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Das jüdische Literaturblatt · 1882-02-08 · No. 6. (8.2.1882) · p. Seite 24

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 6. (8.2.1882)
Date
1882-02-08
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
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— 24 — Derselbe Mann, der die Lauge seines Spottes ungemessen ausschattet über die ״Atlasse der Synagoge“, über den gestikulirenden, singenden, schreienden, priesterliehen Oberkantoren, — Herr Dr. Jellinek war der Vater des Gedankens, demalten Sulzer als Erinnerungsgabe seiner Mitbeamten eine Sammlung der bedeutendsten Zeichen der Anerkennung zu veranstalten, welche der greise Oberkantor während seines langen,* gesegneten amtlichen Wirkens erhalten hat! Und doch es ist kein Widerspruch! Spott der Unfähigkeit, die durch Spreizen ▼ermeint Bedeutung zu erhalten. Ehre und Anerkennung dem Talente, der Befähigung, der Kraft, die wirkt und schafft und leistet in den Gränzen des Amtes — die es versteht, diese Gränzen auszuweiten und doch nicht in fremde Gebiete überzugreifen. Sulzer der Cantor, Sulzer der Vorbeter, ist Sulzer der sangeskundige Meister, Sulzer der Componist geworden und geblieben.1 Nie hat er den zweifelhaften Ruhm erstrebt, ein ״seminaristisch-rabbinisch und musikalisch gebildeter Cantor, Lehrerund Prediger“ zu sein, — um ein Annoncencuriosum an’s Scheunenthor hier gleich festzunageln. Sulzer war ein Sänger von Gottes Gnaden, darum huldigen ihm Dichter und Redner von Gottes Gnaden, darum steht er ihnen gleich, nicht weil er’s mit Machinationen erstrebt hätte! So sind diese Gedenkblät.ter ein Mahnruf gegen eine Zeitverirrung, ein Denkzeichen wie redliehe, tüchtige Pflichterfüllung ehrt nnd adelt! ״Nnr wer mytisch wird, ist unsterblich, Sie haben aber auch, ein selten Beglückter, Ihre Nachwelt erlebt und können den Nachruhm als Ihre Braut begrüssen.“ ״Lecho daudi likras kallo“ — so schloss Ludwig August Frankl seine Anrede an Sulzer. (In dieser Rede muss es wohl heissen: wie wir selbst und Ihre Mitweit Sie geehrt und geliebt haben — nicht:' Sie und Ihre Mitwelt!) Sulzer ist am 30. März 1804 zu Hohenems in Vorarlberg geboren und ist ein1 Le vite. Schon 1817, wurde er in seiner Vatergemeinde zum Cantor gewählt mit der Bedingung, sich noch 3 Jahre für das Amt vorzubereiten. 1820 trat er das Amt an und im Decemher 1825 wurde er von Mannheimer nach Wien berufen. Es ward vom Vorbeter ״nebst einem in.religiöser und moralischer Rücksicht, Unbescholtenen Charakter und Lebenswandel“ (S. lehnte später es gb beim Kirchenchore mitzuwirken, obschon ihbi Gehalt und Pension dafür in Aussicht gestellt worden waren!) gefordert ״jeine kräftige sonore Stimme, musikalische Einsicht und Fertigkeit, um jhcils bei der Anfertigung von Melodien, theils bei der Organisation eines Chors nötigenfalls leibet eine hilfreiche Hand bieten zu können, sowie grammatische Kenntn iss •der hebr. Sprache“. Dass Salzer allen Erfordernissen im höchsten Mäasse genügt bat, dafür spricht sein ״Schir Zijon“, dafür die grosse Zahl seiner bedeutenden Schüler, dafür die ihm von der Gemeinde bei verschiedenen Anlässen überreichten Adressen, dafür der - Gesammtinhalt des angezeigten Büchleins! Wollt Ihr Anerkennung finden und in Ehren wirken, nun dann thut Eure Pflicht und überhebt euch nicht — denn wer nach ihm nicht, geziemende Ehren jagt, dem entgehen auch die ihm gebührenden — geehrt aber wird, wer tüchtig und bescheiden ist! A. Fremd, Leopold. Blüthen von den Gefilden Juda’s, Tiwductiopen and Versionen auf dem Gebiete des jüd. Sehriftthums. Budapest 1882. Im Selbstverl. d. Verf. Eiae sehr wackere, mit augenscheinlicher Lust ubü grossem Verständniss zusammen getragene, umfangreiche nnd verdienstvolle Arbeit, die die Sammlungen Öailer’s, Ehrmanns — von Herrn Stern aus Buttenhausen ganz zu geschWeigenl — weit hinter sich zurücklässt, und welche darum <Be wärmste Beachtung jüdischer Kreise insbesondere für Familientisch und Schule verdient. Die Sammlung umfasst auf 150 S. octav 667 Sprüche, sämmtlich in poetischer Uebertragung, Urtext und Quellenangabe und in wirklich trefflicher Auswahl Viele dieser Sprüche und Sentenzen sind so herrlich und mit einer Prägnanz wiedergegeben, dass sie das Original völlig erreichen, andere freilich mit weniger Glück und hin und wieder zu sehr in weitschweifige Breite sich verlierend; bei vielen ist *die drastische und kaum in einer anderen Sprache wiedergegebene Kürze sehr fein und poetisch ergänzt. Nicht leugnen wollen wir, dass bei dem Umfang das Gebotene, auch holprige und schwülstige Verse vielfach mit unterlaufen und Provinzialismen und Worthärten nicht ganz gemieden sind. Dennoch darf die Aufgabe des Herrn Verfassers, die er sich bei Abfassung dieses Werkes stellte ״dem grösseren Publicum, dem die schwierige Sprache des Talmud und des Midrasch fremd ist, die Möglichkeit zu bieten, sich mit dem Geiste, der darin herrscht, bekannt zu machen, und das jüdische Schriftthum nach seinem hotiea Werthe würdigen zu lernen, nicht minder aber dem nichtjüdischen Lesepublicum einen Einblick in die vielverleumdeten Bücher zu verschaffen“, (S. XIV. -der Vorrede) als wohlgelöst angesehen werden, und können wir uns daher dem Wunsche des Herrn Verfassers, dass ihm durch zahlreiche Bestellung des Buches, Müsse zu ferneren ähnlichen Arbeiten werden möge, nur aus ganzen Herzen änschljessea. Auch die äussere Ausstattung des Werkchens ist eine gute. Max Weinberg. Exegetische Notiz. תפלה. Dieses Wort kommt nur in Hiob 1, 22, 24, 12 und Jerem. 23,13 vor und wird allgeimein von תפל abgeleitet und ״geschmacklos“ übersetzt. Grammatisch ist dagegen einzuwenden: Es müsste ja analog צלה, שלוה^• (von קצל שלו) heissen:תפלה• Ich leite es darum besser vom radix פלה ab, ganz analog dem מכןוה, תקלה von יקוה כלה und nehme als Regel an: Daas die Buchstaben אמת (und zwar א mit segol und מ׳ת׳ mit jeder Vocalisation) am Anfänge von mehrsilbigen und mehr als dreibuchstabigen Nominibus nie der Radix angehören, so: •תימן, ועוגה, *"רפות מגהה מעשר מושב, אישבל, allein bei Denoininibus, die von s e go 1 a tförmigen Nominibus abstaminen, wie מלבה תמרה אברה von מלך תצזר אבר, sind sie auch!adikal. — פלה als Verb, adjectivum bedeutet ״abgesondert, geschieden, getrennt sein“, □ולא נתן תפלה לאלהי ist füglich demnach zu übersetzen: er gab der Gottheit keinen Abschied: Ijob war von der Gottheit so durchdrungen, dass er in seinen härtesten Heimsuchungen sich von ihr nicht trennen konnte, wie er auch seine Frau mit ihrem Rathschlage ברך אלהים ומת SO weislich und nachdrücklich zurückwies. Das Weitere hier auszuführen ist wohl überflüssig.*) Lutomirski. *) Hinzuzafügen wäre noch, dae8 än der Parallelstelle Hiob 24, 11 die Uebersetzung: ״Und Gott macht keinen Unterschied* (zwischen Gaten und Bösen. wie Exod. 9, 4) allerdings einen vortrefflichen Sion giebt, dass aber an der dritten Stelle (Jerem. 23, 13) das Wort doch in dem Sinne von ״Aussergewöhnlichem* (das sich durch das Auffallende der Erseheinung vom Gewöhnlichen ״absondert*) genommen werden muss, entsprechend dem שערורה im folgenden Verse; also: ״An den Propheten Schomren habe ich etwas ״Absonderliches* gesehen u. 8. w., and an den Propheten Jerusalems etwas' ״Entsetzliches*. Es liegt eine Steigerung darin. (Red£ Tarantwectlieber Mstteur Dr. Ea katar in: Megdabakg. Drack von H. Horbeqk in Barbj. Verlag von Robert Priesa ia Laipsig•

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