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Das jüdische Literaturblatt · 1882-05-31 · No. 22. (31.5.1882) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 22. (31.5.1882)
Date
1882-05-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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2 Zar Balaaektnag aller Jad«atkaa aad Jade■ betreffenden llterarfneb. Emebelnnngen uf de■ Oeblete der PUloaophle. 8enehlehte,Ethn0|rraphte,Tbeeloffle,Orientalin, Exegese, Ho- *lletik, Lltnrglk, Pidtgoglk, Herausgegeben i von Rabbiner Ur. Moritz Rahmer. I ־ - — JtttHdeburjf, 31. Mal 108ä. Bfieker der einickUgige■ LI. . teratar, weleke der Bedaettaa. aaceeaadt werde•, fad■ m dieaewBlatte eUcek-Beapreekaaz. BelElueadaag roa s w 1 Beeeaxiouexentplaren erMgt aaek Erwähn. L d.Woekeaaakrw Daa ״Jiidlnelie JLItr rattarblmtt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen BachhaadteagM (ia Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang:8Hk. Abonnenten der israelitischen Wochenschrift11 (die vierteljihri. bei allen Postanstalten and Buchhandlungen 3 Uk. kostotj^erhalten d|ts .Jüdische Literatarblatt“ gratis, — Inserate werden mit 25 Pt für die dreiger spaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich ׳entgegengenommen durch die Central-Ännoncen-Expedition von G. I-t. Daube Ä Co!, Frankfurt a. H., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris.; Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze : Religion uiid Wunder. Von Dr. H. Hirschfeld, Rabbiner in ,Gleiwitz. —׳ Tosefta, in ihrer Bedeutung für die Wissenschaft. Vortrag des Oberrabbiners Dr. Zuckermandel in Trier. Literaturbericht: Recensionen: Wiekes, wklliam D. D. טעמי I אמ״ת. A tralise on the accentuation of poetical books of the old teatament. the three so-called N otizen. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet.! ׳ 11— ~ ״ * Religion und Wunder. Von Dr. H. Hirschfeld, Rabbiner ii^ Gleiwitz. (leist aad Natur. Den Geist in uns, in dem die innere Welt entsteht und besteht, können wir nur im Gegensalz zur Natur zeichnen und erkennen. Die Natur führt uns einzelne Gebilde und Erscheinungen 1 in unendlicher Fülle vor; in ihr waltet Ursache utjd Wirkung in unabänderlicher Nothwendigkeit, die v|on der Allweis* heit gesetzt und von der Allmacht verwirklicht wird; und in fortlaufender Reihe geht Eines aus dem Andern hervor und in das Ändere über. Dejr Geist dagegen empfängt alle Eindrücke und Wirkungen von aussen, streift ihnen aber alles Naturgemässe ,ab; die entstehenden Gebilde haben keine Ausdehnijng und nehmen keinen Raum ein, und bestehen ohne ^Jebergang neben und in einander. Er verwandelt die! äussere Welt in ein inneres Gedankenbild, dem alie sinnlich wahrnehmbaren Eigenschaften fehlen. Ursache! und Wirkung folgen nicht naturgemäss aufeinander;| denn das Bild, dass hervorgerufen wird, trägt durchaus nicht den materiellen Charakter des sinnlich Wahrgenommenen, entsprechend der anregenden Ursache; Das ganze Getriebe der physicalischen und chemischen Erscheinuugen, alle Schöpfungen würden aber unerkannt Nich ts für uns sein, und gewinnen erst dur^h den erkennenden Geist Form, Gestalt und Dasein! Im Geiste ist also Nichts von der sinnesfälligen, wahrnehmbaren Natur; er ist ein Nichts in der Natur; er fasst Alles zusammen, vergeistigt und verflüchtigt es, und bringt ein Gebilde in sich hervor, wie es der stofflichen Natur nicht eigen ist. Als erkennbares Daseiendes tritt uns aber der Geist sein'em Wesen nach als Selbstbewusstsein, und seinem Wirken nach als freier Wil e entgegen. Das Selbstbewusstsein weiss sich nur selbst als ein solches, mit dem nichts anderes verbunden ist; es ist nicht ein Spiegelbild, das ein anderes Bild, das durch die Sinneswahrnehmung hervörgeriifen ward, wiedergiebt, son* dern das Bild selbst, das.da erschaut wird und selbst schaut. Es ist somit eine Eiuheit, die nicht getheilt und nicht vermehrt werden kann. Ej*ist daeich, das nur sich weiss, nicht zur Hälfte und nicht doppelt, sondern als einheitliches Ganzes. Wie sehr der Menschsich ändert; wie er zunimmt und wie er abnimmt an- Form und Gestalt, er bleibt immer unveränderlich.derselbe; die absolute Identität. Er betrachtet darum Alles, was er an sich und um sich und in sich wahrnimmt und erkennt, als ein ihm Zugehöriges, und nur soweit in Verbindung mit sich, dass es ihm eigentb&m- - lieh ist. Er sprioht von seinem Körper und dessen Gliedmassen, von seinem Geiste und seinen Fähigkeiten und hält Alles als ein Angeeignetes und Erworbenes, als gehöre es nicht 2u seinem Wesen. Im Selbstbewusstsein erkennt also der Geist ein bestimmtes, unbekanntes Etwas, dass nicht sinnesfällig bezeichnet, und naturgemäss vorhanden ist, das nicht aus Theilen besteht, oder durch sie gebildet. wird. Der Geist schafft und" wirkt aber durch den freien Willen; was er schafft und wirkt, reibet sich dem Laufe der Natur ein, und hat seine natargemässe Folgen, aber wodurch er wirkt und schafft, das bleibt unerklärt; es ist in den meisten Fällen keine Ursachej für seine Wahl und Entschliessung vorhanden; er ist durch Nichts gezwungen, bestimmt und angehalten. Es ist Nichts erkennbar, dass ihn leitet und zu seinem Verhalten veranlasst. Der freie Wille setzt Nichts voraus, das in ihm sich zur Entscheidung regt und bewegt. ״Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei, and würdV er in Ketten geboren.“ Der äussern, fremden Nöthigung gegenüber setzt er die Kraft seines Willens, mit der, er Alles überwindet. Diese Erfahrung macht jeder an sich selbst, dass er innerlich frei ist, wählt und sich entschliefst. Aber nicht blos die Erfahrung lehrt es uns, wir wissen es durch uns selbst. Wäre irgend ein Motiv oder eine• Ursache für die Bestimmung des freien Willens da, so müssten wir uns dessen eatwe» der auch bewusst werden,-oder es müsste unbekannt fx f -־ CP1

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