Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 16. (19.4.1882)
- Date
- 1882-04-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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r Zar Bdotttn! •Iler ttn ud Mn betreleade• llterarlack. Enekeiauge■ auf den Säblet« der Pklloeophte. fl eerbiekte.Kttaoyrmphle,Tbeelegle,OrleBtaU•, Exegese, Ho- ■lletlk, Lltarglk, Pidagoglk. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Hahmer. Magdebarg, 10. April 108S. Bleker d« elaeeklkglgea LI• teratar, waleke der Eedacttra xageaaadt werde^ •adea la dieeeai Blatte eUgwLBeatreekaag. BeOClaaeadaagroaswel Beeeaeloaeexenplarea erMgt •ach Erwika. L d/Woekeaaekr. Da• i^JBdlRebe liltemtiirblatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen BueMiaadhiagn (in Ltiptig bei Robert Friese) pro Jah rg an g: 8 Mk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift* (die rierteljdhrl. bei allen Poetanstaltes [ad Buch bandlangen 3 Mk. kostot) erhalten das ,Jüdische Literaturblatt* gratis. — Iaserate werden mit 25 Pt für die drei geaalten« Petitzeile berechnet and ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von G. Hw Daube JE Co<! Frankfurt a. M, Magdeburg, Berli n,j H amb ur g, Cöl n, M ün che n, Zürich, Wien, Paris. Iabaltr Wissenschaftliche Aufsätze: Kant und Mendelssohn. III. Ton M. Friedeberg. — Das Edict vom 11. Märzi 1812. Zur Emancipation der Juden in Preussen. (Schluss.) |— Zur Geschichte des Aberglaubens im Talmud, fiiteraturb erichl: Recensionen: Stein, Dr. Ludwig, Die Juden ic Abessynien (Falaschas) Eine Qnellenstudie. — Notizen. Naohdraek aur Mit veiler Quellenangabe gestattet. Kant und Mendelssohn. IEf. Von M. Friedeberg. I ,Hier wird sein (Mendelssohns) Andenken Unvergesslich bleiben, er ist nicht blos mit Energie and, was ebeuso nöthig war, mit sicherem Takt Itlr die Rechte der Juden eingetreten, er hat nicht blos durch die hohe Achtung, die er sich persönlich bei denI besten Mannern der Zeit erwarb, den Jude n ein^ bessere StClang gegeben, er hat zugleich mit anabijässigem Eifer an der Erziehung seines Volkes gearbeitet und es in die europäische und deutsche Bildung leiugeführt." Julian Sichmidt. Wo stehen diese Worte über Mendelssohn? In dem diesjährigen Märzheft der ״preussiscjhen Ja hr• büch er“, — Wir sind fast versucht, *e|ue optische Täuschung anzunehmen, denn diese Monatsschrift, von Treitschke redigirt, liess noch, im vorigen Frühjahr bei Gelegenheit der Lessingfeier an zweideutiger Haitung nichts zu wünschen übrig. Indess, wir begrüssen alle mit inniger Freude jedes FrühlingsknOspchen nach ertödtender Winterszeit und jeden wahrhaft befreienden Gedanken. Der Weg der deutschen Juden hat von Mendelssohn seinen Ausgang genonimen, und gerade heute, da Extreme aller Art sich wieder hervordrängen, ja sogar phantastische palästinensische Pläne sich wieder hervorwagen, heisst auf Mendelssohn zu* rückgehen, in der That fortschrei teil. Das JudenthumT gerade beginge die grösste Thorheit, wollte es sich heute nationalen Gelüsten hingeben,j einer Mode, die selbst den 15 Millionen Polen recht schlecht bekommt. Auf den Höhen objektiven Denkens fanden sich vor 100 Jahren Kant und Mendelssohn zusammen und die Welt sah mit Erstaunen, dass das Ghetto einen rein tugendhaften Weltbürger ohne alle historische Be- •timmtheit hervorgebracht habe. Und welchen Widerwillen empYaod Mendelssohn gegen Allee, was mit der Geschichte irgendwie, zusammenhing. Ij)er Rationalismus, Kant unch'Mendelssohn, haben uns emancipirt. 1755—66, als der Rationalismus in Blütbe stand,. war Mendelssohns Bedeutung am grössesten. In seinem 34. Jahre fand sich Mendelssohn,, der mit seiner Preisanfgabe Uber die metaphysische Evidenz den Sieg über Kant davontrog, berühmt. Vergleicht man die Untersuchungen des jüdischen Buchhalters im Hause Bernard Uber das Schöne und Erhabene aus den Jahren 1757 und 58 mit den gleichartigen Arbeiten Kant’s aus dieser Zeit, so wird man Mendelssohn die Siegespalme' zuerkennen müssen. Damals erhielt Mendelssohn von dem deutschen Rationalismus den Namen des deutsehen Sokrates. Wie das auf die grosse Masse ausserhalb und innerhalb desGhetto’s wirkte, ist mehr als einmal geschildert worden. Am 8. April 1766 schrieb Kant an Mendelssohn: ,Solchen Genies wie Ihnen, mein Herr, kommt es zu, in dei Metaphysik eine neue Epoche zu machen, die Schnur ganz aufs neue anzulegen und den Plan zu dieser noch immqt auf» blosse Gerathewohl angebaulen Disciplin mit Meisterhand zu zeichnen.“ , Ein Schreiben Kants vom 13. Juli 1778 giebt uns einen Einblick in das gesellschaftliche Verhältniss beider Männer. Eis lautet׳ :׳ *■ ,Verehrungswürdiger Freund! Mit dem grössesten Vergnügen ergreife ich diese Gelegenheit, wenn es auch nur in der Absicht wäre, Ihnen meine Hochachtung und den herzlichen Wünsch zu bezeigen, dass Sie in dem Genüsse einer mit fröh• liehen) Herzen verbundenen Gesundheit eines Lebens^ gemessen mögen, an dessen zurückgelegten Theil Sie - mit Zufriedenheit sich zu erinnern, soviel Ursache haben., Herr Jo öl, der in der Meinung, dass Sie mich mit einigem Zutrauen beehrten, verlangt, seinen Zatritt zu Ihnen mit meiner Empfehlung zu begleiten, ist Ihrer Gewogenheit und Vorsorge nicht unwürdig. Wenn er gleich nicht mit 80 vorzüglichem Talente als Herr Herz beglückt ist, so lässt doch sein gesunder Veürstand, sein Fleiss, Ordnung des Lebens, vornämlich die ■ Gutartigkeit seines Herzens erwarten, dass er in Kurzem als ein geschickter und geachteter Arzt auftreten wetdet“ Mendelssohns Haas glänzte noch in jener petriar״ chalischen jüdischen Gastfreundschaft, welche eine Geist