Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 35. (30.8.1882)
- Date
- 1882-08-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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V iMlialt: tV iss e nsch af t lic he Aufsätze: Das Jujleothuin und die neaere deutsche Literatur. III. Von M. Fitiedeberg. — Prof. Strack über die Blutbeschuldigung. — Das heutige Syren. (F->rtsetsung statt Schluss.1 i Literaturbericht: Recensionen: Die AScjn bei den Hebraern und anderen Völkern des Alterthums. Notizen. Naohdrnek ■er ■it ieller aaeHeiuwgajie gestattet. Das Judenthom and die neaere deutsche Literatur. III. Von M. Friedeberg. Abgefallene jüdische Literaten hatten sich neue Götter geschaffen und man machte;uns für diese wir nicht mehr zu sehr Juden- Götzen verantwortlich. Jetzt aber sind antichristlich, nein, Christenthum ist thum und wir sind schuld daran. Während Berthold Auerbach in seiner 1836 erschienenen Erstlingsschrift ״das Judentum und die neueste Literatur“ die jüdischen Schriftsteller gegen den Vorwurf einer verkappten Gegnerschaft gegen das Christenthum ver theidigen musste,;gehet die neuere antisemitische Schule thellweise darauf aus, die chri stliehe Parole gegen dpi Juafenthum fallen zu lassen. Das Christenthum 6elbst enthält für einen Dühring z. B. zuviel Judenthum und selbst J o ha n nes Sc h o r r spricht in seiner ״Kulturgeschichte“ j gerne von Entjudung und Verjüdelung. Das heutige antisemitisehe junge Deutschland ist eben a n t ichris 11 i ch und antijudisch zugleich. Gebt diesen Herrn die Macht und sie konstruiren Euch, wie sie wähnen, ein neues antisemitisch-deutsches Volk und an Stelle der Bibel tritt die anti-semitische Poesie. Wie kläglieh zerfällt schon heute ganz and gar die frühere Art der Furcht vor dem Judenthum in der! Literatur. Flugs haben sie etwas Neues hervorgeholt. Wir sind heute gerufen, den alten Geist gegen die neuen Stürmer zu schützen. Man setze einmal unbefangen diese toll guwordene Richtung neben den ,Juden* Berthold Auerbach. Zugestanden, dass einzelne jüdische Literaten sich mit allerhand Karrikaturen an dem. sogenannten Zersetzungsprocees betheiligt haben, «a sagt doch selbst die ״allgemeine konservative Monatsschrift“: ״Diese hochinütbigen and frivolen Spötter stoben im schärf- ■ tenGegensatz zu Berthold jAuerbsch, der __ vor dem Christenthum stets eine gewisse Hochachtung gehabt hat.“ Nun hören diejenigen, die es aagpht, aber einmal das neueste Werk des Antisemitismus, .. Schmeitzner’s internationale Monatsschrift. Da* docirt . ז . Dühring in der ״Judpnfrage“: ״Das Christentum hat überhaupt keine praktische Moral, die unzweideutig, brauchbar und gesund wäre,“ Oder an anderer Stelle: ״Der Umstand, dass der Stammbaum Lessings einige Leute in Funktionen aufweist, die von Racejuden nicht ausgeübt werden konnten, verbürgt durchaus nicht, dass die Lessings nicht Racejuden gewesen. Die sittlichen und intellektuellen Eigenschaften, welche den Juden und der Juden 1 iteratur zukotnmen, sind sämmtlich bei Lessing vertreten“ u. s. w. Zur^ Judenliteratur, gegen die gekämpft werden soll, gehöC ren für die Dühring-Glagäu’sche Schule auch Schriftsteiler, die in Deutschland nar in Uebersetzunge*.be- - kannt sind, wie Benjamin D’Israeli, dessen romantisches ״Judenthum“ wir ebenfalls durchaas nicht zu vertreten brauchen. Uns ist die Race eben nicht Alles. Obwohl Disraeli... einzelne seiner Anschaunngen der neuen deutschen Schule direkt hat leihweise hergeben müssen, ist dieselbe doch sehr erboset, wenn sie ״ihre“ Wahrheiten bei dem Führer der englischen•. Tories zu lesen bekommt. Da heisst es im Sibylj ״Christiancty it completed Judaism or it is nothing“, and im ״Tancred“ ״Christentham ist Judentham für die Menge.“ Da soll nun Richard Wagner ein neues entjudetes und eotjüdeltes Christen thum schaffen, Gr, der Meister von Bayreuth, der da gesagt: (״Der Jude ist. der plastische Dämon des Verfalls der] Menschheit^.*) Vorläufig hört man indess nur, dass das ״christliche“ Musikdrama die aufregendste Sinnlichkeit athmet and die Symbole des ״alten“ Christentums zu neuen theatralischen Effekten ausnutzt. Demgegenüber -hat die Majorität des deutschen Volkes, mit Ausnahme der Apostel von Bayreuth und der großstädtischen Schaar blasirter Genussmenschen, bisher Äuerbach's Verklär rung der deutschen Volksseele als ein ideales Gut deut- , •) Und doch bat er keinen geeigneteren KapitlmwekerWr »et- ־ nen ,Partilei• gefhndea, ale den jadisehen Masikdiieeiar LevL, Sohn de« Oieaeeaer Babbln«». - ,, (Bild.) 1■ %