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Das jüdische Literaturblatt · 1882-11-22 · No. 47. (22.11.1882) · p. Seite 188

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 47. (22.11.1882)
Date
1882-11-22
Page
Seite 188 (sequence 4)
Language
German
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Du griechische Recht kennt die Institution des EinnlHeMen nicht, in jedem erazetnün Palle־ hat, ohne Rücksicht aaf dessen 'Btedentung, ein Riehtercollegiam •einen Amtes so walten. 'Eis gab Gericbtseollegiea, die . aar S oder aus 23 und solche, die aus 71 Mitgliedern beständen. Das 8gliedrige heisst בית דין schlechtweg, oder ביוד דין מל ממורי, das der Dreiundzwanzig סנהדרי קטנה and das der 71 בית דין הנחל oder סנהדרי גדולה־. Richtet könnte Jeder sein, der die nöihige Prüfung abgelegt hatte and ordinirf war und über dies ״mit dem Besitze einer Reibe ton Tagenden sich rahmen konnte. Es sind diese Tagenden die folgenden: Weisheit, Be- •cbeidenbeil, Gottesfurcht, Uneigennützigkeit, Wahrheitsliebe, Popularität and Charakterstärke.* Gehalt bezogen die Richter niclit, sie hatten nur das Recht, roh den Parteien unter .dem Titel der Zeit- ▼enäamaiss eine bescheidene Entschädigung zn ▼erlangen. Der Richter musste sich den Parteien gegenüber roll kommen neutral ▼erhalten, hatte jeden derselben mit Geduld ausuhören und ent wenn die Beweise ▼on den Parteien erschöpft waren, durften sich die Richter zur Beschlussfassung zarüekziehen. — Beror jedoch das Urtheil geschöpft wurde, hatte der Vorsitzende des Collegiums an die einzelnen Mitglieder desselben die Frage zu stellen, ob sie auch Über den Thatbestand itn Reinen seien; wenn nun einer der Richter dies ▼erneiate and selbst nach erfolgter Erklärung dies wiederhotte, 90 wurde das Collegium durch zwei neue MitgliedCr ergänzt; die Verhandlung begann ▼on Neuem, der Präsident hatte den Zweifelnden wieder zu fragen, ob er nan die Sache klar sehe, and ־ nur dann, wenn er dies bejahte, konnte das Urtheil geschöpft werden; im entgegengesetzten Falle aber musste die Ergänzung durch zwei Mitglieder so lange fortgesetzt werden, bis alle Richter die Frage richtig aaffasaten; war aber ein. Resultat überhaupt nicht za erzielen, so־ wurde der Geklagte freigesprochen. Die Abstimmung begann der ra&gniedrigste Richter, der Vorsitzende stimmte zuletzt. Bei Meinungsverschiedenheit entschied die Majorität. Das Urtheil wurde mündlich und Öffentlich durch den Präsidenten verkündet; ▼erlangte eiue der Parteien ein schriftliches Urtheil, so wurde ibt dies gegen Erlass gewisser Taxen ausgefolgt. Die Parteien brachten die Klagen mündlich vor; das Gericht bestimmte den Termin zur- Verhandlung and verständigte die Parteien von demselben durch den Gerichtsdiener; sie hatten persönlich zu erscheinen; enthöben dieser Pflicht waren grosse Gelehrte, Frauen and Unmündige; die Enteren wurden in ihren Wohnangen ▼erhört, die Letzteren konnten Stellvertreter ■enden Beweismittel waren: Das Geständniss, der Zeugen-, der Urkanden-Beweis und endlich der Eid. Der Eid spielt in jedem ein2elnen8-־tadiara des Processes eine bedeutende Rolle. Es gab mehrere Arten des Eides: a) den mosaischen Eid (מבוער. דאורייתא) Eid der Thora, b) den rabtnnischen Eid (שבועה דרבנן). Der entere wurde nur dem Geklagten, der letztere beiden Theilen taerkannb Jener war entweder ein angeschobener oder ein Reinigungseid, dieser theils ein ErfUllängs-, fheils ein Reinigangzeid. Wer falsch geschworen, wurde strengstens bestraft. Bei der Urtheilsverkündigang standen dio Parteien; sofort nach der Pabüctrung war das Urtheil excutirbar; doch stand es bei den Richtern, auf die begründete Bitte der ▼erurtheilten Partei einen 30tägigen Aufschub za bewilligen, den sie noch zweimal wiederholen konnten. Kam der Verartheilte aber auch daun seinen Verpflichtungen nicht naeh, so wurde zuerst über ihn där!deine Bann (י(ניחי dann aber der grosse (חרם) ▼erhängt Wenn sich die Execatiao auf Mobilien bezog, so musste man dem Verurteilten bei der Pfändung soviel belassen, als za seiner1 nötigen Verköaiigang von 80 Tagen erforderlieh war. Weder die einfachen 'Kleidangsstüoke, noch sein Unterbett, noch seine Decke, noch die nötigsten Werkzeuge 'des Handwerkers durften weggenommen werden. Bezog sich die Execution jedoch aaf Immobilien, so wurden zuerst die schlechterer Qualität (זיבורית), nur wenn diese nicht genügten resp. keinn vorhanden waren, schritt man stufenweise za den besserer Gattung (עידית/בינונית). Es ist anmöglich, den Ausführungen des gelehrten Verfassers an dieser Stelle ▼on Schritt zu 8chritt zu folgen; wir wollten blos auf die wichtige Abhandlung die Aufmerksamkeit unserer Leser richten; sie werden mit ans, wir sind dessen sicher, übereinstimmen and unsere Eingangs aufgestellten Bemerkungen ▼ollinhaltlieh billigen. —i—; —ei— Die Londoner Rathhausversammlang für die ▼erfolgten russischen Jaden. II. vermehrte Auflage. Berlin 1882־. Louis Gerschel. Eine sehr interessante 8chrift, deren Anschaffen nicht blos den Jaden empfohlen werden kann. Sie bekundet, wo Idealismus und wo gemeiner Interessenculta8 das treibende Motiv ist. Inmitten der Verro* hiing, welche, sich gegen Kapital und Besitz, gegen staattliche und gesellschaftliche Ordnung erhebt, indem sie seheinbar nur: Nieder mit den Juden schaut, ist es ein Labsal, diese Uebereinstimmung der Vertreter aller Stände and Religionen zu Gunsten der Juden — diese Verurtheilung des Antisemitismus von seinem Geburtshelfer Stöcker bis zu dem letzten russischen Mörder sich ▼orznfQhren. Besonders hervorzuheben ist die herrliche Rede des Cardinal Manaing. Siebekundet, dass die Verbreiter des grausamen Blutmärchens in der katholischen Kirche doch nicht die Oberhand haben. Lew in. Zur Abwehr, von Edmund Lichtenstein-Anagelon. Das antisemitiscue ״Deutsche Tageblatt“ im Lichte der Wahrheit. Bei Georg Wolff, Schönebeck, 30 Pf. Allen ehrlichen, biederen Nicbtjuden wird dieses Schriftchen den Beweis liefern, der nns Juden nicht mehr erbracht zu werden braucht, wie unwissend und unsittlich die antisemitische Schriftstellerei ist. Wahrlieh nicht als Jude, als Deutscher muss man Gott bitten, er mäge diese Art von Gesittung unserem Volke gnädig fern halten. Ein Kritiker, der einem Jugendbekanntennicht gewogen ist, benutzt die Gelegenheit, dass dieser die Sammelschrift ״Den Manen Berthold Auerhachs“ herausgegeben, nm selbst das Privatleben des Herausgebers zu verunglimpfen, ihn als ״Typus des Juden“ zu zeichnen und nebenhin aas Judenthum, ja die Bibel zu beschimpfen. Schöne Sorte. Notiz. Die Herren, welche in den letzten Nummern des Literaturblattes mit der Erklärung von 'מעין הברכ sich abmühen, kennen gewiss den von Dr. Bär herausgegebenen und mit einem ausgezeichneten hebräischen Commentar versehenen Siddur סדר עבודת ישראל nicht; denn dort würden sie die Quelle der offenbar einzig richtigen Erklärung gefunden haben. Herr Bär erklärt: רומז למאמר חז״ל בברכות מ׳ וסוכה מ״ו ופירש״י וכר וסלח מעין טעמה ממץ מענין ומדוגטה ובל״א, נאך דער ארט״ וp מעין י״ח/ מעין עה״ב, מעין חתימה והוא מלשון כעין תרשיש כעין נחושת עכ״ל Demnach wäre zu übersetzen: ,wir preisen seinen Namen jeden Tag, immer mit den demselben entsprechenden Benedeiungen. 8 U 8 k i n d. ▼wantwcrtliakar BMActwr Or. X»ka«r iaKagdakarg. Drude tob H. Harbaek in Bnrkj. Tarlag von Bobart Frieaa ta Laipd*

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