Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 38. (20.9.1882)
- Date
- 1882-09-20
- Page
- Seite 152 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Literaturberic(1k p: STT׳ IcceuiMM. ״Aaf der Höhe**. Internationale Revue, heraus• gegeben von Leopold v. 8acher-Masoch. Leipzig. Morgenstern. 1882. J Die Frage, was sollen^wir lesen, ist in diesem ־Blatte schon öfters behandeltyorden.. Wir haben es je sattsam, erfahren, wie übelgewählte Lektüre selbst in gebildeten Kreisen Ansichten hat einnisten' lassen, ־welche falsch and verderblich geworden, sind. Zumal wir Jaden unterstützen gar oft Blatter, welche jadenfeindliche Tendenzen haben ׳— und unsere Kindern werden durch solch’ ungesunde Lektüre zu Verächtern dessen, was den Eltern heilig ist Es wird eine gute Fracht der schlimmen Saat unserer Tage sein, dass diesen Erwägungen wieder etwas mehr. Beachtung in jüd. Kreisen wird geschenkt werden; Der Namen der Gründer eines Blattes allein thut’s nichf. Hat ja Kuranda die ״Grenzboten“ gegründet, und ■syie schmachvoll hat dieses Blatt uns mitgespielt. Daher haltea wir es für unsere Pflicht, unsere Leser darauf hinzuweisen, dass seit Oktober vor. Jahres eine internationale Revae, ״Auf der Höhe“, von dem bekanitten Sacher Manoch heraasgegeben wird, deren vorliegende. 11 Hefte , bekunden, wie all’ das niedere Treiben des Racen- und Glaubenshasses diesem journalistischen Unternehmen fern geblieben ist. Sacher Masoch selbst ist un- ■ serem Leserkreise schon bestens bekannt —r sein Er- : nählertalent allseitig anerkannt. Aber auch die Namen seiner Mitarbeiter bürgen dafür, dass nur gediegene Leistungen hach Inhalt und Form Aufnahme finden. — Dass ״Auf der Höhe* eine Gebirgsluft und weite Ausschäu stets geboten werden. Nicht die Pflege des christlich-socialen Deutschthums — in der. entwürdigenden Bedeutung, welche das Wort leider in jüngater Zeit erhalten hat, — sondern echten Menschenthüms dem Herausgeber am Herzen liegt. Darum sei ״Auf der Höhe“ Allen empfohlen, welche ihr Judeatham ihrem Deutschthum nicht zum Opfer bringen, sondern beide vereint ihren Kindern als Heiiigthümer überliefern wollen. OM Aagastheft der Monataeehrift ,Auf dtir Höhe*bringt von dem bekannten italienischen Novellisten Laigi Capuaoa in Mineo eine kleine, sehr charakteristische siciliaaiache Geschichte. ,Der lahme*, und von Ferdinand von Saar in Wien, der sich mit seineu kleinen Heister werken, ״Innocenz* und ' ,Die Steinklopfer*, in die erste Bei he deutscher Prosadiehter der Gegenwart gestellt hat, eine schöne, stimmungsvolle Novelle aas Oesterreich: ,Der Exellensherr*; ferner die Fortsetzungen von Snchsr-Hasoch's spansendem Boman ,Fraa von Soldan* und Victor Escallier's ,Dame CareM*. Besonders hervorragend sind diesmal die wissenacnaftliehen Beiträge. Der gefeierte italienische Gelehrte A. de Guberoatis in Florenz spricht ungemein anregend aber: ,Italienische Tolkageschiehten and ihre Erzähler“, ProTessor A. Kleinschmidt in Heidelberg liefert ein eminentes, meisterhaft stilistisches Charakterbild der Freundin Katharina'* IL, ,Fürstin Daschkow“, Proleasor ächwicker in Badapeat entwickelt in geistvoller Weise ״Deckt Ideen vor 1846“, während der berühmte Pariser Basikgelehrte und Componist Saint-Saens eine gediegene Arbeit über »JtMerialismas and Basik* bringt. Der ausgezeichnete spanische Gelehrte Carreraa bespricht den pädagogischen Cor.gress in Ma- (Lyon) kritisirt ,Victor Hago's Torqaemada*, Adolf SUperstein (Budapest) bringt einen Artikel über ungarische Philoaophie, während A. Haeger (Amsterdam) ein Bild. moderner hol״ ländischer Literatur giebt. Der geistreiche Schriftsteller Olivier de Jalin (Paris) schlieset den Beigen mit dem Artikel ,8eebäder“. im Octoberkeft beginnt ,Auf der Höhn“ mit der Publication der Memoifen der Baronin £lise von Hohen hausen, mit welchen die gefeierte Verfasserin der berühmten ,Liebespaare* einen hochinteressanten Beitrag zur deutschen Caltur-,. Literaturand Kunstgeschickte des neunzehnten Jahrhunderts liefert An dieselben werden zieh im neuen Jahrgange die Fortsetzung der Memoiren eines österreichischen Poliseidirectors and die Memoiren einer deutschen Hofdame »nachHessen. Notizen. Zu den Worten כי תעשה הטוב והישר (Deut. 12,28) lesen wir im Sifri folgende Controverse zwischen R. Akiba und R Ismael: הטוב בעיני שמים והישר בעיני אדם דברי ר׳ עקיבא ר׳ ישמעאל אומר הישר בעיני שמים והטוב בעיני אדם. Die Ergänzung dazu findet sich Sifri zu Deut. 13, 19: זו שאמר ר״י הישר בעיני שמים Der Inhalt dieser Controverse liegt klar Zu Tage. Das Doppelverhältniss der Pflichten, die das religiös-sittliche Leben der Israeliten umfassen und ausfüllen, das Verhältniss zu Gott und zu den Nebenmenschen, welches längst im Judenthum erkannt war, ist au9 dem Schriftwort ans Licht gezogen mit Hinweis auf Spr. Sal. 3, 4: בעיני א׳ ואדם, wo dieser zwiefachen Lebensaufgabe gedacht wird.*) In der Sa che stimmen R Akiba und R. Ismael überein, ihre Differenz beginnt in der Auslegung und Verthei* lung des Schrift Wortes; R. Akiba bezieht הטוב auf Gott, הישר auf die Menschen, R. Ismael verfährt in umgekehrter, dem Wortsinn mehr entsprechender Weise. E9 macht sich jedoch eine Schwierigkeit bemerklich, die der Erklärung bedarf. Warum wird ,die Deutung an Deut. 12, 23 und nicht vielmehr an Deut. 6, 18 ועשית הישר והטוב angeknüpft? Mit der Annahme, Deut. 12, 28 stehe im Anschluss an die daselbst aufgeführten speciellen Gebote aut practischem Boden, während Deut. 6, 18 in der Umgebung der Grundlehrea des Judenthums sich befindet, und darum sich weniger eignot für die Deutung, die das gesammte practische Leben im Auge hat, kann zur Erklärung Nichts erzielt werden, da schon der Ausdrpck ועשית dieselbe nicht gelten lässt. Es liegt inde88 uicht fern, an eine polemische Tendenz zum wenigsten auf der Seile des R. Akiba**) zu denken, und durch diese Erwägung dürfte eine Erklärung für die Wahl von Deut. 12, 28 gewonnen sein. Schon in den ersten christlichen Jahrhunderten, wie dass die Schriften des Origines darlegeu,+) hat man einen Gegensatz zwischen dem Gott des A, T. und dem Gott des N. T. auch insotern aufgestellt, als behauptet wurde, der Gott des A. T. sei gerecht, aber das Attribut des Guten komme ihm nicht zu, in die- 8er Glorie strahle er erst im N. T. Nach Art der in jenen Kreisen geübten Beweisführungen konnte in Deut. 12, 28 an der Stellung des הישר vor 'בעיני ה eine Stütze für diese Behauptung gefunden werden, mochte auch deren Hinfälligkeit durch die Parallelstelle Deut. 6, 18 'הישר והטול בעיני ה aufs Bestimmteste erwie6en sein. R. Akiba begnügte sich nicht mit dieser von anderswoher geholten Widerlegung, er suchte die vermeintliche Stütze an Ort und 8telle zu zertrümmern. הישר, erklärte der in der Deutung unerschöpfliche Meister, stehe gar nicht in Beziehung auf Gott, sondern in Beziehung auf die Menschen, הטוב drücke das Verhältniss zu Gott aus, denn er ist der Gute. R. Ismael, der Vertreter der einfachem Deutung, hielt es nicht für nöihig, der Polemik zu Liebe seinen Standpunkt - der Auslegung zu verlassen, was wohl Sifri zu Deut. 13, 19 וו שאמר ר״י הישר בעיני ה׳ seinen deutlichen Ausdruck gefunden hat. Am Besten widerlegt ist *aber jene Behauptung vor dem jüdischen gerechten und nicht guten Gott durch das Psalmwort 25, 9 : טוב וישר ה׳, wozu im Midrasch Scho. T. bemerkt ist: לכה טוב שהוא ישר ולמה ישר שהוא טוב, was mau mit den Worten des Origines wiedergeben könnte: ״Natur und Vernunft lehren uns, dass es mit der Würde der göttlichen Natur durchaus nicht verträglich ist, Gott als gütig ohne gerecht, oder als gerecht ohne gütig zu denken.“ *) Vgl. Kiduschia 40a. **) Vgl. בית תלמוד Jahrg. L, S. 217. ■)•) VgL Nr. 17 d. BL 1881, ״Kirchenväter über Jaden a. 8. w•“ wcrtilaher Bedaeteur Dr. Bahnier i* Magdebarg. Druck von H. Horb ach in Baxby. V erlag von Robert F r i e * e in Leipzig,