Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 12. (22.3.1882)
- Date
- 1882-03-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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So. 18. Das Jahrg.! XI, Jüdische Literaturblatt, r ץ Zar Belenehtang aller Jadeatku ■ad Jade■ betrelSndea literarisch. Ersehelaangea aaf de■ Gebiete der Philosophie. 6eaehtebte,Etba0Eraphte,Theologie,Orieatalia, Exegese, Ho- ■lUtlh, Lttargtk, PMagoglk. v y Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Ha hm er. —-■>־» ■f »—S- Magdebnrif, SS< März 1S8S. Bieber der elasekttgigsa LI• teratar, welebe der » za gesandt werde■, lade■ ta dleaeaiBlmtte elageh-Beaproeh u|. BeiElaeeadaaE nai w e 1 Reeeasloasexemplarea •rhlft aaeb Erwähn. L d.Woeheasehr. i Du ״Jftdlaelse KAteratisrblatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Bachhaaiflaagwi (ia Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang:8 Mb. 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Börne. Ein stolzeres Zeugniss kann es für Berthold Auerbacli, kann es für das deutsche Judenthum nicht geben, als die Thatsache, dass mitten unter den,ן wie üblich, verhimmelnden Nekrologen der Tagesblättier auch der Antisemitismus' die Brandfackel senkte und auch der Poet des Urgerinaneuthums Hans Herrig dem geschiedenen Dichter ein ehrendes Wort |n die Gruft hinab nachrief. Von Auerbach gilt Eines, was man Von den jüngeren jüdischen Literaten, zumeist Norddeutschlands nicht sagen kann — er hatte Wurzel gefasst, er wurzelte imJudenthume und hatte seine starken, triebkräftigen Wurzeln im Deulschthum. So hatte Auerbach nicht nöthig, sich mit einem fadenscheinigen Ahasvermantel zu umgeben — Auerbacji war glücklieh und verbreitete ruhiges Glück. Ein junger Schriftsleller der heutigen slovakischen Dichterschule, Fritz Mauthner hält es dagegen heute für uotbwendig, sein Judenthum za brüskireD, er sagt in seinem Roman ״Der neue Ahasver“: ״Ich bin kein Deutscher? Was bin ich denn. Ein Jude nicht! Wahrhaftig nicht. Dann bin ich ein wesenloser Mensch, ein Ahasver.“ Dass es heute dem jungen Nachwuchs, dem Jungjudenthum schwerer wird, Wurzel zu fassen und Jude zu bleiben, das ist das ärgste Brandmftl des Antisemitismus, und das hat Auerbach das Hjerz gebrochen, wie einst weder Börne noch Heine diesen ״Judenschmerz* jemals ganz verwunden, wie noch jüngst LudwigWihL, aus der unduldsamen Heimath vertrieben und Ludwig Kalisch in fremder Erde starben. Fritz Mauthner und seine Fahnenflucht wiederum, sie ist ein Zeichen der'jüngsten Zeit — eine . Karrikatur des wahren Judeuthums und des wahren j■ Deutschthums. Berthold Auerbach liebte es, die gemüthliche Seite seines Judenthums hervorzul^ehren, und es ist das Verdienst der Stein’schen Schrift,*) die viel- - ן fachen Bindeglieder zwischen den der Natur abgedach• ' ten Schwarzwälder Dorfgeschichten und dem ange- ׳ ן stammten geistigen Erbe der Väter in frischen Conturen angedeutet zu haben. Dass B• Auerbach aber den Zenith seiner Grösse * und Popularität längst überschritten hatte und dass . wir heute der״Aera Lindau, Mauthner, Blumenthal und Davidsohn, sowie, der ihr zugehörigen antisemitisehen Reaktion gegenüberstehen, ist eine Thatsache, _ die uns nöthigt, uns den Horizont unserer Betrachtung ,י noch etwas weiter zu spannen. Auerbachs bedeutender Antipode, gewisserinassen sein Gegenpol, K. Gutzkow, schrieb im Jahre 1848 sein ״Deutschland am ,j Vorabend seines Falles und seiner Grösse“ und sagte: ',j ״Ich glaube, dass es möglich ist, die, kommunisti- ’ ••J sehe Tendenz unserer Zeit durch eine edle Pflege . ״ des Nationalstolzes, eine muthige, charakterfeste An- ’ . '■ hänglichkeit an die demokratische Politik und die י Umwandelung aller schlimmen Entstellungen der Religion in 'einem feierlichen und ernsten Hinblick 'י auf die grossen Räthsel unseres Daseins zu zügeln.* Als müder und gebrochener Mann schied Gutz- ־ - kow aus seiner Zeit, in seinen lebensfreudigen Hoffnungen geknickt, ging Auerbach ein zu Beinen Vätern, noch einmal der angestammten Religion wieder und 1 wieder gedenkend. Eine nationalökonomische Tragödie ist es nicht zum wenigsten gewesen, die uns um die stolzen Hoffnungen einer Blüthe der ־deutschen Literatur nach den gewaltigen Thaten des deutschen __ Schwertes gebracht hat. Eine Salon- und Literaturwirthschaft religions- und idealloser Parvenüs, hat die von Gutzkow mannhaft ausgesprochene Gefahr in’» I Ungeheure vergrössert Die' erschreckte Gesellschaft griff in des Dichters von Nordstetten letzten Tagen, durch eine Attentatsepidemie erschüttert, nach dem , *) ״Berthold Auerbach und das Judenthum1' ▼on Dr. L. Stein. Berlin, bei M-Driesner. 1 Mark.