Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 39. (27.9.1882)
- Date
- 1882-09-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jahlf. Xi Zur Belaaekt«■( •ll«r Jadaatka» ai Jade■ betreffenden llterariuk. traeketni(« »nf dem Gebiete der Philosophie, Geoehlehte,Ethnojmphle,The- 010fte,Ort«at*U«, Exegese, Ho- »iletik, Lltmrglk, Pädagogik. Herausgegeben ״ von Rabbiner Dr. Moritz Kah 111er. -:->»-H—- ׳־״“—־״ Mngdebnra, 87. September 18SS Bi eher dar ataaekUffiga■ 141- ־ terataz, welehe dar KedaeUoal ngeeaadt werde■, fade■ 1■ IlenalUtteelifdLMpnak■ nag. BeiKisaaadwgvoaawal SMonlsuanphrM erfelgt ■ach. Erwkk». L d-Woeheuahr. Da« ,^8dis«he Uter..«. ----- Leipiig bei Robert Friese)pro J ahrg ang and Bnehbandlnngen 3 Hk. kostot) erhalte« das ״Jüdische Literaturbla״“ gratis. — K n ■ermt« we^Tn **1^ t iTpr spaltene!*eützeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von Al ־ ~ Frankfnrt a. 11י Magdeburg, Berlin, Hamburg, COln, München, Zlirich, Wipn, Paris. Sc Co. — (fcaiga -*-*• Danb» r Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Das jJudeathum and die naaers deutsche Literatur, IV., Von MJ Friedeberg. — Ueber die Jüdin Rebecca in ״Jvanhofe“ — Die 10 Stämme. Literatnrberic ht: Recensiooen: Karl Heinrisb Christian Platb, Llcj1 tbeol. Misa.-Insp. and Priv. Doc. j— Zackermandei, Der. H. S.1 Supplement, enthaltend Uebersieht, Register und Glossar za Tosefta. Lieferung I. Nachdruck!rar mit voller Quetlenfagabe geatattet. Das! Judenthum1 und die neuere de ätsche "Literatur. IV. > Von M. Friedeberg. 'i.,1 Die sogenannten ״Literaturjudeiji'‘ gehen, wie gesagt, ,uns nichts an, weil sie wedfer .Judenthum uoojh Christenthum als ihre geistige Mutter anerkennen, weil sie von Petersburg nach Paris, yotn angestammten ״Ruski Ewrei'1 (der ,russische!Hebräer“, ein verbreiteles jüdisches Blatt in russischer! Sprache) etwa zum Pariser ״Gaulois“ übersiedeln un|d als Nomaden des geistigen Lebens keine wahre Heimath haben. Es sind geistige Kosmopoliten wie andere aifch. Beiläufig noch die Frage, ob nicht z. B. Richard Wagner’s geistiger Typus gerade aus solchen Ahasverwanderungen sich zur seiner heutigen Mystik Idurchgearbeitet hat und ob nicht das sogenannte ״christliche“ Musikdrama ״Parsifal“ von einem ״Literatuif- und Musikjuden“ verfasst sein könntd. Naives'Ghristpnthum ist es wahrlieh nicht. Die »literarischen Juddnhasser ziehen vor ihrem eigenen Konterfei die lange ijjase und bekämpfen eben auch die Konkurrenz. Das! wahre Judenthum 6011 noch ers£ seinen dichterischen Meister finden. Fremde maassen sich erschöpfende Urtheile über uns an. ״Was versteht der FOrdoner Kreisdoktor von unserem Gemüth“, sagt jenes liebliche Geschöpf altjüdischen Frauenlebens, die herzige Golde in A. Bernstein’s ״Vögele der Maggid“. Einheimisehe jüdische Dichter könnten noch einmal mit gestaltender Künstlerhand in den Schacht! des Judenthums hinabsteigen und dann in erhabenem Pathos des Moses von Michel A n g elo ihr Gebilde meissein. Das Ringen der oft auf halbemWegfeztis&minenbrechea^en Märtyrer der vielfach ‘noch uägibrochen fortbestehehden geistigen Ghetti, wart^t p&c^ aöf i^en Poeten, wenr| auch L.Kompert, 1.11 ewig I bilipp« son, Mosenjthal, K. E.'Fr’anzos, Sacher-Masoch, u. a,, ein Jeder auf seine Weise dem Probleme näher getreten. Aas diesen Geschichten tönt eine alte, versungene und verklungene Melodei, der dump'fe Modergeruch des Ghetto ist noch nicht ganz davon. Schwindsüchtig ist selbst der Jude der G. E1 i o t. Alle rufen noch in eine fremde Welt hinein: ״Nehmt auch uns;als Eures gleichen auf“, sie alle atbmen — Tendenz, am meisten die LiteralurjudepA »erhach«. Wir leiden Mangel an dichterischer Nairetät, an volkstümlichen Schriften, namentlich für die Jugead. Die sog. ״jüdischen* Novellen athmen eine ewige Monotonie, eine ermüdende Wiederkehr derael- ־bem Tendenz n Haraptentwicketüng׳ undi»Ausgingi Ungleich verderblicher wirbt aber seitens der Gegner die tendenziöse Betrachtungsweise, * das blöese Herauskehren der Race in ’ der ^Poesie / z.. ß/’-bei Gustav Freitag's Juden. ,Und selbst ein 8Q,.gemüthvoller Dichter wie Wilhelm Raabe verweilt in ausgesprochenster Einseitigkeit 1• in seinem seit 1865 in mehreren Auflagen erschienenen ,,Hunger pastor* bei der Kehrseite der Medaille. Wohl ist Moses Freudenstein im ״Hungerpastor“ vorzüglich, nach dor Natur gezeichnet, aber auch nur nach4 der Natar. Und dann, wenneinmal germanP scher und jüdischer Charakter in zwei typischen. Göstalten verkörpert werden sollten,' ist der poesie- und ideallos strebende ״Privatdocent“ Freudenstei.n der Typus des alten Judenthums? Gehört uwefet 4Jer Germane Hans Unwirsch, der, unerfahren und in sich versunken, den Hunger nach Wissen und den Durst nach Liebe noch ohne Zwiespalt in sich verschliessend, durch’s Leben zieht, ~ zu den Versteiaerungeu einer ausgestorbenen Zeit? Repräsenttrt der jüdische Geheimrath Raabe’s das moderne Jaden-' thutn, wenn er über seine Stellung zu seiner Heimath sägt: ״Ich habe das Recht, nur da ein .Deutscher zu sein, wo es uiir beliebt, und das Recht, diese Ehre in jedem mir beliebigen Augenblick aufzugeben. Die Erfolge, welche' Ihr gewinnt, erringt Ihr’ für uns mit, Eure Niederlagen brauchen־ uns nicht za kümmern. Wir sind ,Passagiere auf Eurem, 8chiff; aber wenn die Barke scheitet), so ertrinkt nur Ihr“ a, «, .jf. <« : - ^Bat 'töflü Arbeit jener jttdiseben. Kampfe(; dietaat-*;