Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 25. (21.6.1882)
- Date
- 1882-06-21
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Lauts 0*4 Worte *emabnen. Für dis Belehrung and MiffftBHtog statt äs» Factum tot; M wulde vemom־ menend veotmndfce. ffn*fedsa1 die Offenbarung vollzogen, und die Be־ lehrung allgemein bekannt war, wurde sie von Ge־ schlecht zu Geschlecht vreiler berichtet, iind mit gläubiger Ueberzeugung. bewahrheitet; man hielt oner* ochätteriich daran fest. Eine nochmalige Wiederholung solcher Belehrung wäre überflüssig und unnöthig, und konnte eben darum auch nicht geschehen sein; sie würde nur an Ansehen und Bedeutung verlieren, und au Streit und Hader unter den Menschen führen, die für die von ihnen vernommene eins׳eben, und die Wahrhaftigkeit der andern bestreiten, die für etwaige Differenspuncte blutige Kümpfe eingehen würden.. Eine wiederholte Offenbarung war auch in der That nicht erforderlich; denn wohin ihre Kunde drang, hielten die Menschen an der Belehrung fest und glaubten an den geistigen, wahrhaftigen Gott, und Wahrheit, Recht, Sittlichkeit und die Verkündigung der waltenden Liebe und Gnade haben da ihre Stätte gefunden. Dagegen ist überall da, wohin die Kunde nicht getragen und die Lehre nicht verbreitet wurde, noch heute Finster־" niss des Geistes und Götzendienst und Aberglauben; und eine Verwilderung des sittlichen Lebens hat dort die Menschheit erniedrigt.. Die Offenbarung allein hat die Menschheit veredelt, und hat ihre Bestimmung nicht verfehlt Ebenso entspricht der Sinn und der Inhalt der offenbarten Lehre ganz dem Zwecke und .der Bestim־ mung der göttlichen Verkündigung. Es wird kundge־ geben und mitgetheilt, dass eine höhere Macht waltet und wirkt, and sie übt Gerechtigkeit und nimmt sich der Unterdrückten an; sie hat erlöst und befreit Nicht nar am diese Lebenswahrheit kennen zu fernen, 80n> dern um darau zu halten, ist sie mitgetheilt worden, damit das Leben dadurch veredelt und versittlicht werde^ und an Zuversicht und Vertrauen sich erhöhe and kräftige. (Schluss folgt) Tosefta in ihrer Bedeutung für die Wissenschaft Vortrag des Oberrabbiner» Dr. Zaekerm and«! 1 in Trier. (Fortsetzung.) In seinem zweiten Werke, Einleitung in den jerusalemisehen Talmud, kam er auf Tosefta zurück, indem er eine neue Schwierigkeit fand. In Babli and Jeru־ sch&lmi werden Toeeftastellen citirt, diese aber weichen nicht nur von einander, sondern auch von Tosefta ab. Wie ist das zn erklären? Die Varianten sind nämlich derart, dass sie nicht durch Abschreibefehler erklärt Werden können; er modificirte seine frühere Behauptang and meinte Tosefta sei aus den gesonderten Wer־ ken des R. Chija und R. Hoschija zusammengeschmolzen. Es würde aber diese Behauptung heftig angegriffen. Indem nämlich auf den Inhalt einiger Tosefta־ stellen nnter Vergleichung derselben Themata in Geraars emgegsagea wurde, stellte sieb ein scharfer Gegensetz zwischen Tosefta und Mischna heraus. Es erwies sich so die Frage betreffs des Verhältnisses von Mischna ffd Toseflfc zu einander als eine der schwforifeton. Vkaeßa ist ein Doppelgänger, vqj» Mischna, enthält <He- Milben Traktat0» ähnliche Bestimatujfgeo, die iqf dkr He־ däction uqd Anordnung oft ia Inhalt abweichüm Wia jihno ito'Werk von-de# 8dacrtern R. Jebada'fltonäto redigirt worden sein? Das Gepräge derselben erweist sich als älter als das der Mischna, sie ist klarer and logischer als die Mischna, die kurz und vieldeutig ist Der Seminardirector Dünner in Amsterdam stellte die Ansicht auf, Tosefta enthalte Parthien ־— und zu diesen gehörten diejenigen, die er verglichen — die älter seien als die Mischna in authentischer Recension, und diese sei den Spätem verborgen geblieben. Bei allen diesen Erklärungen muss der Zufall wie eia deus en mechnia die Schwierigkeiten lösen. Unabhängig von diesen Forschungen und gleichzeitig verglich ich Toseftastellen mit denen der Mischna und den Citaten aus Tosefta in Jeruschaimi und Babli, und da machte ich die Wahrnehmung, dass die Citate und die Erklärung in der jerusalemischen Getn&ra mehr mit Tosefta 8timmen, die in Babli mit Mischna, ,dass überhaupt viele schwierige Stellen im jerusalemischen Talmud durch Zuhilfenahme dar Tosefta erklärt werden können. Ich wies in mehreren veröffentlichten Artikeln nach, dass Vorstellungen und Begriffe im jerusalemischen Talmud anders seien, als im Babli. Ich zeigte beispielsweise, dass die Gräber in Palästina — wie dies factisch unläugbar ist — anders waren als in Babylonien. Dort begrub man in Nischen die in die Felsen eingehauen wurden, in Babylonien in nicht tiefe Gräber. Eine grosse Zahl von Schwierigkeiten, die durch Vermischung beider Vor• Stellungen entstanden waren, wurde gelöst. Ich wies ferner nach in dem Thema: ״Ueber Beurtheilung von Zweck und Absicht bei Uebertretung religiöser Verbote“, dass der jerusalemische Talmud einen anderen Standpunct einnehme als der babylonische. Ich stellte dann die These auf: ״So wie wir zwei Gemara’s haben, eine jernsaletnische und babylonische, 60 haben wir auch zwei Mischna's, die palästinensische Mischna wurde nämlich in Babylonien neu redigirt, gleichsam im Abriss herausgegeben, und Tosefta enthält den Rest der ursprünglichen palästinensischen Mischna, der bei der Umarbeitung keine Aufnahme fand. In Babylonien hatten sich die Vorstellungen und Begriffe geändert, man trug die eigenen Vorstellungen in die alten Normen hinein und emendirte danach die alte Mischna. Die ursprüngliche Fassung haben wir in Tosefta. So erklären sich auch die verschiedenen LA. in den Citaten der Gemara. Es sind Emendationen von den babyloniseben Erklärern der palästinensischen Mischna. Dass sonach die Resultate für die Wissenschaft ganz anders lauten, ist klar. Man .kann für Alterthumsforschung oder Lexiographie beispielsweise — wie ich das nachgewiesen — nicht den Resultaten des babylonischen Talmud folgen, man muss Tosefta unabhängig von der Gemara erklären. Während Tosefta, weil im Widerspruch mit. der Gemara bei Seite gelassen wurde, gleichsam als apokryph galt, würd sie durch meine These gerade für die Wissenschaft die erste Stelle einnehmen, und eine Geschichte der Halacha Hesse sich entwickeln, wie ich es an einzelne? Thematen gezeigt. Wenn, so durch meine These die Aufmerksamkeit der Gelehrten auf die bislang wenig beachtete Tosefta gelenkt wurde, so erhielt sie noch durch einen günstigen Zufall eine höhere Bedeutung. Ich machte nämlieh die Entdeckung, dass die älteste Handschrift der talmodischen Literatur eine Toeefta-Handschrift sei, die im Besitz der Ministerin! bibliothek zu Erfurt sich befand. Vor kurzem wurde sie mit den andern bebr. Hand- Schriften in Erfurt von der Kgl. Bibliothek zu Berlin aogekauft.