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Das jüdische Literaturblatt · 1882-03-22 · No. 12. (22.3.1882) · p. Seite 48

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 12. (22.3.1882)
Date
1882-03-22
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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gen, dass er Gesichtspunkte aufgestellt, in welchen Fällen 0. die Hai. benutzt, z. B. wenn der Wortsinn mit der Hai. übereinstimmt, oder der Zusammenhang — wenn auch abweichend vom gewöhnlichen Wortsinn — Siehe Exod. 12,43: נכר p כל und V. 48 — es erfordert, oder wenn es Bich um eiB6 traditionelle in die Praxis eingelebte Auslegung handelt, wie bei תפילין Derartige Gesichtspunkte, die wir beispielshalher angeführt, ohne für deren genaue Richtigkeit einzusteben, berührt derVerf nicht, sondern andere stellt er auf in 5 Reihen von a—e, in welchen das Formale des Vorgehens bei der Benutzung der Hai. bezeichnet wird, nämlich mit welchen formalen Mitteln O. operirt bei der Aufnahme hal. Elemente. Was secundär ist, wird in Gruppen gestellt, das Primäre hingegen, was mit dem Wesen des Schriftworts verknüpft ist, geht leer aus. Nun gehen wir zur Betrachtung des Einzelnen, was doch im Grunde die. Hauptsache ist. Und da können wir es uns nicht versagen, sofort zu bemerken, dass alles, was lallen Aufstellungen des Verf. als stichhaltig gelten kann, bereits zu dem Bekannten gehört. •' Der Reigen wird eröffnet mit Exod. 12,3: ויקחו לדס O.: ויספון להץ. Hier soll in ‘ויסבו die Hai. angedeutet sein ,,dieses sei zum Pessachlämm bestimmt■*. Aber gerade רדברץ wäre unmöglich, was. doch schlagend aus der Anm. 59 citirten Raschi-Stelle hervorgeht, wo im Grossen und Ganzen die richtige Erklärung über den Gebrauch von נסב und דבר bei 0. ge- Seben ist. Welche Hai. ist i. B. ibid. 12, 7 oder Exod. 0,23 enthalten? Ja diese Hai. findet sich überhaupt ‘bloe in der Auffassung Raschi’s, in der Mechilta und im T. findet sich nur מקחו מבעשר, d. h. das Opferlamm ist in diesem Falle bereits am10 ׳. Nissan zu nehmen, wie es der Schrifttext ausdrücklich lehrt». Ibid. V. 4: איש V. גבר, eine Hai. die eine ויבורח von Frauen ausschliesst, und was ist V. 3, wo sich ebenfalls נבר findet, ausgeschlossen? O. wählt hier diesen Ausdruck, statt אנש oder נפש, um beim Familienfest das Familienhaupt hervortreten zu lassen. Auch enthält die cit. Mech. die Hai. nicht, aus der Tal. Pessachim 91a deutet die Mischna: נשים ועבדים in Gemeinschaft Exod. 126: בין שמשיא :.0 בין הערבים, wieder eine Hai., aber wo ist auch nur eine Spur davon? es ist das so haufig vorkommende בין השמשות in der Sprach förbung des T. O, wie Löwy Wörtb. z. d. T. s. o. שמש richtig angiebt. Es sollen die Talmudlehier sogar einen doppelten Sonnenuntergang-• angenommen haben — eine herrliche Entdeckung für die Geschichte der Astionomiel Ibid. 12, 9 נא O.: כד חי vergl. Mech. Friedmann, Reifm ש׳א s. 20. Ibid. 12, 46: בבית O.: בחבורא (Reifm. daselbst), dass aber 0.-nicht beidemal wie T. J. הבורא Lat, ist auffallend. Der Verf. ineint, nur die Hai hervortreten zu lassen, als ob — abgesehen.־ von dem Geschmack — O. sich berufen gefühlt, Hai. zu lehren, was mit seinem Heist im vollsten Widerspruch sieht. Es dürfte das חוצה beim folgenden בית entscheidend gewesen sein, was O. sich so zurechtgelegt, dgs Pes- 8achlamm soll in einem Kreise gegessen — und Mahl- Zeitgenossenschaften kann es in einem Hause auch mehrere geben — das Fleisch jedoch darf nur nicht äus dem Hause getragen werden (zugl. Pessachim 86a). IbiJ. 13,10: מימים ימים׳ o.: מומן לזמן. #«Auch da die Hai, welche die Zeit für das Tephilingebot an מימים ימימהJtnüpft, es wird aber wohl eine ־treffende Wiedergäbe des eigenen Schriftausdrucks sein, was weder nach aramäischen Sprachgebrauch in מיומין ליומץ noch משתא לשחא gelegen hätte. Ibid 20,7, Ö. giebt das erste *שן lütt למגנא, das zweite mit לשקרא• Gas muss nicht, gerade eine direct entnommene Hai. sein (vergleiche Reifm. S. 20.*) Ibid. 21,8 0.: אם בישא בע־ני רבונא דיקימה ליה ויפרהינה לגבר אחרין לית לה רשו לובונה בטשלמיה בה, Zu dieser Stelle ist bereits mehrfach auf die Deutung des R. Akiba מאחר שפירש טליתו עליה :בעדו כה hingewiesen worden (Friedmann-Mechl. Gronemann in der genannten Schrift), welche O. in בטשלטיה בה ausgedrückt hätte. Der Sinn des Ganzen wäre aber für die Art des O. nicht wenig gezwungen. Nach dem ersten Verstheil missfällt die אמה dennHerrn, um sie für sich zu behalten —דיקיטה ליה — und nach dem letzten Verstheil 8011 er sie schon ״geehelicht haben“, das wird wohl etwas zu viel sein für 0.**1 Exod. 20,13: ל' תרצה giebt 0. wieder mit ל׳ תקטול נפש, was auffallend ist. Nach dem Verf. liegt in נפש die Balacha angedeutet, und das geht so vor sich. לא תנגב bezieht die Hai. auf Menschendiebstahl, und um dies zu veranschaulichen, dass nämlich das 6., 7. und 8. Gebot blos Menschen zum Gegenstand haben, habe O. bei לא תרצח hinzugefügt נפש. Warum aber nicht an rechter Stelle, wo es nöthig und sofort verständlich ist? Wir wollen den Auf- Stellungen des Verf. nicht weiter folgen, obwohl dieselben noch zu einer grossen Anzahl von Bemerkungen Veranlassung bieten. Warum hat der Verf. eine unzweifelhafte Hai. Exod. 23,7: O.: ונקי וצדיק אל תהרג ודיזכי ודינפק דכי (!) מן דינא לא תקטול, was doch nach Synhedrin 33b — auch Mech. — gehalten ist? Auch ibid. 23, 2: להטות O.: אחדי רבים בתר סגיאי שלם דינא wird wohl zu finden sein, was Chulin 1 la so lautet: טנא הא מלתא דאמור רבנן ויל בתר רובא, מנלן׳ דכתיב אחרי רבים להטות. Aber trotz dieser Art von Leistung, wie aus dem Vorgeführten ersichtlich geworden, schreibt der Verf. S. 4, Anm. 17 wörtlich: ״Grätz irrt, wenn er meint, dass aus der griechischen Uebersetzung des Aquila ״an 14 Stellen in der tal. und agadischen Literatur ganz geläufig cilirt werden'•1. — Wer sich die Mühe nimmt, die betreffenden Stellen aus unserem T. O. aufzusuchen, der wird bald inne werden, dass jene Citate alle daselbst sich vorlinden. ,Worin besteht nun Grätz Irrthum?“ hat er unrichtig gezählt? (Rosenthal in seinem instructiven klar gehaltenen Aufsatz über 0. in 9 בית תלמוד. Heft, 2. Jahrg. zählt blos 11 Stellen). Warum wird die Zahl nicht berichtigt? Ist denn die Aufführung einer Zahl überhaupt eine Meinung? Oder meint etwa der Verf, Grätz irrt, indem sich ״die betreffenden Stellen“ im T. O. wiederfinden? In diesem Falle würde Grätz gerne irren, da sich ein Wunder vollziehen müsste, dass griechische (Jitate aus dem Aramäischen des T. O. erstehen würden, und dazu noch ein zweites Wunder, dass O. aus einer Pentateuchzu einer Bibelübersetzung sich umwandeln müsste. Irren ist bek anntlich menschlich, aber man muss doch mit Bewei sen den Irrthum darthun. Und in welchem Verhältniss steht nun die vorliegende Schrift zur Wissenschaft? Mit grossem Bedauern muss ich es aussprechen: in gar keinem. Dr. Sidon. *) Vergl. Rahmer, die hebr. Traditionen im Hieron. S. 62. **) Ueber diese and noch einige andere auffallende Stellen in O. werde ich mir erlauben, da der Rahmen einer Recension dazu nicht geeignet, meine Auffassung in besonderen Artikel mitzaiheilen. .epietwetu Veraaiin 1 TOU llji a. Ä.DOLAY LEICaTEk Frankfurt & M- Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer ia Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barby. Verleg ▼on Robert Friese ia Leipzig.

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