Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 5. (1.2.1882)
- Date
- 1882-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das uro. 5• Zur Beleuchtung •Her Jodenthio nnd JodeH betreffenden literarisch. Erscheinungen •af dem Gebiete der Philosophie. Geschieh te,Ethnographle,Theologte,Orientallu, Exegese, Hoalletlk, Lltnrglk, Pädagogik. Herausgegeben i von Kabhiner Dr. Moritz Kahmer. Magdeburg;, 1. Februar ls*8i Jahrs. XI. f Bücher der elnschlkglgen LIteratnr, welche der Rednetion ••gesandt werden, ■•den in diese■ Blatte eingeh. Bespreehnag. BeiEinsendnag von s w e I Receaalonsexeaplnrea erfolgt •ach Erwiha. t d.Wochenschr. Das ״JiidlaeHe Iilteraturblaft“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen BachbaadhmgM (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang:8 Hk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährl. bei al len Postanstalten nnd Bachhandlungen 3 Hk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt* gratis. — Inserate werden mit2&PCfUr die drnigespaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegen genommen durch die Central-Au noncen-Expedition von Gr• T — Daube Co!, Frankfurt a. H, Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, Uüncben, Zürich, Wien, Paris. > 1.1 ' 1 ־ I I ־ I ן I II III Inhaiti Wissenschaftliche Aufsatze: Galdös. Von Dr. Ad. Jellinek. — Das religiöse Bewusstsein der Henschheit im! Stufengang . seiner Entwicklung. (Fortsetzung.) j L iteraturb eriebt: Recensionen; Deaae, William, f, M. A oael College, Oxford, Rector of Ashen Essex. 1&>6צ A XAAUMÜN■ (Schluss.) { Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. G a 1 d ö s. Von Dr. Ad. J ellinek.! I Der hochherzige Beschluss des erleuchteten Königs von Spanien, den bedrängten russischen Judeu eine Zulluchtsstätte und eine neue Heimath in seinem Reiche zu eröffnen, konnte auf die Zustimmung und den Beifall der besten Geister in Spanien rechnen. Denn diese arbeiten in den verschiedensten literarischpn Formen, linsltrn Geist des Fanatismus ausj ihrem Vazu bannen und die Herzen tolejrant gegen um den terlande alle Glaubensbekenntnisse zu stimmen. Einer dieser wackeren und muthigen Vorkämpfer ist de(■ Historiker Don Benito Perez Galdös. Im Jahr(; 1878 erschien von ihm in Madrid der Roman ״Gjloria“, der spanischen Idös so bebereits in dritter Auflage vorliegt und den Literarhistoriker Don Armando Palacio Va geisterte, dass er den Verfasser desselben den Messia9 der spanischen Belleiristick nennt und dani pathetisch isruft: »Alle haben wir unsere literarischen Erzeugnisse auf dem Boden ausgebreitet, dass sie dem Verfasse!• der ״Gjoria“ als Teppich dienten, u|nd wie Palmenzweige unsere Federn gesenkt!“ Galdös hat in seinen belletristischen!Werken ein hohes und schwieriges Ziel sich vorgesfeektj: gegen die Wahnvorstellungen und Ungerechtigkeiten! der spanisehen Gesellschaft in socialer und religiöse(: Beziehung zu kämpfen. In dein Romane »Gloria“!hat er den Muth, die Gegensätze zwischen Judenthuüi und Christenthum, den fanatischen Abscheu spanischer Herzen vor Allem, was an Juden und Judeuthiim erinnert, zur Grundlage seiner Erzählung auf spanischem Boden zu machen und die Contraste mit seinem erleuchteten Geiste zu entwickeln und zu Ende zu führen. »Gloria“ fesselt und hält in Spannung fast auf jeder Seite, ergreift alle Fibern des Lesers, wühlt die Tiefen seiner Seele auf und nöthigt ihn zur Parteinahme und zu entschiedenem Urtheile. Die Hauptpersonen des RAmanes sind: Gloria, ein in der strengsten katholischen Gläubigkeit erzogenes, schwärmerisches, spanisches Mftdchen, und Daniel Morton, ein Hamburger Jude sjpanischer Herkunft,, dessen Vater "Moses und dessen Mutter Esther Spinoza in London wohne□, wo das Hauptgeschäft des steinreichen Hanses sich befindet. Die Grundsatze, in denen der Held unseres Romanes erzogen 1 1 ° wurde, bezeichnet er selbst mit folgenden Worte(1: »Den Glauben hat man mehr meinem Gewissen als meiner Phantasie eingellösst, indem man nur wenig zu den Sinnen, desto mehr aber zur Seele redete. Zudem prägten meine Eltern und meine Lehre(• mir den Gedanken ein, dass es unsere Religion war, durch die der* Welt die erhabenen Grundsätze geoffenbart \»urdeo, die sie heute noch regieren, und welche dui^h die Aenderungen, die sie an einem denkwürdigen Tage erlitten, ihren •Werth durchaus nicht eingebüsst haben. I Man lehrte mich ein Gesetz lieben, das* alles Gute und' Wahre in sich schliesst. Und in der That, keine einzige moralische Wahrheit besitzk.die Welt, die nicht auch in unseren! liilchern geschrieben stände! Aber trotz dieser Behauptung bin ich doch nichfso fanatisch zu glauben, dass ausserhalb unseres Gesetzes Alles Verderbtheit, Läge und Sittenlosigkeit sei, wie es hier zu glauben Styl ist, Nein! Auch ich gebe in Manchem nach und sage, dass die moralischen Vorschriften, nach denen wir uns richten, ganz dieselben sind, die auch die Seele des Christen, die auch die gesammte denkende Menschheit leiten.“ Daniel Morton zeigt sich auch im Laufe der Er- -^ählung hochherzig und wohhhätig gegen jeden: Mensehen ohne Unterschied der Confession. Auf den rationalistischen Einwand, dass er ebenso gut Christ sein könnte, da er doch die jüdische Moral nicht Uber die christliche stelle, antwortet er: 1 »Sie steht aber über ihr durch ihr Alter und durch ihre Einfachheit. Ich bin fest überzeugt, dass :AU«, was Gott dem Menschen geoffenbart hat, in unserm Gesetze• steht; alles Uebrige ist ja nur menschliche Zulbat!“