben Nr. 8. 180b. unter Notiz 3 befindliche Unterschrift: ״Dr. Cohn-Bisenz“ bezieht sich nicht auf Notiz 1 und ist deshalb die ״Erwiderung“ Caro’8 in No. 46 8ub 1 irrthümlich an Cohn’s Adresse gerichtet. Verantwortlicher Redaeteur Dr. Rahme!, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig-

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