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Das jüdische Literaturblatt · 1882-08-09 · No. 32. (9.8.1882) · p. Seite 128

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 32. (9.8.1882)
Date
1882-08-09
Page
Seite 128 (sequence 4)
Language
German
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Geleistet hat unser Jahrhundert fürs Judenthum bisher nur, dass.«« Surrogate geliefert für das Echte, das. wir von uns geworfen haben. Wir haben damit unsdr D$seia gefristet.— doch neues Leben ist nir- ־gends xh sehen, nur Ruinen — und das schöne Grün? Disteln und Gräser über den Trümmern! Im Grossen gewollt zu haben, ist zu Zeiten auch genug. Im kleineren Kreise hat der ehrwürdige Verfasser ja Bedeutendes geleistet — aber im Allgemeinen hat er den Irrthum seiner Zeitgenossen getbeilt. Bedenklicher, als die frühen Heirathen — die wir sicherlich nicht billigen — bedenklicher, als der zu grosse Kindersegen (für den wir die Prostitution nicht einkaafen möchten) ist der innere Ahfall, dem in schweren Zeiten der äussere folgen muss. Gegen ihn helfen keine Allianzen, die bei aller Werthschätz■ ung doch nichts Neues sind, sondern nur ein Echtjüdisches, das aus dem Schiffbruch gerettet worden ist! Die Hilfe muss kommen — sie wird kommen, aber nur, wenn wir endlich feste Stellung werden nehmen zu der Frage: Bis wohin ist Jude und Judenthnm? Und־ wie stehen wir (die Gesammtheit) zu dem staatlichen Ganzen, wie zu den einzelnen Religionsgeselischaften. Palliative helfen nichts! Und Gott behüte unsere Brüder im Osten vor der Stufe, die wir ״nach reichem Bemühen“1 endlich erreicht haben. Coblenz. Dr. Lewin. Lattes, Mose. Catalogo dei codici ebraicl della Biblioteca Marciana. Italien ist das Land der Sehnsucht nicht nur für die Mignon der Poesie, nicht nur für die Kunstforscher, für den Künstler, es ist auch das Land der Sehnsucht für die jüdischen Gelehrten, für die Forscher jüdischer Alterthümer und Literatur. Noch ist die Zeit nicht da, wo ^r dort gefangene Buchstabe zur Freiheit gebracht wird, aber es bringt uns immer ein Stück vorwärts, wenn die Gefangenen selbst ihrer Identität nach uns immer bekannter werden. Ein neuer Versuch auf diesem Gebiete ist die an sich so trockene und doch so klare und treffliche Darstellung der ebr. Manuscripte in der Marcus Bibliothek zu Venedig, welche ans Lattes gibt. ■ Dr. Wolff in Wien hat 1867 in der Frankel'schen Monatsschrift schon einmal eine Beschreibung der Manuscripte gegeben, aber wie sich zeigt, nicht zuverlässig. Thenach mit Mas- 80m, Targum Haftaroth, Siddur für Rösch hasebana, ■das Sefer haschoraschim von Kiinchi, מלחמות ה׳ von ׳ J&albag, Machbereth von Parchoo, ein 8tttck des ט״ת ▼on Rambam und anderes von christlichen Verfassern Herrübrendes findet sich da. Die Beschreibung, welche Lattes gibt, scheint eine recht genaue zu sein und verdient darum besondere Beachtung. “ Waenache, Dr. Aug. Bibliotheca Rabbinica. Der Midrasch Debarim Rabba. Lieferung XVI. Leipzig, 1882. Otto Schulze. 96 8. 8*. extenso darauf eingehen. Dem Uebersetzer und Verleger darf es zur Genugtuung gereichen, dass ihr Hiesenunternehmea sich mit Riesenschritten seinem ■Ende nähert. Der grössere Theil des Werkes hat bereite die Presse verlassen und sich des Beifalls der Beteiligten 2u erfreuen. Zum Abschluss der Sammlung werden noch angekündigt: Schluss von Midrasch Schemoth, sodann der zum 3. u. 4. Buche Mos., zu Ruth, den Büchern Samuelis und den Proverbüs. Das Unternehmen bedarf noch grosser Unterstützung, wenn es in dieser Ausdehnung zu Ende geführt werden soll. Wir möchten dem gesch. Autor und Verleger den Vorschlag machen, diese Sammlung mit den 5 Büchern Mos. und den fünf Megilloth vorläufig abzuschliessen; diese bilden ein Ganzes für sich, den Midrasch rabba. — Wünschenswerth wäre es auch, wenn die Lieferung Ruth recht bald erschiene, damit die 5 Megilloth zusainmengebundea werden können. Notizen. 1) Die Curatoren des British Museum haben vor Kurzem eine sehr wichtige Sammlung Orientalischer Manuscripte, bestehend aus 138 Bänden, alle mehr oder weniger fragmentarisch, erworben. Sie enthalten: 1) Aiabische Commeritare zur Bibel mit dem von Karaiten geschriebenen hebr. Texte; 2) Liturgien und Hymneh der. karaitischen und rabbinischen Juden; 3) Karaitische, polemische Abhandlungen; 4) (irammatische, lexicographische und philosophische Abhandlungen. Unter den Commentaren mit hebräischem Texte sind einige von höchster Bedeutung. Sie sind za den ältesten der bisher bekannten arabischen Handschriften zu zählen. Drei tragen das Datum A. II. 348 A. D. 959, A. H. 395 =־ A. D. 1007 u. A. H. 437־ A. D. 1045. Das British Museum hat bisher nur ein einziges M. S. dieser Art besessen, mit dem Dutum A. H. 398 A. D. 1007. Neben dem Vorzüge eines so hohen Alters zeigen diese Manuscr. auch die Ursache der im Talmud gegebenen Bestimmung, dass die heiligen Schriften mit keinen anderen Scbriftzeichen als den hebr. Quadiatbuchstaben geschrieben 6ein dttrfen. Sie thun dar, dass die JudeA in der frühesten Zeit wohl die Gewohnheit hatten, auch andere Schrift- Zeichen zu gebrauchen. Ein anderer Punkt von höchstem Interesse für die Orientalisten ist der Umstand, dass die Cäuimentare, obgleich in arabischer Sprache geschrieben, grosse Citate aus Anan’s Commentaren in aramäischer Sprache enthalten. Dies ist ein zweifelloser Beweis dafür, dass An&n, der Stifter der karaitischen Secte, in araindischer Mundart geschrieben hat. Bibelforscher werden den Curatoren gewiss dankbar sein ob des Erwerbes dieser bedeutenden Sammlung für das British Museum, das nun nicht nur die grösste Anzahl, sondern auch die werthvollsten Manuscr. des alten Testarnentes besitzt. Vor ans liegen in deutscher Uebertragung die!ersten 8 Pärascha’8 voa Debarim rabba, die midraschische Auslegung vob Deuter, c. I—XXX, 11 enthaltend. Ueber den Werth dieser Arbeit, über die Vorzüge der W. sehen ÜeberseUungsweise haben wir uns in diesen Blättern schon 80 oft mit aller Anerkennang ausgesprochen, dass uns beute der Hinweis darauf genügt Ungenanigkeitea and Unrichtigkeiten im Einzelnen mögen auch dieses Mal mit unterlaufen sein, allein sie lassen sich zählen und werden voraussichtlich auch gezählt werden, und. in.dem Appendix za Debarim rabba richtig gestellt werden. Es hiesse darum, Eulen nach Athen tragen, wollten wir hier in 2) Die Entzifferung des NameDS מכם zur Bezeichnung der getauften Fr&nkisten dürfte vtelleicht ׳ die Midraschstelle D. R. zu Deut. 4, 30 bieten, welche so lautet; חבל לספינה שהלכה לה ולא נמנה תמכם — כלומר תצדיק הוה לא טל — אמר׳ להם אשתו יודעת אני מה אתם אומרים חייכם *1.לא עברה הספינה עד שנתנה מכס שלה. Mit dieser mystyschen Anwendung des Wortes מכם wären die Abtrüonigen witzig gegeisselt werden, als solche, die dea מכם entrichtet, aber in den Hafen der Taufe eingelaufen sind. Dr. Sidop. ¥ •) ctr. Jalkut zu Ps. 47. Dass die Senatorirau die Aospielang sofort ▼erstand, zeigt{■ dass man mit ,Meeheas* in derThat ״Milab* bezeichnete, gleichsam ,der Zoll vom Fleische (Körper)." (Red.) Rnhazer ia Magdeburg. Draek voa H. Horb ach in Barby. Verlag ▼on Robart Friese ia L*lp**S•

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