Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 10. (8.3.1882)
- Date
- 1882-03-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jahr«. XI mo 10. r ץ Zar Bcleaefctaac aller Jade■• täaai ■ad Jade■ betrefeadea Utermrieeh. Erachetaaacea aa( Saat Gebiete der Philosophie. 6eMhichte,Kthaographle,Theolocie.Orleatalia, Exegese, Ho• ■Uetlk, Lltargik, Pädagogik. _ Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Hahuier. Magdeburg, S> März 1SSS. Bieher der eiaeehligtgea LIteratar, welche der Bedaetloa xagesaadt werde■, lade. 1■ dieses Blatte elageh• Beepreehaag. BelZlaseadaag rea k w e 1 Reeeasieaaexewplarea trblft aaeh Krwäha. L d.Woekeuehr. Das ,,Jfiitlnelte lilterstsrlilatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen BacMNUKSaagta 0a Lei psig bei Robert Friese) pro Jahrgang:8 Hk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift" (die ▼ierteljährl. bei allen Postanstaltea and Bnehhandlungen 3 Hk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literatarblatt* gratis. — Inserate werden mit25 Pt (Br die dreigespaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von Cr. T Daab• Ä Co., Frankfurt a. H, Magdeburg, Berlin,! H ambnrg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. Inhalt! Wissenschaftliche Aufsätze: Das religiöse Bewusstsein der Henschheit im Stufengang seiner Entwicklung. (,Schluss.) — Eine neue jüdische Secte in Russland. Literatarberichl: Recensionen: Wünsche, Licen. Dr. Aag. Ribliotheca Kabbinua. Eine Sammlung alter Hidraschim. — Horowitz, Chaim M. בית עקד האגדות Bibliotheka Haggadica. Naobdraek aur mit voller QaeHenangab• gestattet Das religiöse Bewusstsein der Menschheit im Stufengang seiner Entwicklung. (Schluss.) Gäbe uns nun dieser Ijartmann’sche Monismus wirklich über die quälenrieq^traalistischen Räthsel unseres Daseins Aufschluss, zeigte er uns, wie es komme, dass wir uns als schwache Menschen fühlen, wälirend wir erhabene Götter sind, wäre mit einem Worte dieser Monismus auch ein klarer und nicht einl verwirrter Monismus, so würde er uns überzeugen und mit Freuden würden wir ihn annehmen. Allein dieses leistet dieser Monismus keineswegs. Statt die wirr liegenden F&den auseinanderzunehmen und1 dann ruhig in einen regelrechten Knäuel zu wickeln, werden dieselben alsbald gewaltsam in die kräftige Fausthöhle gepresst. da wird dann auch ein Knäuel, aber ein solcher, der die Fäden noch mehr verwirijt, als sie es 6chon waren. Das ist der paniheistische Monismus Hartmanns. Dhs ist zwar ein Beisammen, aber kein Zusammen, keine übersichtliche, befriedigende Klarheit, was aber allein den menschlichen Geist bewegt überall Monismus zu suchen. Monismus1 wäre etwas Schönes, wenn wir ihn verstehen könnten, wenigsten» so, wie wir den Dualismus — wenn auch ebenfalls mangelhaft — verstehen; aber wir verstehen leider keinen Monismus. Wir kehren darum mit Freuden zum jüdischen Prophetismus zurück, der uns zwar im Dualismus beharren lässt, aber einem klareu, unser Gemüth beruhigenden und beglückenden Dualismus, der uns zwar nicht so weit führt, wie H.. will, aber doch so weit, als wir von diesen übersinnlichen, erhabenen Dingen fa89en können. Auch in dieser Beschränkung liegt göttlijhe Weisheit. Trotz der vielen ungerechten Ausfälle, die H. gegen den Mosaismus und seine Bekenner unternimmt, bricht seine Wahrheitsliehe doch auch manchntal sehr wohltbnend durch. So gesteht er dem Judenthum gegenüber dem Christenthuin vor allem Gesundheit des moralischen Prinzips za, bekennt er die Unmöglichkeit, dass ein Jude, ein überzeagungstreuer, seinen Glauben mit dem christlichen rertauscbe;dmsJ|1denthum habe das unstreitige Verdienst, den Monotheismus, und mit ihm, Familiensinn, Wohlthätigkeil, Arbeitsamkeit und Streben nach Erken ntniss bewahrt zu haben, Züge, welche dem Judenthum die Zukunft sichern. Hätte nur Hartmann die solchergestalt sich docu* mentirende ausgezeichnete Erziehungskraft des Mosaismus im Auge behalten, hätte er nur den Gedan• ken festgehalten, dass der Mosaismus nicht, nur ewige Wahrheiten zu lehren, sondern vor allem zu diesen Wahrheiten zu erziehen hatte, er würde .dann wahrlieh mehr Veranlassung zur Bewunderung als zuVOrwürfen gefunden haben. Wir wollen zum Schlüsse noch einige dieser Vor* würfe beleuchten. , Dass das alte Testament nur iu dunklen Andeutungen die individuelle Fortdauer verheisst, hat *einen triftigen Grund. Eis galt, wie in noch vielen anderen Punkten, vor Allem gegen egyptische Anschauungen zu reagiren. Die egyptische Anschauung aber| war, dass der Mensch materiell fortdaure. Eine seelisehe Fortdauer konnte das Volk uumöglidh noch fassen. Der Gesetzgeber konnte jedoch mit Gewissheit sich darauf verlassen, dass die Lehre vom ewigen, gestaltlosen. geistig -n Gotte, der *einen Geist dem Erdensohne einhaucht und ihn belebt, in gpader Linie zum Glauben an eine individuelle Unsterblichkeit der Seele führen wird. Dass es nach jüdischer-Auffassung nur eine Co 1- 1 ec t i v schuld und keine individuelle Schuld gebe, ist ganz unbegründet.• H übersieht Stellen wie Gene*. 18,14 ff., Deut. 24,16 2. Kön. 14,6 Psalm 62,13. Die Stellen aus Gen. 19,5. 20,9. 26, JO beweisen nur, dass es auch eine Collectivschuld gebe, was aber eia gewiss sehr wahrer Gedanke isr. Eine nicht minder wegzuklügelnde, wahre Thatsuche, die noch in allen Zeiten sich bewährt hat, drückt der Passus im Dekalog aus: ״Der da ahndet die Schuld der Väter an den Kindern bis ins vierte Geschlecht.* Su weit rächt sich in der That häufig die sittliche Verkommenheit. Dass aber, wie H. meint, die Gerechtigkeit Her Cardinal begriff der prophetischen Sittlichkeit sei, und. die Liebe etwas Nachexilisches, wird zunächst schon, durch den weiteren Satz; ״and Liebe erweist bte in’s tausendste Geschlecht, denen, die mich lieben“ wider* legt, dann aber auch durch tausend andere Steilem. Ich verweise: nur auf Deuter. 1,31. 4,81. Jer 31, 2. Die falsche Auflassung von Exod. 33,30 wird durch die bald darauf folgende Stelle 34,6 dargethan. Die Liebe gegen den Fremden wird unzählige, Mul betont; die Propheten nehmen nicht nur an Israels Geschicken, sondern nuch an denen anderer Völker den liebeyoU»