Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 8. (22.2.1882)
- Date
- 1882-02-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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יי Zur Beleuchtung aller Judenthum und Juden betreffenden literarisch. Erscheinungen anf de■ Gebiete der Philosophie. Geschichte,Ethnographie',Theologle.Orlentalia, Exejgese, Homiletlk, Liturgik, Pädagogik. Das Uubhiner I)r. Moritz Knhmcr. ־־״■■ -S—1־M—:— >1 ag<leb111־^;, *J*J. Februar lsüslä. B&eher der einschlägigen LI• teratur, welche der Kedaetlon zugesandt werden, Anden in dlesemBlatte eingeh.Besprechung. BelEinsendung ron zwei Becenslonsexeinplaren erfolgt auch Erwähn. L d.Woehenschr. 18 Llteratnrblatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen ßilcWiaitdhMIflAf (in Lei pzig bei Robert Friese) pro J a 11 r g an g: 8 Hk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die Vierteljahr!. bei allen Postanstalten and Buchhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literatarblati“ gratis. — Inserate werden mit 35 Pf. für'die dreigespgltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von G. L. Danbe A Co., Frankfurt a. M , Magdeburg, Berli 11, H am b urg; Cöl n, M ii n che n, Z ü ri c h, Wie n, Pa r is. 1 | Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Heinrich Heine, t׳udw. Börne, Berthold Auerbach und das Judenthum. Von! Dr. Ludwig I Stein-Berlin. — Reds am Grabe Berthold Auerbachs. — Das ן religiöse Bewusstsein der Menschheit im Stufengang seiner Entwicklung. (Fortsetzung.) , Literaturb ericht : Recensionen:. Zuckermann, B. Dr. Materialien zur Entwicklung der altjiid. Zeitrechnung ii! Talmud. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet Heinrich Heine, Ludwig Börne, Berthold Auerbach und das Judentlihm. I 1 Von Dr. Ludwig Stein-Berlin. 1 _ , Heinrich Heine, Ludwig Börne und Berthold Anerbach heisst die jüdische Dichtertrias, diej sich unbestrittene Ehrensitze im Ruhmdstempel de(■ deutschen Nationalliteratur des 19. Jahrhunderts erworben hat. Ich wählte absichtlich nicht die chronologische Reihenfolge dieser drei dem Judenthum entstammten Dichtertürsten, weil ich in dieser Nebeneina|nderstellung nur die literarische Klimax, nur den Stijfengang der bleibenden, unvergänglichen Bedeutung dieser drei, zwar einer Stammmutter entsprossenen, aber doch so grundverschieden gearteten und angelegten dichterisehen Individualitäten andeuten wollte. Heinrich Heine, der leichtlebige, faunhafte, aber im Grunde doch gutmüthige Wüstling, der deutsche Aristophanes, ist der Schöpfer des piquanten, zweideutigen Cauieriestiels der Deutschen, das Prototyp des witzsuchenden, esprithasehenden modernen Feuilleton-Genre’s; e|r schrieb — zumal seine prosaischen Dichtungen — hur für deutsehe Schöngeister und für die halbreife, lachlustige deutsche Jugend beiderlei Geschlechts. (Steine -lyrische Dichtungen, so lieblich, so zart, so unvergleichlich schön sie auch sein mögen, kommen hiejr nicht in Betracht, weil er ja darin classische Vorgänger gehabt.) Ludwig Börne, das pessimistische Gegenstück sei* nes sorglosen, und lebenslustigen Rivalen,! der deutsche Juveaal, hat mit seine» politischen Lord-Byromaden, mit seinen soeialen Weltsehmerztbeorien den bittern, schneidendscharfen sarkastischen Ton, die heissende und ätzende politische Satire . zuerst in die deutsche Lite• ratur eingeführt und dadurch die politisch-polemische' Literatur in Deutschland begründet. Börne schwang die geisselnde Zuchtruthe seines dolchspitzen Spottes mit solcher Vehemenz gegen sein heissgeliebtes, tiefgetretenes deutsches Vaterland, dass es unter seiaea wuchtigen Schlägen erdröhnte und erzitterte. Ludwig Börne schrieb also einerseits nur für den berufs- und gewerbsmässigen Politiker, jandererseits aber für deB unzufriedenen, miss vergnüg* ten Theil der deutschen Nation. Berthold Auerbach endlich, der ruhige Philo• soph, der besonnene Denker begründete jene, die misera plebs poetisch verklärende, die Gegensätzq zwisehen steifer Bildung und naiver Unbildung ausgleichende und. versöhnende, die unbeachtete breite Masse des Volkes zu idyllischer Poesie erhebende Prosadichtung, die grade wegen ihrer ungezwungenen Natüri lichkeit und schlichten Pruuklosigkeit sich das Herz des deutschen Volkes in Sturm erobert hat. Er ist der Schöpfer jener, in ihrer erhabenen Einfachheit classischen,. in ihrer ungeschminkten und ungenierten Formvollendung plastischen Darstellungsweise, die eintf Unzahl unberufener Nachbeter und Nachtreter gefun* den hat. Berthold Auerbach dichtete nicht, wie Heine und Börne, für einzelne Schichten, für bevor* 1 zugte Klassen der deutschen Nation: Berthold Auerbach schrieb für das ganze deutsche Volk, für die Welt׳!■ Die so tiefgehende und weitgreifende Verschiedenartigkeit dieser drei Dichtercharactere ist übrigens in ihren Jugend* und Erziehungsverhältnissen psychotagisch sehr wohl begründet. Heine, der unmündige, zügellose Knabe in Düsseldorf, der seinen Jugendfreund iti’8 Wasser wirft, damit dieser die Katze rette, Heine, ( der banquerotte Kaufmann in der kalten Hansastadt Hamburg, der eia so buntbewegtes Leben führt, Heine, der seine Cousine so schwärmerisch, 80 abgöttisch und , so — hoffnungslos liebt, er, der ״stolze, selbstbewusste, Harry“, der so manchmal eine kalte Zurücksetzung erfahren, sein Judenthum herb und bitter empfinden m musste, wurde naturgemäss ein Stürmer und Dränger, . j) ein Kraftgenie. Jedes Capitel, ja fast jede Seite •ei- . 1 1 M!