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Das jüdische Literaturblatt · 1882-06-07 · No. 23. (7.6.1882) · p. Seite 92

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 23. (7.6.1882)
Date
1882-06-07
Page
Seite 92 (sequence 4)
Language
German
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einem warmes, mittelst einer mit Lehm beklebten Ofen• (bare hermetisch geschlossenen Ofen, in Kleinrussland einheimisch ist. . Die ursprüngliche Form des in Bede stehenden Wortes, wie es im Hunde der polnisch-russischen Juden von altersher gebräuchlich ist, ut Ts chu 1 n e t, woraus die deutschen Juden, denen ein slawisches tsch nicht geläufig ist, und in der Meinung, dass das u in Tschulnet ein deutsches a repräsentirt, (da die polnisehen Juden, nach der Mundart der deutschen in Sie• ben bürgen das a wie u aussprechen) ihr Schal ent oder 8chalet gebildet haben. Wa8 nun die Ableitung des Tschulent betrifft, so stammt es, nach meiner Meinung vom poln. und kleinrasa c211T08t (spr. Tschulost), Sorgfalt, Achtsamkeit, Wachsamkeit, (Knappais: cura, sigilentia), indem die Sabbathspeise Gegenstand besonderer Wachsamkeit war, daher auch die Ofenthüren Tschalentbrett genannt wird. Die Form ezulent findet sich allerdings im modernen Polnischen nicht, jedoch lässt das mit der negativen Partikel-nie zusammengesetzte polnische nicczubuslion, Unachtsamkeit ein ursprüngliches älteres polnisches csulenstiro mit ziemlicher Sicherheit verinuthen, aus welchem dann anser czalent, entstanden sein mag, da die Jaden in ihrem so lange verhöhntem Jargon sowohl die ältesten deutschen, als die ältesten slawischen Stämme treulich aufbewabrt haben. Eine auffallende Bestätigung dieser Etymologie bietet das von den pol. Jaden neben obigem Tschulent gebrauchte peg4, zur Bezeichnung der ebenfalls im Ofen aafbewahrten warmen Speise, bestehend aus einer von Rindsfüssen bereiteten Sauce. Dieses petz4 ist offenbar nichts anderes als das pol. piecza, altslaw. and klr. petschA, böh. pecö, ein vollständiges Synonym des pol. czulent, mit derselben Bedeutung; Sorgfab, Achtsamkeit. M. Schapiro. “ 2) Die Einwendungen in No. 21 gegen meine An- Behauung über die bauliche Einrichtung von tiefen Eingängen in unseren Synagogen finden durch den Hinweis auf die talmudischen Aussprüche des R. Elie- 8er b. Jakob keine Begründung; vielmehr findet meine Anschauung darin ihre - Bestätigung. Denn R. Elieser lebte in den Zeiten hadrianiseber Verfolgung, in denen Israel ebenfalls seine religiösen Ue.bungen verbergen und verheimlichen musste, ganz ähnlich wie die Christen in ihren Krypten. R. Elieser erlebte aber auch noch die Besserung der Zeiten, in denen unter der Guns* der späteren Kaiser Israel mit seinem reiigiösen Bekenntnis« wieder öffentlich hervortreten durfte. Der Mensch aber vergisst gar zn leieht der Ungunst der früheren Zeiten und thut, als wenn eine solche nie wieder zurückkehren könnte. Da wollte R. Elie- 8er, dee־־durch sein langes und wechselvolles Leben an Erfahrungen reiche Mann, — er lebte von der Zer- Störung des Reichs bis zu den Antoninrn drei Generationen hindurch, — aus religiösen wie aas Klugheits« rücksichten die Erinnerung an die Veränderlichkeit der Zeitverhältnisse fetlhalten und rieth im Gegensätze za den früheren Zeiten der Freiheit, wo Tempel und Synagogen hoch and frei lagen, zum Andenken an die Zeiten und Erfahrungen des Drucks, die Betstätten tief an legen (5מקום נ0י; and sich selbst innerhalb derseibeg zur Erhöhung nicht einmal eines 8tahts oder einer Baak (כסא, ספסל) zu bedienen, um bei dem Gebete der frühem Freiheit und des waltenden oder drohenden Drucks, deren Wechsel R. Elieser ja selbst erlebt und kennen gelernt batte, stets inne zu bleiben (תפלח עני)• R. Elieser wollte damit keine rituelle Vorschriften, sondern har Ermahnungen und Andeatangen geben. Die 81tte'hat sich 'anch vielfach darüber hinweggesetzt, und die Syn&gogeii, selbst wenn sie von der Oeffentlichkeit zurückgezogen wurden, doch, äusserfich erhöht, auch innerhalb der Synagogen erhöhte Redher6tätten (אלטימר) angebracht. Die Stangen aaf den Dächern unserer Synagogen und die Thürme auf denen der Kirchen, wie aie Minarets aaf denen der Moscheen, haben auch den Zweck der Erhöhung. Der Ausdruck ירד אל התיבזל hat auch keineu Bezug zu der vertieften I baulichen Einrichtung des Eingangs, sondern ist nur im Gegensatz zu der Rednerstätte (עלייה) gebraucht, der gegenüber das Betpult (תיבה) tiefer lag. An Erhöhungen der Betand Opferstätten erinnern aber aas alter wie neuer Zeit Bezeichnungen wie טגדל עץ> טובח הר הבית (Neh. 8, 4), י־־1!^ ,(במות) במה בוטה Höhe, (altare (altus), Altar, auto (alto) da f6 (Glaubensaltar), wie man die inquisitorischen Scheiterhaufen nannte)'. Die bauliche Einrichtung eines vertieften Eingangs in unseren Synagogen hat also schon von alter Zeit her in den angegebenen Zeitereignissen ihre Begründung. Es war auch damals keine christliche Nachahmung,( denn Christen und Juden litten in der anfänglichen Zeit unter einem gleichen, traurigen Geschicke. In der spanischen Verfolgangszeit traten dieselben Zeiterscheinuugen wieder hervor. Damals war die Christliehe Kirche frei, die herrschende und bedrückende. An eine Nachahmung der christlichen Sitte war wieder nicht zu denken. Die Erinnerung an die alte Zeit des Drucks wurde durch die neuen Erfahrungen aufgefrischt. Die Sitte, vertiefte Eingänge an den Synagogen zu machen, wurde nach den Verfolgungen der Mauren und Christen allgemein, denn der Einfluss Spaniens auf die Zustände und Entwickelung des Judenthums im Mittelalter war ein allgemeiner. R.-A. 3) אורים ותומיס. Die Anfrage eines katholischen Geistlichen über diesen Gegenstand hatte mir schon die Feder in die Hand gedrückt, um Uber denselben zu schreiben, als ich den betreffenden Artikel vom Collegen Hochstädter in Nr. 20 las. Ich bin nicht der Ansicht, dass darunter reelle Gegenstände za verstehen seien, sondern nehme diese Ausdrücke nach Art der LXX als abstracte: (innere) Erleuchtung und (äussere) U nbescholtenheit geistige Aufklärung und sittliche V ollkommenheit. Der Plural wird oft'für abstracte Be- Ziehungen gebraucht, wie רחמים, oder er dient zur Bezeichnung einer Verstärkung und Wiederholung, wie צופים stark, immerfort, immerfliessend. So אורים starken, immerwährende Erleuchtung, תוטים starke, immerwährende Unbescholtenheit. ונתת אל wäre dann, bildlieh zu fassen. der Art, dass dem symbolischen Zeichen des הושן המשפט für die gerichtlichen Entscheidungen and religiösen Antworten die geistige Erleuchtung und sittliche Vervollkommenheit des Hohenpriesters gleichsam als Charakteristiken beizugeben seien, dies will sagen, dass diese Eigenschaften dem Hohenpriester inaewohnen müssen, eine stillschweigende Voraussetz• ung und unerlässliche Bedingung bei demselben seien, um seine Entscheidungen und Antworten als wahr und göttlich erscheinen zu lassen. Reelle Gegenstände, welche man darunter verstehen will, wie das heilige Tetragramm oder kleine Abschriften des Decalogs, die man in das Innere (Sack) des Choschea gelegt, haben in Nichts ihren Haltpunkt und beruhen auf blosser Vermuthung; wir wissen weder von einem solchen SackÄ, noch von solchen Abschriften. Gab es denn damals, schon ein audres Schreibmaterial, als Stein? Steinerne Abschriften aber konnten doch unmöglich in einer Brusttasche nachgetragen werden. R.-A. TwaatwcHMchw Bsäsctssr Pr. kikwr 1■ Magdeburg. Druck tos H. H orb sah U Bsrby. Vsrlac vo* Robert fr iss« fas Laipöf•

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