Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 13. (29.3.1882)
- Date
- 1882-03-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jtfo. 13. Das a JAl^rg. XI. * Zar Beleachtnng aller Jadentham and Jaden betreffenden UterarUeh. Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie. Geeehiehte,Ethnograph le,Theologle,Orlentalla, Exegese, Homtletik, Liturgik, Pädagogik. ~־i _ Herausgegeben von Kfbbiner l>r. .Moritz Hahmer. Ma^detturs, ä9■ März lS8ö. r Bfieher der (luekB|l|«■ LItermtur, welche der Kedmetloa mgeaaadt werde», lade. Im dleaeatBlatte elagth-Beafreeh amc• BelElaaeadaas * Um l ReeeaeioauxewpUrea «rlblgt mach Erwäha. L d.Woeheaaahr. Das ,,J&climeHe LUeraturblat«“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen BaaMmadhmgw (io Lei pzig bei Röbert Friese) pro J ah r g a n g: 8 Mk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift! (die vierte liahrl. bei allen Postanstaltea and Bachhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das1 ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Inserate werden mitläPt für die dreige- ,spaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegen genommen durch die Central-Annoncen-Expedition von G. L. Daube Sc Co., Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze:' Kant und Mendelssohn. II.— Bildung und Sittlichkeit. II. (Schluss.) — Ein Edict Diocletian's. Literaturb e.richl: Recensionen: Hamburger, Dr. J. Real- Encyclopödie iür Bibel und Talmud. — Wünsche, Licen. Dr. Aug. Bibiiotheca Rabbinica. Eine Sammlung alter Midraschim. Exegetische Notizen. ' Nachdruck nur nit voller Quellenangabe gestattet. Kant und Mendelssohn.;11*) ,Gerecht heisst derjenige, der beständig in sich den Willen jträg’t. Jedem das Seine zu geben “ Spinoza. Die Wissenschaft ist gerecht in höchstem Sinne — das ist beinahe trivial und doch wie oft begegnen wir heute einem mit allerhaud Instinkten und Vorurtheilen gemischten Ragoüt, das sich auch filr ״Wissenschaft“ ausgiebt. Giebt es ja für die neueste Strömung vom Tage auch bereits eine ״Wissenschaft“ des Antisemitisinus. Das ״Deutsche Tageblatt“ feihrte neuerdings u. A. einen Dr. Wahrmund, welcher) nachgöwiesen hätte, dass das heutige Judenthum dip ״durch den Talmud weitergebildeten panischen Praktiken und Usancen“ verkörpere. Unter den Orientalisten hat es immer solche Käuze gegeben, welche ih(en gegen den Semitismus gerichteten Instinkt in ihrle Wissenschaft .hineintrugen. Schlimmer aber steht esjum die erwiesenen Fälschungen und Begriffsverwirrungen, deren sich die Antisemiten auf dem Gebiete!moderner Wissenschaft schuldig machen, um ihrem jWüthen gegen den ״Toleranzdusel“ ein gelehrtes Mähteichen umzithängen. Man sei unsererseits.jiicht sjo optimistisch, um anzunehuien, dass es ganz unmöglich sei, jemals Philosophen und Sophisten zu findeji, welche die ״neueste Wissenschaft“ nach den Tagesßtrömungen 1110dein. Das kurzlebige Zeitaller der Nationaljitätsstrümungen, einst verkörpert in Napoleon III., heule etwa (sit venia verbo) in Skobelew, hat mehr als ^inmal auch bereits die Wissenschaft in den Rausch| des Chauvinismus gestürzt. Nicht nur die Volksgunst, auch Professoren sind wandelbar. Es haben sich darob auch wie allezeit bereits in weiten Kreisen Verächter der Wis* senschaft gefunden, die es für gleichgültig erklären, *) Art. L erschien in Nr. 10 vor. Jahrgangs. ob E. v. Hartmann ftlr den ״Gelehrten.“ ein gef&lschtes Judenthuin koqptruirt, oder ob Fritz Mauthner die moderne Judenheit an Theodor Mommsen als Kadaver I - . mit aesthetischer Sauce zersetzt aus liefert, oder endlich ob Kant von den Antisemiten als einer der Ihren re* clamirt wird. ״Verachte, nur Vernunft״ und Wissenschaff!“ Der antisemitische Lärm vom Tage hat hier furchtbar abgestumpft. Aber wenn auch unsere Alten keine wissenschaftliche Belehrung über ihnen so vertraute und gewohnte Dinge mehr nöthig haben, wenn sie Ruhe haben wollen, so braucht unsere Jugend um so nöthiger Aufklärung gegenüber der ״Epoche der Begriffsverwirrung.“ Die W^seuschaft hat uns eman* cipirt, nicht das Geld unserer Vorfahren und es ist keineswegs überflüssig, heute gegenüber einer leidenschaftlich fanatischen Rotte, die für ihre gähreuden Anschauungen den kritischen, maassvollen K a n t usurpirt, hier die Wahrheit aus. der ihr angelhanen Knechtschaft immer wieder zu befreien.. Um Kant’s gelegentliche Urtheile z. B. über die jüdischen Kaufleute richtig zu würdigen,, muss man die damalige bürgerliche Stellung dei^Juden in Betracht ziehen uin Kant’s wahren Standpunkt gegenüber dein Juden* thurne zu kennen, muss man Uber sein Verhältoiss zu Mendelssohn helles und weithin leuchtendes Licht ver* breiten. Der Kampf dauert fort, vergessen wir nie, dass wir im Namen Mendelssohns streiten, und werden wir nicht müde, dieses geistige Banner denj praktischen Judenthum voranzutragen. Alle Phra* sen des heutigen Antisemitismus stammen aus gelegent* liehen Aeusserungen Kants, Herders, Fichte’s u. 8. w. Bei Kant handelt es sich uin die wie folgt in antise* mitischen Flugblättern wiedergegebene (durch Weglassung einer Einschränkung) nocli ver fälschte A n - merkung aus der ״Anthropologie“: ״Die unter uns lebenden Palästinenser sind durch ihren Wuchergeist, auch was die grösste Menge betrifft, in den nicht unbegründeten Ruf des Betrugs gekommen. Es scheint zwar befremdlich, sich* eine Nation von Betrüger□ zu denken, aber ebenso befremdlieh scheint es doch auch, eine Nation von Kaufleaten zu denken, deren bei weitem grösster Theil durch einen alten "Aberglauben verbunden, keine bürgerliche