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Das jüdische Literaturblatt · 1882-05-03 · No. 18. (3.5.1882) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 18. (3.5.1882)
Date
1882-05-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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So. IS. I Das Jahrg'. Zir Bdraektn! »Her J.d«■- <.■*» ui Jade■ betrede.de■ llterarUek. tnekeliup■ uf dem Gebiet« der PUloeopkle, 9eeehlekte,RthBesraplüe,Theelegie,Orieeta]la, Ingue, Houlletlk, Lltmrclk,Pd<Uco(lk. Herausgegeben Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. H^asdebarg, 3• Mal 1HSS, Bteker der duOttiip■ U• teretmr, weleke der Kedmetto» ngMudt werde■, tsda■ 1■ dleeemBUtte «iageb.BMpr.eb ■eg. BelKl.ee■ du|T»1w.l SeeeMioaeezeuplare■ eriblgt aaeb ErwUue. I d.Woebesaehr. Dae ״JRdlselee IJterieteerlelatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen BechbandhiH— (1■ Leipzig bei Robert Fr lese) pro Jahrgang:(} Mb. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift* (die vierteljihrl. hei allen Pools ns t eiten nnd Bach handlangen $ Hk. kostet) erhalten das »Jüdische Literaturblatt*1 gratis. —!■seratc werden mit 25 Pt für die drei gespaltene Petitzeile berechnet nnd ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-AnnonCen-Eipedition ron Cr* IL» Danbe Sfc Co., Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, H ambarg, Cöln, München, ,Zürich, Wien, Paris. Inhal ti Wissenschaftliche Aufsätze: Gedächtnissrede auf Berthold Anerbach nnd Moritz Oppenheim, gehalten, am achten Tage des passahlesles. Literatnrb ericht: Recensionen: אגרות הרשב־"|1 עם אגרח דבדח»י. (Verlag von Moses Keiner in Wilpa, Sarczestr.) Notizen. NacMraek ■ur ■it voller Quellenaegabe gestattet. Gedächtnisrede auf Berthold Auerbach uud Moritz Oppen heim, gehalten am achten Tage des Passabfestes. M. A.! Es giebt in dieser Stunde;des Gedächtnisses kaum ein Gefühl, in welchem Traue)■ und Erhebung, Schmerz und Trost so wunderbar gemischt sind, als die Erinnerung an grosse Menschen, die gestorben sind und dennoch ewig leben durch die Gßistesthaten, mit denen sie ihre tiefen Spuren in die furchen der Zeit t eingegraben. Wenn 601ch' erhabene Gestalten; vor unsern Geist treten, dann ist es fast eine Entweihung, eine Entwürdigung ihres Andenkens, so wir der Rläge ungebührliehen Raum geben. Wer hochgemutjhet von sich sprechen durfte: ich kann nicht völlig »terbeD, ich habe Dauerndes geschaffen, wer fortlebt unjd dauert durch die grossen Wirkungen, welche auch naejh dem Abschuss seiner irdischen Laufbahn von ihmj ausstrahlen, aessen Tod ist vor Allem eine Mahnung, das ganze reiche Leben einer so seltenen Persönlichkeit zusammenzufassen und an der Betrachtung eines Daseins, dessen Segen seine Schaffeusfülle u6d seine Schaffensfreudigkeit gewesen ist, sich zu erbäuen. Jeder Einzelne, dessen Herz jaus den Wunden blutet, die der Tod ihm geschlagen, tSägt seinen Schmerz in’s Gotteshaus, dass die gemeinsahie Feier den herben Kummer in Wehmuth löse; über besonders erwacht in diesem Momente die Erinnerung an solchen Verlust, der Alle, der die ganze Gerrieinde Israels jüngst betroffen hat, und wenn diese hehren Schatten vor uns äufsteigen, dann sollen wir erwägen, worin der Kern und die Ktaft ihres Lebens gelegen hat, warum sie ewig leben. Darum nennen wir heut an heiliger Stätte ehrfürchtend den Namen Berthold! Auerbach, den Juden und den Deutschen, den Mahn, der 60 deutsch war, dass er der deutschen Volksseele ungeahntes Geheimniss entlockt und offenbart hair, und der so sehr Jade war, dass ihm das Herz braah ob all der Schmähung, die seinem Stamme ׳jüngst widerfuhr. Ein geistvoller Mann hat die Juden die Germanen des Orients genannten der That giebt es kaum noch zwei Volkscharaktere, die soviel Veiwandtschaft mit einander' haben, als der deutsche und der jüdische, y Hier wie dort der hochentwickelte Familiensinn, die keusche Strenge des sittlichen Lebens, die gemüthliche Pflege des Hauses und seiner Freuden; hier wie dort eine Universalität des Geistes, dem Nichts Menschliches fremd ist, der nicht in thörichter Selbstbeschränkung ן auf das eigene nationale Geistesschaffen sich zurückzieht, sondern sich nährt aa allem Guten und Schönen, aus welchem Boden immer es hervorgesprossen sein mag; hier wie dort, jener, wenn ich so sagen darf, transceudentale Zug, jene unüberwindliche Neigung zu dem Uebersinulichen, die unermüdliche Lust den tiefen Räthseln, welche die Welt und die eigene Seele uns stellen, nachzuspüren und auf den Grund zu kommen.. Im Denken wie io» Empfinden ist eine tiefe Verwandtschaft zwischen diesen beiden Stämmen und die Religion, anderswo 80 oft Sache der Convention ׳ und ohne inneres Leben״ ist Keinem so sehr Sache. des Herzens und todesmuthiger Ueberzeugung als dem Juden und dem Deutschen. Hieraus ist es za erklären, dass der deutsche Israelit 80 rasch in das deatsehe Volksgemüth und sein innerstes Weben hineingewachsen ist, dass aas dem Judeathum hervorgegangene Dichter den Pulsschlag des deutschen Herzens bei&asehen und: es in seinen leisesten Regungen verstehen und schildern konnten. ' - Und es giebt kein deutlicheres Zeugniss dafür, dass der deutsche Israelit deutsch ist von der Sohle bis zum Scheitel, als Berthold Auerbach. Nicht auf ausgetretenen Bahnen hat er zum Ziele des Dichterriihms gestrebt, nicht als gewandter Nachahmer vorhandener Muster hat er Erfolge erzielt, sondem er hat neue Stege ausgefunden und sich selbst den Weg gebahnt zu den Tiefen des deutschen Volksherzens, in die vor ihm noch Keiner war eingedrungen. Schätze hat er. aufgedeckt, an denen noch heute nach Jahrzehenden in dieser so rasch übersättigten und nach Neuem begehrendeo Zeit das Auge des Schauenden sich ergötzt, und wenn die Kritik der Gegenwart nicht ganz auf falscher Fährte ist, so kann die Behauptung gewagt werden, dass noch kommende Jahrhunderte an diesen Kleinodien ihr Herz erfreuen werden. Jahre lang war seine Einbildung auf den verschiedensten Gebieten umhergeirrt, und endlich haftete sieanNordstetten, seinem Heimathsdorfe. Die Stätte, wo er geboren war, wurde auch die Geburtaetätte •eines Ruhmes, und so sollte auch dort, wie er pietäU■ voll es anordnet hat, bei den Gräbern der Eltern sei•

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