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Das jüdische Literaturblatt · 1882-03-01 · No. 9. (1.3.1882) · p. Seite 36

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 9. (1.3.1882)
Date
1882-03-01
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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Ich aber erbebe den Vorwort der elendesten Verl&amdang gegen Sie, wenn Sie mir nicht dea Beweis für Ibre Behauptung erbringea, dass ich ,auf meinen Lehrer viele Invectiven gescbleadert habe.* (VIII). Sie baben ferner wissentlich die Unwahr• heit gesprochen, wenn Sie behaupten, ich’wollte die Sympathie der Christen nur durch ,Essen und Trinken“ mit denselben erreicht wissen. Das Wesentlichste, das ,Arbeiten“, sowie den persönlichen ,innigem Verkehr" mit ihnen, haben Sie, weil Ihren Intentionen suwider, wissentlich ignorirtS^ Es ist an wahr, dass ich- Mendelssohn'« Gesetzestreue als 801ehe bekrittelt habe, — Ausdrücklich sage ieh, dass jch die ehrliehe Ueberzeagang eines jeden Menschen achte und ehre, nur betracht« ieh Philosophie and Gesetzestreae als Gegensätze, die da, wo sie scheinbar friedlich neben einander ezistiren, für die Folge Heuchelei and Abfall erzeugen müssen. Als Beweis dafür führe ieh — die Taufe der Kinder Mendelssohn'« an, die kein noch so ungünstiges Gultarverhältniss entschuldigen, oder gar rechtfertigen kann. Ich soll vom Jadenthnme abgefalleu sein. — Lasse« ■Sie, Herr ,Bchewet,“ (Sie sollten sich besser ,Schewatim“ nennen, damit Sie nicht nur den Charakter, sondern auch den Namen ,Stöcker“ trügen. Das r lasse ich, nach Ihrem Vorgänge, unberücksichtigt) immerhin zur grossem Ehre Gottes den Scheiterhaufen errichten, und verbrennen Sie einstweilen meinen ßumpl, damit ich noch meinen Kopf dafür einsetzen kann, dass meine, des Deutschen, Anhänglichkeit an dtfs Jadenthum, der Ihrigen, des Polen, zum allerwenigsten das Gleichgewicht hält, wenn beide auf eine gleiche Waagschale der Beurtheilupg gelegt werden sollten. Das allein erkenne ich. selbst von Ihnen, Herr Anonymus ,Sehewet“, obwohl Sie den Balken in den eigenen Augen nicht aehen, als wahr an, dass ich die Anonvmität־ hätte meiden sollen. Ich hielt dies umsoweniger fuk unbedingt nöthig, als.ich unter dem Namen ,K. Amitti“ einem^grossen Kreise bekandt bin. Damit Sie aber sehen, dass ,Amitti* auchdie sittliche Kraft besitzt für das, was er sagt, voll und ganz einzustehen, und damit Sie weiter sehen, dass er Ihre Drohungen nicht fürchtet, wird er sich Ihnen und der Welt mit offnem Visir zeigen. Das muss Sie, den Priester ,Gottes der Wahrheit׳ wenn Sie nicht feig und ehrlos sind, veranlassen, auch Ihrerseits die Maske abzuwerfen,1 und sich mir und der Welt in Ihrer wahren Gestalt zuzeigen Das Weitere wird sich dann finden (IX). Ich heisse: Mairus Kalt, bin Beligionslehrer und Schriftsteller, und wohne: Dresden. Mathilden- Strasse 38, L links. D u p 1 i k. — I Das ist Geilunker. Ihr Gewissen sagt Ihnen, dass das Wahrheitsliebe nie Publikum Ihre Ansichten verartheilea wird. II. Ibre eigenen Worte sollen gegen Sie Zeugniss ablegen.. III. Was Sie ,Wahrheitsredeo* nennen, sind belei ligende Redensarten. Nur eine Stelle als Beweis: S. 28 ,Während man im Alterthume immerhin die Kraft besass, in zweifelhaften Fällen das Unheil der Veterinär wissen- Schaft anzurufen, haben die modernen ,Philosophen“ und juste milieu-Raobinen bis heate den geringen Muth qicht gehabt, selbst nur eine Revision dieser Gesetze anznstreben. Dazu gehörte allerdings, weil es weniger die Synagoge als das Leben berührt, «in bischen — Charakter-, Woher aber dieses Bischennelimen, in einer~Zeit, die der'Stempel der erbärmlichstcn, traurigsten Charakterlosigkeit an sich trägt, and in der alltäglich dem Volke die Lehre gepredigt wird, dass jedes Mittel anzuwenden erlaubt sei, wenn man dabei seine Zwecke erreicht? 0, tempnra, o mores! Das nennen Sie ,Wahrheit“. Das ist eine Verleumdüng der Rabbinen und der Gemeinden, der Rabbinen, das9 «ie eine so bodenlose Unsittlichkeit predigen, der Gemynden, dass sie solche Prediger dulden. Wold gibt es Religionslehrer, die die Unverfrorenheit besitzen durch Herabsetzung Anderer ihre *Weisheit zu zeigen. So verfahren Sie mit den Rabbinen und Gemeinden. IV. Und wie schwärmen Sie für Christenthum? — Seite 1, Z. 1. iDer sich nach Christo nennt, den edlen Verbreiter der erhabenen Lehre der Liebe und Versöhnung“. Z. 9. ,Könnte Jesus in seiner lichtvollen Gestalt heute unter ans erscheinen.“ S. 18 ff Aber Jetu9 erlaubte seinen Jüagerr zur Stillung ihres Hangers — ,Aehten am Stbbath zu pflücken4-; er hielt das Gesetz des — ,Händewaschens“ vor der Mahlzeit aicht, und war kein Freand der vielen in der Bibel nicht nailivreisbaren'— ,Fasttage“ un i diese, rein rabbinischen Conilicte brächten ■ihn nicht Dar in andere Bahnen, sondern brachten auch das Verhäng* nisä über ihn u. 8. w. ,Die Bildung einer neuen Religion, die ihre Matter aufs Tiefste hasste 11Ö7T veriolgte, war die Folge rab binischer Narrheit. — Dagegen von den Rabbinen :8 9. im Talmud, einer ,Fechte!•schule des halachischeu oder gesetzlichen Theiles desselben konnte sich scholastischer' Gelehrtenschwulst und spitzfindiger Rabbinismüs breit machen.“ S> 27, Z 13' 8״atzungskram, der Rabbinen“; Z 33 ״Rabbinatspfründerer“. S. 31: aber es gibt keine zweite (Religion), die darch so viele Gebräuche, Formen, Ritaalien h. so entstellt wurde, sls eben dis jüdische Religion.“ Von der Wiege bis zur Bahre, ja bis in den geheim־ sten Ort verfolgt der ,,ächulchan Arucb“ den Juden mit seinen Bestimmungen, pie unverfrome ״rabbiniache Klugheit“, der ,,pharisäische Zwang“, der ״rabbinisclie Menschensatzungskram“. Dagegen weiter: Der Stifter des Christenthums, stand er nicht fest and unerschütterlich auf dem Roden der jüdischen Religion?•* V. Seite 39. ״Nieder mit dem, dem Volke uns entfremdenden, und wie eine ״ewige Plage“ sich forterbenden Speisegesetze. VI. S. 27. 30 dürfen die Juden noch heute die ״Hinterviertel“ nicht geoiessen, weil — Jakob die Hafte verrenkt wurde, als er einmal den Kampf mit einem Engel aufnahm. Welch eine Logik offenbart hier das Volk, von dem sonst die Bibel rühmt, dass es ״weise nad vernünftig“ sei! Eine Sage, eine Vision, ein Phantasiegebilde wird zur Thatsache gestempelt und die vernunftwidrigsten Schlüsse daraus gezogen. * VII. S. 34 ff. Da sitzt auf seiner rabbinischen Doinaine das kleine, dicke Rabbinereben mit dem ewig freundlichen Gesiebte . ... er ist ein ״Patriarch", dem ״ein Bubenstück vor Menschen nicht auch ein Babenstiick vor Golt ist, u. 8. w. VII'. Das babe ich in meiner Recension auch nicht, gesagt, d h. in meinem Manuscripte, was Herr Dr. Rabiner bestätigen wird.*) leb schrieb ״gegen einen Lehrer“, nicht gegen seinen Lehrer. Sie griffen S. 35 und 3ö einen ״polnischen Lehrer“ an. Im Uebrigen behaupten Sie in Dresden zu sein, und da ist der dortige Rabbiner gewiss als Ihr Lehrer anzusehen. Wenn Sie diesen hämisch angriffen, so verdienten Sie den Vorwurf, Ihren Lehrer angegriffen zu haben. Wer der Rabbiner i9t, den Sie da schildern? dessen Freund ..der Anwalt des Rechts“ ist, der am Heerde der antisemitischen Bewegung sitzt, der eine 30 bis 40jäh rige Thätigkeit hinter sich hat? EU ist nicht schwer, ihn zu e.־- kennen. Und die Sprache, die Sie führen, ist die eines Religionslehrers unwürdige IX. Sie meinen, icli der Sehewet, sei ein Pole, vielleicht Ihr ״polnischer Lehrer“ (S. 35J u s. w. Sie irren sich, ich bin in Deutschland geboren un i ebenso meine Eltern, ich bin nicht der von ihnen geschilderte Rabbiner, habe mit ihnen keine amtliche Beziehung Wohl aber kenne ich Sie ganz genau, war Zeage Ihres Verhaltens bei einem Feste, und werde nie den Jammer vergessen, den Sie als Gast bei diesem Feste liervorgerufea haben. Darum halte ich es für eine Pllicht, einen Hann wie Sie, der iu der Jugend sehr fromm gewesen war und jetzt leider von der Zeit spricht, ״wo wir den Horror vor dem Schweine überwunden haben“ und ״Zusammenleben“ als ״Zusarnmenessen“ betrachtet, der in 80icben Worten seinem Zorne Luft inacht, dass es widerlich ist, sie nur zu wifcJerholen, einen solchen Mann zurechtzu weisen. -- Dr. Krön er *1 Wir bestätigen diei hiermit der Wahrheit gemäss. j[Red ) Auf der Höhe. Das soeben erschienene Februarheft dieser von Sache<*rlIasoch herausgegebenen Internationalen Revue schliesst sich dem vorzüglichen Inhalt der ersten Hefte, deren wir schon wielerholt gedachten, würdig an. Rin Gedicht von Victor Hugo, von F. Werner in Paris vortrefflich übersetzt, eröffnet den Reigen Der bekannte italienische Erzähler Castelnuovo schildert in seiner interessanten Novelle .,Aus dem Uamiorsaal zur Dachkammer* die Blilthe uni den Verfall einer venezianischen Adelsfamilie un l giebt auf diese Weise zugleich ein anziehendes Culturbild. Der französische Astronom Ca nilie Flammarion bietet eine originelle geistvolle Studie über die Kometen. ,Hanschmann führt in einer Abhandlung ״Der Töpfer von Salutes‘' aus, dass nicht B im ou Verulam, soa lern der Hugenoc PalUsy, wahrscheinlich des ersteren Lehrer, als der eigentliche Begründer der naturwissenschaftlichen .Methode anzusehen ist. Samaely in Lemberg erschliesst un* in einer Skizze der neuhebräischen Literatur eine neue Welt und liis-it seinem Artikel die Debersetzung einer zwar kleinen aber sehr charakteristisehen Erzählung eines bedeutenden hebräischen Schriftstellers Russlands, Peter Smolemki, folgen Palmieri theilt eine wichtige, von ihm erfundene Verbe-seruug der trockenen Säule von Zam• boni mit. Dostojewski, nach Turgenjew der bedeutendste Erzähler des heutigen Russlands, in Deutschland 60 gut wie unbekannt, wird iu einer seiner besten Novellen den Lesern vorgefilhrt. Gartendirektor Hüttig in CI1 »rlottenbur^!nicht interessante Mitthei* langen über den Triiffelbau 111' Frankreich un 1 der Wiener Geograpli Baron Schweiger-Lerchenfehl schildert den ״Winter auf dein Ocean.“. Dr. V Förster führt eine geistVolle Parallele zwischen ״Laube und Dingelstedt'• durch, während W.wida von Dunaj 5'V gegen deu sinnlosen, die historische un i ästhetische Treue verletzenden ״Toilettenluxus auf der ßüUnefc* zu Felde zieht Die Revue des geistigen Lebens bringt diesmal zwei kleine literari* sehe Aufsätze des Herausgebers ״Im neuen Reich‘* und ״Bücher über die man schweigt‘*, sowie Berichte aus Lausanne (E. Bonjour) und Sarajewo (Tkalac). Die Chronik der eleganten Welt enthält Plaudereien aus Berlin (A. v. Loy! un 1 Paris (Hme, de RochethullonJ• Berichtigung. In vor. Nr. 8. 30b Z. 13 v o. lese mau 3״taubu st. Raub, u Z 17: ״der er“, und S. 32b Z. II ״Dis־ cussionen“ st. Discursionen“. Verantwortlicher Redaeteur Dr. Rehmer in Magdeburg. Druck 700 H. Horbach in Barby. Verleg von Robert Fries e in Leipzig*

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