Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 44. (1.11.1882)
- Date
- 1882-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cölnt München, Zürich, Wien, Paria I ■ 1• » I St Wissenschaft liehe Aafiüts«: Der vierte Trüger des Talmndstndinsss nach dam Ocddent, — Beitrüge xnr Erklürang der griechischen Wörter in den Midrasehia! und Talmuden. Von Rabbiner Dr. Gebhardt in Bromberg. Literatarberieht: Recensionen: Aato-Rmancipation. Mahnrat an seine Stammesgenoasen von einem rassischen Jaden. — Gold Schmidt, Dr. J. Ueber die Zukunft and Berechtigung des Jadenthuma. — Mandl, L. Psychologie sam Verstündniss des Antisemitismus. Treue Worte an Freand and Feind. Notisen. HatMrssfc ■er ■lt veiler QssHenaagaks gssUttet. Der vierte Träger des Talmudstudiums nach dem Occident. Deo Schleier der Anonymität, der den Einen der vier Gelehrten verhüllt, welche das Talmudstudium aus dessen Heimathslande ,,Babylonien“ nach Atrika und Europa getragen und verpflanzt, haben schon Hehrere zu lüRen und das alte Räthsel zu lösen versucht. In Nr. 40 a 41 d. Bl. lässt nun Herr Bezirksrabbiner Dr. Hochstätter die bisherigen Lösungen die kritische Revue passiren, und stellt nach Ablegung der alten, selbst eine neue Lösung auf. Wir wollen uns erlauben, ihm auf seinem kritischen Gange zu folgen und seinen Bemerkungen auch unsererseits einige beizufügen. Der erste, welcher den Unbekannten zu erkennen glaubte, war der verstorbene F. Lebrecht. Es sei, meinte er, derselbe R. Chanoch, Sohn des R. Mosche, den der Geschichtsschreiber Abraham b. David eben kurz vorher erwähnte, ohne zu ahnen, dass dies der gesuchte Anonymus sei. Zwar wird von diesem R. Chanoch berichtet, dass er damals noch ein Knabe war; doch dies macht Herrn Lebrecht keine Skrupel, die aufgestellte Hypothese ist einmal unumstösslich; wenn in dem Berichte etwas dagegen spricht, 80 ist dieser Theii des Berichtes unrichtig., Lebrecht weise es besser als Abr. b. David, R. Chanoch war damals kein Knabe mehr, sondern einer der erwähnten vier grossen Gelehrten. Hr. L. geht sogar so weit, Abr. b. David darin zu korrigiren, dass es n^cht die Frau des »ach seiner Konjectur wahrscheinlich schon ältern R. Mosche war, die 4er Schiffskommandant zur Liebe zwingea wollte, sondern die seines 80 hu es Chanoch. D• vergase nur, dass im Verfolge der Erzählung berichtet wird, dass erst späterhin R. Hose seinem Sohne R Chanoch eine Frau aus der berühmten Familie Pain Cordova nahm. Sollte man einwenden wollen, dass dies schon die zweite Frau gewesen sein könnte, so muss darauf erwidert werden, da^s man, wenn auch n cht die erste, jedenfalls doch die!zweite 'Frau selbst zu wählen pflegt, ohne sich solche von dem Vater oktroyiren zu lassen. Wir müssen uns daher am den historischen Bericht halten, dass R. Chanoch damals wirklich noch ein Knabe war, folglich nioht einer der vie*■^ berühmten Gelehrten gewesen sein kann. Wir kommen nun zu der Meinung unseres gefeierten jüdischen Historikers, des Herrn Professors Dr. Graetz, der in dem Anonymus, den im Jochaain von dem ersten Editor nnd Glossator Samuel 8challam (nicht Sa8portas), in dem Berichte über die Bräuche in den babylonischen Talmudakademien citirtea Verfasser desselben, nämlich Natan hakohen ben Jizehak hababli herauafindet^ der, wie er meint, nach Narboane verkauft wurde, da wir ihn dann daselbst au treffen. Herr Rabbiner Hochstätter führt nun drei Gegengrüade ins Feld, von denen der wichtigste ist, dass, hätte der vierte Gelehrte in Narbonne sieb angesiedelt, dies den spanischen Juden, die in stetem literarischen Verkehr mit denen der Provence waren, unmöglich hätte eatgehen, und sein Name in Vergessenheit gerathen kön- Den. Dieser Gegenbeweis wird aber dadurch entkräftet, dass Abraham b. David ja überhaupt fast nur die spanischen Autoritäten kennt, von der Provence aber nicht einen einzigen, namentlich auch R. Mose hadarschau nicht, erwähnt. Das Fundament aber, worauf die Graetz’sche Hypothese beruht, hat Herr EL nicht untersucht, so wollen wir uns gestatten, dasselbe einer nähern Prüfung zu unterziehen. Im 5. Bande seiner Geschichte der Juden, Not• 21 II. begründet Herr Prof. Graetz seine Behauptung, dass jener Natan bababli, von dem der erste Editor ." des Jochasin mehrere historische Stücke mittheilte, der angenaonte jener denkwürdigen, im 10. Säeulum in..: Gefangenschaft gerathenen 4 Rabbiner war, «eiche die Talmud Wissenschaft von Babylonien nach Europa und Afrika gebracht haben, and dass dies von jenem ל Natan in Narbonne geschehen sei Als Stütze dient ihm die Stelle im Jochasin Edii. ־ Philipowsky p. 174, aus _ der wir erfahren, dass die- ,< ser Natan hababli in Narbonne lebte, nnd ein talma- - disches Lexikon unter dem Titel ״Aruoh“ verfasste. ' Das muss derselbe gewesen sein, von dem die biato- *■ tischen Nachrichten Samael Schdü&ms herrühren und diesem Aruch muss er sie sicherlich entnommen ha- י ben. Die späterhin berühmte Talmudsehule in Nar*. £ bonne, deren‘Gründer man bisher nicht kennte, sie ist v das Werk dieses Natan, der von Babylonien dorthin •verschlagen wurde. So weit Graetz, der, so trefflich גל!* sonst ■ein Scharfblick in die Tiefen der Geschichte dringt, und lange verborgen Gewesenes dareh seine :Genialität ah'• Tageslicht za fördern ▼ersteht, diesmal 1nicht das Richtige gefunden hat. Dean' (fieser Katan