Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 7. (15.2.1882)
- Date
- 1882-02-15
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 28 — Aguda — ושאנו Rettig; dagegen Tos. jomt. zu Pe8. 26, UeerreUig. ן Hier ist übrigens im Commentar des Obad. di Bartiboro zur Stelle ein arger Druckfehler, der sich auch im Raschi-Commentar zum Rif findet, dass die Erklärung מרוביא zu תמכא ausgelassen und gleich die* Erkl&rong von חרחבינא angeführt wird. 8. 88. דליח״, der Theil des Weinstockes, der auf Bäumen emporläuft“. Das ist nicht genau; es bezeichnet den auf einzelnen unverbundenen Stangen gezogenen Wein. Pe#h 4,1, Obad. di Bart., Kil 69 ib. 8. 89. ״Weinstöcke auf Pfählen, die oben verbunden sein konnten, bilden den ערים.“• Nein! nicht ״konnten“ sondern gitterartig verbunden waren. Tos. Joint. Kil. 63, Bart. 61 und Mischn. Kil. 47 und Rifi und Rsch. das __ f S. 90. דבדבניות Abad. Zar. 27. Verfasser hat hier zui bemerken unterlassen, dass die Lesart zweifelhaft ist^ siehe Mischp&h und Bart; ausserdem berücksichtigt er gar nicht, dato Maim. dieses Wort ganz anders erklärt, 8. 97. nimmt Verfasser ein tälmudischea גוריתא ,Aal“ nach Aruch an. Hätte Verfasser genauer nachgesehen, so hätte ihm erstens auffallen müssen, dass Aruch einen Artikel גורי תא gar nicht hat, sondern bei Besprechung vorn Artikel פוטיתא des גוריתא nur erwähnt, dass ferner, überall wo im Talmud dieses Wort noch גיחחא׳ ניריתא geschrieben vorkommt,, ein עוף טכא damit bezeichnet, so dass Kohut mit Recht diese A'ruchstelle sehr bedenklich! findet. Dazu kommt noch, dass פוטיתא von Raschi Erul 28a dem Zusammenhänge : der Stelle auch vollständig entsprechend als einen דג טטא קט* שאץ בו כזית auffasst, was auf die Gattung ״Aal“ sicher nicht passt. S. 98. Für das syrische דדיו Kienfackel, sieht Verf. das entsprechende talmud. Wort in דדנין j. R. hasch. IL 58, 17a עצי שטן als pl. zu דדץ und emendirt: i. Schäbb.; 4,18c!דריג an דדיגץ. Es ist Erklärung zu לוגשא לבש Aruch לגש■ Verfasser lehnt entschieden ab, dass לגש wie Aruch sagtj griechisch sei, und behauptet, dass דריגון gewiss nicht &pü*ov sein könne. Diese Behauptungen des Verfassers sind sehr auffallend. לכש bezeichnet einen zu Dochten vCr'wendbaren Pflanzen hestandiheil; eine Kienfac^el ist aber kein Docht sondern Holz. Dass Holzfackeln nicht als 8ahbathlichter benutzt werden dürfen, brauchte die Mischnah nicht erst zu sagen. Dass Verfasser dal übersehen heu, ist um so merkwürdiger, als ein Blick in die talmudische Discussion zur Stelle im T. babli. gerade von diesem־ Irrthume ihn abhalten musste Ausdrücklich sagt der Talmud בעטרגיתא דאית ביה es sind wollige!Baumfasern und kein Holz gemeint. Siehe auch Raecbi, Rif, Rambam, Obd, Bartinoro u. a. m. Wie ist aber der' Aruch und der Jeruschälmi zu verstehen? Kun es gibt wohl ein griechisches Wort, das mit der Dajrstetlong des ArucR Ubereinstimt. ist eine weidenartige Pflanze, bieg&am, zum Flechten geeignet mit langen Fasern an den Blüthen wie eine Binse. So beschreibt Aruch das ילגש das führt 11ns auch zum Verständniss des Jeru&chalim. Binse heisst *piov, und binsenartiges, binsenfaser &pj-.vov; hier haben wir die Auffassung des jerus. Talmud, wie es scheint klar vor uns. S. 105. Die sehr richtige Ansicht über כוסמיו arab. גלבא nnd גלבוגא —־ כרש *נ ץ wird י durch Rsch zu Kil. 1 unterstützt _ ג 8. 106. Die Rechtfertigung des Maim, vor dem Vorwurfe einer Verwechselung von כדשינה mit כוססת ist durch das i arab. Manuscript vom Verfasser glänzend suageftthrt; aber eine 8tütze lässt sich auch ohne• hin aturlCgim.; Jad. .hach. hil. Maaser Cap. 13 h. 18 erbringen, wo er כרשיגץ und עדשין mit קטניות wiedergibt, <dso enteren als Hülsenfrucbt ansieht Wir schliessen mit dem aufrichtigen Wunsche, dass der fieissige, gelehrte und scharfdenkende Verfatoer in ähnlicher [Weise :auch die anderen dem naturkundlichen Gebiete angehörigen aramäischen Namen behandeln möge. 1 Kr o ner ־ Lengsfeld. Hülf, Dr. J. Drei Tage in Jüdisch-Russland. Ein Culturu. Sittenbild. ^rankfupta/M. bei Kauffmann. 131S. Mit 1000 Rubel 1Sammelgeldern in der Tasche für die armen Abgebrannten in Minsk begiebt sich der Verf. zu einem kurzen Aufenthalt nach Wilna und Minsk, um diejenigen seiner Brüder, lür die er seit Jahren nicht aufhört, unermüdlich zu sorgen und zu sammeln, einmal an ihrem eigenen Heerde zu besuchen. Wer sich über russische Juden, deren moralische Qualität und sittlichen Standpunkt nach den verkommenen und verkümmerten Wanderbettlern ein Urtheil gebildet hat, der wird nicht wenig erstaunen, wie wenig dasselbe den Thatsachen entspricht Ja den Thatsachen, denn der Referent kann aus eigener per sön 1 i eher Ueberzeugüng versichern, dass Rülf Personen und Verhältnisse nicht mit dem Sonnenschein brüderlicher Liebe •?!erklärt, sondern wahrheitsge-!näss, ohne jegliche Schönfärberei mit einem offenen und unbestophenen Blick gesehen und geschil* dert hat. Jene zudringlichen dumm-pfiffigen Wanderbettler, jene Maggidim und Mechaberim, jene das Reich durchschnorrenden Weiber und Kinder, das ist eben der Auswurf des Landps, das sind eben jene gewerbsmässigen M üssiggänger: die in einem Lande nicht bleiben können, wo das kleinste Stückchen Brot im sauren Schweiss des Angesichtes erworben werden muss. Und wie arbeiten diese russischen Juden als Maurer, Zimmerleute. Dachdecker, Last- und Wasserträger, Theerschmierer, Schlosser, Schmiede, ja als Steinklopfer an den öffentlichen Wegen! Wahrlich der Mund derer, die den Juden Arbeitsscheu nachreden, muss verstummen, w|enn man die Zahl der jüdischen Handwerker und Tagelöhner nicht nur in Wilna und Minsk, sondern in allen grösseren und kleineren russisehen Städten mit der Zahl christlicher Vertreter des* selben Gewerbes vergleicht. Unter dem entsetzlichsten Drucke aber, den di? englischen Meeting’s genugsam gekennzeichnet haben; hat wahre und aufrichtige Re- Jigiositäf, har Gottesfurcht und Thorastudium, hat eine wahrhaft grossartige Organisation jüdischer Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit nipht abgenommen, ja noch mehr, der unzerstörbare BilÜungstrieb der Juden hat seit Jahren mit verstärkter Macht dahin gewirkt, dass russische Sprache und —sit venia verbo — russ. Bildung in den weitesten Schichten der jüd. Bevölkerung verbreitet ist. Rülf versteht abier auch reizend zu schil• dern und einzelne Episoden z) B. der Sabbat im botanischen Garten, der Droschkenkutscher in Minsk etc. sind wahre Kabinetstückchen von Genremalerei. Der Gesammteindruck des höchst anziehenden Reiseberich• tes aber ist das Gefühl tiefster Trauer, dass das gesündeste sittlichste und gebildetste Volkselement des russischen Reiches in seiner Entwicklung so schändlich gehemmt, in seinen geistigen und materiellen Interessen auf das grausamste unterdrückt wird. Wahrlich es ist heiligste Menschenpflicht, diese unsere Brüder mit allen unseren Kräften zu unterstützen, und wer diese Pflicht erfüllen will, der wende sich איש כטתגת ידו an Rülf in Memel, den unermüdlichen Sammler und Wohlthäter, vor Allem aber lese er sein hier besproebenes Buch: Caro- Erfurt. Veraatwortlieker (Maetaor Dr. Rahmeria Mafdebarg, Druck toilH. Horbach in Barbj. Verlag van Robert Priesa ia Leipzig-