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Das jüdische Literaturblatt · 1882-08-09 · No. 32. (9.8.1882) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 32. (9.8.1882)
Date
1882-08-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Znr Btlratktug •lln Jndenthu and Jmdea betreffenden literariaek. Krtekelnnngen an( dem Gebiete der Philosophie, Geschieh te^thnographte,Theelegte,Orlentalla, Exegese, Homiletlk, Litargtk, Pädagogik. He rausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Ra hm er. Magdeburg, O. Angnwt lHSä, Bicher der elasehttgigea Literatar, welche der Eedaetioa *»gesandt werde■, flade■ in, dieeewBlatte elageh. Beepreeh- ’ aag. BelElaeeadaag roa ■ w e 1 BeeeasloasexeBplare■ erdblgt aaeh Erwäha. L d.Woeheaaehr. Das ״JttdMoelse liitersstarblatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen BsebbaadhMfn (la [ ^Leipzig bei Robert Friese) pro Jahr g ang:|8 Mk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährl. bei allen Postanstaltea 1 : and Buchhandlungen 3 Hk. kostet) erhalten das .Jüdische Literatarblatt“ gratis. — laaerhte werden mit25 Pt (Er die dretge-;; spaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von G. L. Daube ' Ä Co,, Frankfurt a. M., Magdeburg,;Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. L Inhalt■ Wissenschaftliche Aufsatze: Voltaire und die Juden. IIL (Schluss.) — Eine neue Biographie Raschi's. Besprochen ▼on Dr. J. Caro-Erfurt. (Fortsetzung.) Li tera t >1r be ric h t: Recensionen: Zur Kmancipation unserer älaubensg enossen. — Lattes, Mose. Catalogo dei codici ebraici della Biblioteca Marciana. — Wuensche. Dr. Aug. Bibliotlieca Rabbinica. Der Midrasch Debarim Rabba. Notizen. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Voltaire und die Juden. III. (Schluss.) i Zur Eine des 18. Jahrhunderts sei es harvorgehoben, dass sich Männer landen — ei|nJude und meh■ 1-ere Christen — welche dieser Ungerechtigkeit, dieser schamlosen Satyre, entgegentraten. jVjr nennen den Abb6 Foucher, Mitglied der Akadeu^ie der schönen Wissenschaften, und den Abbe Clement, Beichtvaier des Königs Stanislaus. Obschon die Scpriften derselben nach dem ״Dictionnaire“ erschienen, sind sie doch nur Widerlegungen des ersten Kapitels des ״Essai über die Sitten“, betitelt ״die Philosophie der Geschichte“. Der vorzüglichen Schrift des Erstgenannte^ antwortete Voltaire durch die ״Verteidigung meines Onkels, welche 1767 unter dem Namen des ״Neffen!des Abbö Bazin“ herauskam. Der Abbd Clement*) ist ein Schriftsteller von mittelmässigem Wissen und! ohne Scharfsinn, dennoch fand er einfache und wahre Worte, welche die Leichtfertigkeit der Angriffe V.’s;enthüllten, ״tch bekämpfe einen Schriftsteller, dessen äuf verschiedenen Gebieten geübte Feder unaufhörlich 1 dieselben Irrthümer unter verschiedenen Namen wiederholt. Möchte die Wahrheit, die ich allein mit inreh eigenen Waffen vertheidigt habe, obsiegen über denl Missbrauch des Talentes, welches diesem Gegner eigen ist.“ — Voltaire antwortete nicht. All’ seine Kraft bewahrte er net)en Gegnern. Ein in Holland wohnender, portugiesischer Jude, Isaak . Pinto, bekämpfte den Artikel ״Judeü“ des philosophisehen Üictionnaires in einer kleinen Bjroschüre **) ״Kritische Betrachtungen“. Der Verfasser hatte zugleich einen an den berühmten Rodriguez fiereira (den Taubstumrnenlehrer, Erfinder der Zeichensprache) gerichte- •eo Brief drucken lassen. Es ist dies 0ie Schrift, welche eine fetale Berühmtheit erworben hat durch die Preis- ״) Sein Werk hat den Titel: Vertheidiiung der Bücher des alten Testamentes gegen die Schrift: ״die Philosophie der Geschichte von Herrn v. Voltaire. Amsterdam 1767. 8. **) Kritische Betrachtungen über das 1. Capitel des 7. Bandes der Werke des Herrn t. Voltaire. 48 Sj Haag. Die Schrift ist unter dem Namen ״portugiesische Brief♦“ später wieder gedruckt worden mit den Briefen einiger Juden. (Siehe darüber weiter unten.) gebung der Nicht-Sephardim. Pinto nimmt nämlich i_ vor Allem das Wort im Namen seiner Glaubensgenossen portugiesisch - spanischer Herkunft. Sie haben nichts von dem niedrigen Geiste, den Voltaire den Jaden zuschreibt. Sie sind produktiv, verachten den Handel, kurz, haben alle Vorzüge und alle Schatten- $ seiten des Adels. Die deutschen und polnischen Juden ‘"י dagegen stehen niedrig, sie haben Fehler, allein die Verfolgungen verschulden sie. Sonstige kleine Nebenbemerkungen, wie dass Moli&re’s Vater ein Trödler gewesen, sind nett. Diese Schrift schickte der Var- - fasser. mit einem schmeichelhaften Schreiben an den __ Philosophen, der —■ and dies richtet die Schrift—mit|j.‘ Vergnügen die Preisgebung der meisten Juden ent- " gegennahm, theilweise Aenderung versprach, aber nie bewerkstelligte: ,,Die Zeilen, über die Sie sich beklagen, mein Herr, sind heftig und ungerecht. Es giebt unter Ihnen sehr gebildete und sehr achtenswerthe׳: ׳ Menschen. Ich werde eioen Anhang in der .! neuen. Ausgabe machen. Wenn man Unrecht hat, muss inan'8 wieder gut machen, und ich habe m i t U n re cht einer ganzen Nation die Laster mehrerer Einzelner beigelegt.“ So schrieb Voltaire — er giebt damit sein Geheimniss preis und nimmt Akt von Pinto’s Zugesfändnissen. Dass jedoch auch keine theilweise Milderung eiutrat, das verschuldete die wirklich bedeutende Gegenschrift: Briefe einiger deutschen und polnischen Juden*) vom AbbA Anton Guen6e, dem Nachfolger Roll ins auf dem Lehrstuhle der Rhetorik am Collegium von Plessis. Das Werk hatte den Geschmackig des Publikums getroffen und wurde deshalb mehrmals aufgelegt. Voltaire merkte sofort, dass er hier einen? seiner würdigen Gegner gefunden habe. ״Der jüd. Briefschreiber mit Namen Gu^nöe ist nicht ohne Esprit und ohne Kjenntnisse, aber er ist boshafr, wie ein Affe — er beiss( bis aufs Blut, wo er scheinbar die Hand küsst. ״Es soll ebenso gebissen werden“, so schreibt Voltaire! an D’Alembert am 8. December 1776. . Man tadelt an Anderen am ehesten die eigenen Fehler, und so ist das ״boshaft wie ein Affe“ eine sehr treffende Bezeichnung Voltaire’s selbst. Die »״Briefe einiger Juden“ sind ein Muster kräftiger und doch feiner Polemik. Sie stellen den Spässen die Vernunft,׳} der oberflächlichen Bildung wahres und ernstes Wissen, der Spitzfindigkeit gelehrten Scharfsinn, den oft cynischen Uebertreibungen stets geziemendes Masshalten entgegen. Schritt auf Schritt -folgen sie dem Geg- . ner, haften sich an ihn, packen ihn und nachdem er^■. am Boden liegt, triamphiren sie lächelnd. Nicht ׳■u^i. frieden mit der Widerlegung aller Irrthümer Voltfci-'w *) Liawbon u. Pari« 1709, 3 Bände. 8■

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