Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 16. (19.4.1882)
- Date
- 1882-04-19
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sachlich w&re zweierlei hervorauheben: 1) com• bifiirt der VerfL die beiden Hypothesen des Marcus and des Haldvy und meint, dass die Jaden in Abess. zum Theil von spätestens in der Alezandrinischen Zeit eingewanderten Palästinensern, zum Theil von im himjarischen Kriege gefangenen Jaden abstammen. Gegen diese Combination lässt sich nichts Erheblich^s einwenden, ־wenn nicht etwa die Erwägung geltend gemacht wird, dass die ursprünglichen Palästinenser nicht blos spätestens in der Alexandr. Zeit eingewandert sein müssen, sondern sicher und gewiss sehr viel früher, weil die Falaschas (nach Flad) in ihrem Orith nur den Pentateuch, Josaa, Richter, Bamuel und Ruth hatten: wie kommt es denn sonst, dass z. B. nichts von den ^späteren Propheten“ in ihm enthalten gewesen? — 2) jEs ist auffallend, dass sich bei den Juden in Abess. keine hebräische-Bibel findet, und dass, — abgesehen von den Gottesnamen> (dass siedas Tetragramin nicht kennen, scheint uns aas dem Grunde natürlich, weil dieses ja nicht, wie geschrieben,- gelesen und ausgesprochen zu werden pflegte) und den Namen der Monate —, Niemand von ihnen das Hebräische versteht. Während sie uijüdische Eigentümlichkeiten, Thätigkeiten, G■sbräuche, Sitten und mosaische Vorschriften in peinliebster Genauigkeit beibehalten und die Jahrtausende hindurch bewahrt haben, sehen wir sie, ohne das Original- Grund buch ihres Lebens, nur im Besitzt einer in die Landes-Geezsprache übersetzten Bibel. Zar Lösung dieses Räthsels nun meint der Verf. Folgendes: ״Als die Himjaren kamen, denen jedes Verständnis des Hebräischen absolut abging, und sie sich mit den schon eingesessenen palästinensischen Jaden amalga- *uirten, stellte sich im Laufe der Zeit das Bedürfniss heraus, die Bibel in einer dem ganzen . . . jüdischabessyniseben Volke) leicht zugänglichen Sprache zu besitzen. Dieses Bedürfniss war um so dringender, als das himjarisch jüdische Element numerisch sicherlieh überwog. Man kam also wahrscheinlich überein, die Geezsprache als Bibelsprache zu acceptiren. Was aber das Loos der ursprünglich aus Palästina initgebrachtep Bibei ..geworden ist, lässt sich mit historisclter Sicherheit nicht entscheide^ .... Möglich ist es indess, dass Kaiser Susneos, d6r־m seinem blindwüthenden Fanatismus auf Alles, was mit den . . . Jaden zusammenhing, gefahndet . . ״ד., dieses letzte Erinnerungszeichen ihrer jerusalemischen Abstammung zu rauben und der Flammengluth preiszugeben“ sich entschloss. — 'Es wird jedoch selbst mit dieser Annahme das Räthsel keineswegs gelöst Es bleibt eben als eiii unbegreifliches Unicum die Wahrnehmung bestehen, dass die Juden in Abcssynien, wie in keinem anderen Lande, obgleich sie immer als Juden gelebt, d. h ihre Religionsgesetze beobachtet haben, dennoch ihre National-Ursprache, das Hebräische, in Vergessenheit gerathen Hessen und das Kleinod und höchste Gut ihres Lebens in eeiner Ursprünglichkeit nicht bewahrt und mit Aufopferung ihres Lebens behütet haben Lublinftz. Dr. F. Notizen. Ueber die Zeit der Abfassung des מ־א לחטא Im Literaturbl. Nr. 14 u. 15 versucht Herr Rabbiner Dr״ Friedmann aus Lublinitz die Zeit der Abfassung des כהא לחסא annähernd fest zustellen. Wenn wir auch dem Herrn Verfasser des qu. Artikels darin beipflichten, dass der Inhalt die Annahme rechtfertigt, dass es nach der Tempelzerstörung abgefasst wurde, 80 haben wir nichtsdestoweniger begründete Bedenken gegen die Verraathung, dass die qu. Einleitung zur Hagg&dah erst II nach der gewöhnin der Zeit zwischen 500 and 800 liehen Zeitrechnung entstanden sein soll. -Fragen wir ans zunächst, warnm diese Introduktion im aramäisehen Idiom abgefasBt ist, 80 finden wir die Antwort darauf in ״ כל בו הלכות פסח נ״אdamit die Frauen und Kinder es ebenfalls verstehen, haben die Verfasser der Haggadah des aramäischen Idioms sich bedient.“ (Bemerkt sei hier, dass Rab. Jizchak bar Moseh de Vienne in seinem‘א״ז vom heiligen דריו״ש berichtet, dass er die Haggadah bis כלנו מסובין in seiner Volksspräche vorgetragen.) Diese Erklärung lässt demnach die Schlussfolgerung zu, dass die qu. Introduktion zur Haggadah in einer Zeit abgefasst wurde, in welcher das aramäische Idiom noch Umgangssprache der Juden gewesen sein müsse. Haben aber wirklich die Juden bis ins achte Jahrhundert hinein noch aramäisch gesprochen? Wir bezweifeln es! Endlich — und darauf legen wir ,das Hauptgewicht — muss es auffallen, dass der Schlusstext לשנה הבא בני חורין im hebräischen Dialekte abgefasst wurde. Ueber diese linguistische Abweichung gibt uns ebenfalls der Verfasser des ״Kolbo“ Aufklärung. ״Dieses pium desiderium wird darum hebräisch citiri, damit nicht die Aramäer daraus politisches Kapital schlagea und uns revolutionärer Konspirationen verdächtigen.“ (Sie 1. c.) Ist diese Erklärung richtig, so kann es keinem Zweifel mehr unterliegen, dass die Abfassung des ם• בהא לחטא eine Zeit fällt, in welcher die nichtjüdische Bevölkerung aramäisch war; ebenso kann dadurch der Ort der Entstehung festgestellt werden. Trencsdn. Dr. Simon Wolffsohn. 2) Die in Nr. 13 gegebene Erklärung zu וקם שבט mit כוכבא ושביט findet sich bereits bei Aruch im Namen des R. Hai Guon, wora\1t zuerst Rapoport hingewiesen und in seinem, dem תולדות השמים von SI0nim9ky (Warschau 1838) vorangehenden Schreiben, welches auch Fürst im Literacurblatt des Orient 1840 ins Deutsehe übersetzte, begründet hat. Letzterer adoptirte auch diese Auffassung in der Concordanz und in seinem hebräisch-chaldäischcn Wörterbuche. S. J. Halberstam. 31 Zu dem Artikel ״Ueber die Pessach-Hagada“ Nr. 14 u. 15 des Literaturbl. ist zu vergleichen : ״Die ursprüngliche Gestalt der ארבעה בנים in der Pessachhagada“ Literaturbl. Jahrg. 7, Nr. 28 u. 29, wo die verschiedenen Relationen beleuchtet sind, und der des Jeruschalmi durch eine Reihe von Gründen die Priorität zagesprochen wird. 4) Ad vocem ״Greis“ in derselben Nr., erlaube ich mir eine bereits anderswo (Ung. Israelit) ausgesprochene Vermuthung mitzutheilen, dass dessen Abstammung in dem so häufig vorkommenden גרסא, גרם zu suchen wäre. Mit jüdischem Witz: ״Er ist so נוךם;‘ wurde der gerichtet, der einen Textfehler sich zu Schulden kommen liess. Auf einen formal- oder sacbliehlogischen Irrthum wird meines Wissens ״Greis“ nicht angewendet, dafür scheint eben שכוש in Gebrauch zu stehen — vollkommen entsprechend seiner Etymologie. Wf rschez. Dr. S i d o n. Auf Jacob Nachod, 8. A. פעולת צדיק חהלתו מנדת, עבודת הקודש לעד עומדת: העושה.צדקות כל עת - :ע?; ב 2אבאד לא מת! F. Mieses. Leipzig. Veraatwc!*lieber Redaeteur Dr. Rabber ia Mägde barg. Druck von H. Horbsck ia Barby. Verlag von Robert Priese ia Leipzig•