Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 19. (10.5.1882)
- Date
- 1882-05-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Wo. 19 Das . B I ץ- Zar Baleaehtang aller Jade•• tha■ •ad Jadea betreffeadea literarisch. Ersehelnaagea aaf dem Gebiete der PhUeaopbie, 6eaehlehte,Ktl1a0Kraphle,Tbe- •logie,Orieatalia, Ixtgeae, Ho• mllatlk, Litarclk, PMagoglk. v Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Kahtiier. —-V4+-H-- .. נ faffdebarg, IO. Mal MS3. Büeber der elaaehUgtgaa LI• teratar, welche der Bedaettea ■ageaaadt werden, fladea ia dleaeai Blatte etagAPeapreeb ■a*. BelBlaaeadaag ▼ea 1 w e I Keeeaaloaaexewplarea erfblgt aaeh Brwiha. L d-Woeheaachr. Das ״Jttdlnelte IiltermtarblmttU erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen BackhMdtaiigM 0* Lei p zig bei Robert Friese) pro Jahrgang:SHk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift* (die vierteljährl. bei allen Postanstalten nnd Bnehhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten <(as ״Jüdische Literatnrblatt* gratis. — Isaacrmte werden mit 25 Pt für die drei gespaltene Petitzeile berechnet and ausschliesslich entgegengenommen durch die Central• Annoncen-Expedition von <3•• T •- Oaabe Sc Co״ Frankfurt a. M-, Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, HUnchen, Zürich, Wien, Paris. Inhalt! Wissenschaftliche Aufsätze‘ Eine jüdisch-deutsche Obrestomathie. II. — Ueber die Ursachen der ן Landesplagen in Davids letzten Regierungsjahrsn. Von Dr, B Hochjtädter, Bezirksrabbiner z1׳ Bad-Ems. Literaturb erichl: Recensionen: Schwsbacker, Dr. Der Kaiserpark, II. Ablh. Blätter der Erinnerung Iden Hanen Alexanders des Befreiers gewidmet. Notizen. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Eine jüdisch-deutsche Chrestomathie. II/) Was haben unsere Alten gelesen?' Die Beantworlung dieser Frage ist neben der sprachlichen Seite uns am wichtigsten. Leider bekommen wijkeine ausführ־ liehe, keine vollständige Antwort. Die Uebertragung nichthebräischer Schrifien ist einem 2. Bande vörbehalten — ond eben dieser Literatursgweig wäre am entscheiden&ten für die *•ermanisirung.der Juden schon in weit zurückliegenden Jahrhunderten. Denn sicherlieh ist es kein unerklärliches Phänomen, sondern ein Ergeboiss der Bildung6richtung in den Kreisen, aus denen er herstammte, dass schon 1220 in Franken ein jüdischer Minnesänger dichtete, Süsskind von Trimbarg, dessen Lieder würdig erachtet worden sind, der manessischen Sammlung einverleibt zij werden. Doch wenden wir uns von dem, was wir vermissen, zu dem Reichhaltigen, das uns geboten wird! Zuerst werden die Bibelübersetzungen vorgeführt. Die älteste derselben ist in Cremona 1540 und auch!damals vielleicht schon in zweiter Auflage gedruckt ,worden. Neben dem Pentateuch enthält der Basele^ Wiederabdruck, der dem Verf. Vorgelegen, die fünf Rollen und die Haphtaroth. Von des Paulus Aemilius Uebersetzungen erlassen wir uns den Bericht, da dieser nicht für Juden — abgeschrieben hat Levita’s Psalmen übersetzung — Venedig 1545 —, eine andere Verteutschung desselben Buches — wol verteischt ir! teutscher sprach gar schön un’ bescheidlich, und gar kurzweilig drin zu leien vor weiber un’ vor ineiqlich — (Krakau 1586), sowie das Buch Esther 15901 Hundert Jahre später 3 Uebersetzungen, die in Amsterdam׳ gedruckt sind, 1676—1679 von Blitz, 1667 von Witzenhausen, eine andere von 1755 mit Tejät und Raschi (מגישי מנחה). Dann Glossare und Wörterbücher (Sefer schel R. Anschel — 2. Auflage, Krakau 1581). Handschriftliche, wahrscheinlich aus dem! 15. Jahrhunderte stammende Worterklärungen zu Jes^ias und den 12 kleinen Propheten sind, wie die meisten der Ueber- *) Im Artikel I. Nr, 17 ist zu lesen: 1?Vas is der Maehr st ■»ler; pruven st pruan; (raren st. trev^n. Setzungen für den Schulgebrauch, den Unterricht'imd nicht für die Lectüre bestimmt gewesen. Denn für die Lectüre der Unwissenden musste der Wortlaut der Bibel mit ,hagadischen Elementen durchsetzt werden, wodurch sich ein besonderer Literatixrzweig gebildet hat, über welchen wir ausführlicher sprechen werden. Die Psalmen dagegen waren die Hauspostille. Das erweist, dass nicht, allein der Titel, sondern die Uebersetzung von Rosel Fischeis gereimt ist. Als, Probe diene der erste Vers von Ps. 1: Wol dem man der nit in der D'J?B^I rat get, - un' in weg der Sünder nit er stet, T '־ in gesess der spöter nit er sitzt, r.eiert auf recht der iTljP gibt er sein sin un’ wiz; und der letzte von Ps, 96: ־ Das veld un' was drauf is sol haben grose vreid, sie wern singen mit iren bletern ale helzer des walds un'auch die heid, vor got den hern den er is körnen za richten die erd weitun' breit,' er rieht die weit mit recht un' die velker mit warheit. Dadurch, dass diese Uebersetzungen den Erklärungen Raschi’s folgen, haben sie hagadische Elemente fast unbewusst aufgenommen — wie dies auch bei nichtjüdischen, besonders der des Nicolaus de Lyra der Fall ist. Als Hauptbestandteil aber tritt die Hagadah hervor in dem bekannten Zena un’ r’ena. Es ist von Jacob ben Isak verfasst, 1648 zum ersten Male gedruckt' und enthält den Peotateuch, die Haft&roth und die fünf Rollen. Es hat bis in unser Jahrhundert hinein in keinem jüd. Hause gefehlt — hat überall die Sabbalhlektüre gebildet, die als religiöse Pflicht aufgefasst wurde. Der Mann las den Wochenabschnltt im Original mit Raschi und Targum, die Frau das ״teitsch Chumesch.“ Es ist der König der jüdischen Frauenliteratur. ״Die Jugend sollte lernen^aber nicht lesen; und nur die ältere weibliche Jugend macht darin eine Ausnähme.“ (S. 194.) Für die Krauen aller Altersklassen waren diese Bücher bestimmt. S. 195. Die jüdisch-deutschen Bücher habelft^as miteinander gemein, dass sie sich innerhalb eines streng abgegrenzten Gebietes bewegen; allen gemeinschaftlich ist aber auch die Demutb, Bescheidenheit, die milde Resignation, das Gemütliliche, die fromme Innigkeit und Innerlichkeit.“ Wunderschön und zugleich wunderbar wahr ist die Parallele zwischen der jüdischen B’rau in der Haube und diesen Schriften. — ״Andererseils ist es, zum Theil wenigstens, eben dem Einflüsse dieser jüdischdeutschen Bücher zuzuschreiben, wena die häuslichen Tugenden, wenn Pietät, Familiensinn, fromme Sitte, Mildthätigkeit und Wohlthätigkeit im jüd. Hause herrschte.“ (S. 196.) Diese Bücher sind eben eine Blumenleee aus dem Garten der Hagada und'ersetzten