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Das jüdische Literaturblatt · 1882-01-11 · No. 2. (11.1.1882) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 2. (11.1.1882)
Date
1882-01-11
Page
Seite 8 (sequence 4)
Language
German
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Concept befindlichen weiteren Bemerkungen ihm mitzntheilen. Möge er nur *muthig weiter arbeiten, so werden auch solcherlei Schwierigkeiten schnell sich heben lassen, denn es kommen ganze Seiten in der Uebersetzung vor, die als meisterhaft ■zu bezeichnen sind. 6 Kr ön er. Amitti, K. Zur Kritik der‘ Antisemiten und Semiten. Ein Beitrag zur Bekämpfung der vom Professor Mommsen erwähnten ,.antipathischen Gefühle“ gegen die Letzteren. Leipzig. Verlag von G. Lk Morgenstern, gedruckt Eisenacfr,' Hof buchdruckerei, und Herrn und Frau .Klein in Cincinnati gewidmet. " ־ Amitti? Wer ist Amitti? Warum nennt sich der ״Darsteller“, wie er sich bezeichnet, nicht mit seinem wahren Namen? Ist das in der Zeit des Kampfes ein Zeichen von Muth und Charakter, anonym zu sein — und denjenigen, die man zu schützen vorgiebt, die beleidigendsten Redensarten an den Kopf zu werten. Amitti schwärmt für den Stifter des Christgnthums, wüthet gegen die Speisegesetze und beschimpft denTalmud und die Halacha, läugnet die Göttlichkeit der Thora und macht sie (und sich) lächerlich; Amitti schildert einen Rabbiner, dem er die gemeinsten Dinge vorwirft, seinen Lehrer, auf den er viele Invectiveu schleudert. Amitti erzählt von einem Lehrer, den dieser Rabbiner gemassregelt habe, Amitti. — nein! ״K06bi“ sollte er sich nennen, ״Poschea“ sollte er sich unterzeichnen, denn ein Jude, der Thora und Talmud so behandelt, ist abgefallen vom Judenthum. Uud ein solcher Amitti mit bodenloser Unverfrorenheit will, Reformator sein. Aber wer ist Amitti? Nun wer׳ ist der beleidigte Rabbiner, wer der beleidigte Lehrer? Wir wollen den Na- ־men nicht nennen, aber rathen wollen wir diesem Herrn Amitti, die Juden mit seiner Thorheit zu verschonen. Wenn er, wie cs scheint, gern nach Berlin kommen oder in Amerika eine Stelle erlangen möchte, so möge er doch seine Manuscripte an .die betreffenden Corporationsvorstände schicken, aber den Herrn Prof. Lazarus in Berlin mit solchen Pamphleten gewinnen zu wollen, ist eben6u schamlos, als Mendelssohn wegen seines gesetzestreuen Lebens zu tekritteln und lebende Personen, die der Eingeweihte sofortsaus den Worten erkennt, zu begeifern. Wenn es dem Amitti bei der Thora nicht so behagt, wie bei dem Urchristenthum, so möge er aus dem Judenthum austreten und sehen, wie weit ihn der morsche Nachen seiner Treulosigkeiten führt; sein Segel ist die Rache, .sein Steuermann der Broderwerb, aber sein Segel und se.in Steuermann werden ihn ine fühien und — das Grab Korach’s öffnet sich noch heute Uber Jedem, der seineni Wege folgt. Desafcn sei Amitti sicher: sein .Recept, die Sympathien der Christen zu gewinnen, ist eine Narrheit. Mit ihnen zu trinken, Schweinefleisch und Trefah zu essen, dies ist der weise Rath des Amitti. Nun, dass -Amitti tüchtig trinken kann, mehr als einen Sehoppen, dass er schon lange Trefah-Gourmand ist, das wissen wir, aber das hat den Herrn Amitti noch keine grösseren Sympathien eingetragen. Wenn־ er für Delirium und Trichinen besondere Begeisterung hat, nun habeat sibi, wenn er aber fortfährt solche Narrheiten drucken zu lassen, wird man fragen: ״Wo ist die Katz?*( Für diesmal genug. Schewet. Waran treten wir nicht in das Christentham ein? Von einem Juden. Leipzig, KöSsling’sche Buchhandlung. 1882־. Ich bin eben gründlich reingefallen? Die Bachhandlung schickt mir eine Broschüre zu unter obigem Titel. Derselbe weckte zwar sofort mein Misstrauen, denu die Frage existirt ja für einen Juden nicht und bedarf daher keiner Antwort. Indessen, der Preis steht in der Ecke des Umschlages, 50 Pf. Um diesen Preis, denk’ ich, sei’s gewagt. Auf der andern Seite des Titelblatts steht der bekannte Ausspruch Momnisens. Dänn folgt in 12 Capiteln eine Glorificirung des Christenthums auf Kosten des Judenthums in Bezug auf Moral, Glaubenslehre, Gottesdienst, heiliges Schriftthum, Festtage, religiöse Bräuche etc.. Den Schluss bildet eine matte Vision in dem bekannten Tone der Missionstractätchen: ״Die letzte Stunde eines Pilgers“, der mit dem Ausruf stirbt: ״Jesus, mein Heil!“ Und das wird unter dem Schilde eines j ü d i s c h e n Verfassers ausgeboten! Ist das nicht die reine Bauernfängerei? Es sei daher vor dem Ankauf diese! Tractätchens hiermit gewarnt! Bz. Kleist, Dr. L. Der Apostel Stöcker, seine Jünger nnd der deutsche Bürgerkrieg. Ein Beitrag zur Ent- Wickelungsgeschichte der antisemitischen Bewegung. Berlin 1881. Stuhr'sche Buchhandlung. Der Hofprediger und christlich sociale Agitator Stöcker ist zwar schon wiederholt in seiner wahren Gestalt dem Publikum gezeigt woiden, aber wir wüssten keine Broschüre, in welcher die Gesinnung, der Charakter und die unheilvollen Umtriebe des frömmelnden Demagogen in so lichtvoller und überzeugender Weise beleuchtet worden wären. Hinter dem Pseudonym verbürgt sich; augenscheinlich ein namhafter Politiker. Das Januarheft von Auf der Kühe liefert einen neuen Beweis dafür, wie ernst es dem Herausgeber mit der Ausführung seines Programms ist, zugleich gute originelle Prosadichtungen und charakteristische ethnographische Bilder iin Gewände der Er- Zahlung zu bringen — Ein grösserer Gegensatz, als ihn die kroatische Geschichte von Ogulic und das Berliner Stillleben von Charlotte Arand, sowohl in Bezug auf Laud und Volk, in dem eie spielen, als die Art der Behandlung bieten, ist kaum denkbar. Wenn Ogulic in seiner Geschichte ״Die schöne Wittwe Kapitanowitsch“. mit eiuer an Gogoi's ״Taras9 Bulba“ mahnenden urwüchsigen Kraft, ein Gemälde aus dem Leben des halb wilden aber herrlichen Volkes an der türkischeu Grenze gieht, zeichnet uns Charlotte Arand im ״Lieutenant Grillilz“ ein herzgewinnendes, von echtem Humor fein vergoldetes, echt deutsches Genrebildeben. Die drei folgenden wissenschaftlichen Studien bringen ״Exakte Wissenschaft in schöner, glänzender Form“ Ein ähnlieber Verein grosser Namen, strenger Forschung, umfassender Gelebrsamkeit und guter stylisiiseher Darstellung, wie ihn Alfred R. Wallace, Droysen undBigot, zugleich die drei vornehmsten C'ilturvölker der Gegenwart reprosentirenJ. bieten, war nach unserem Dafiirhilten in einem Journal noch nich‘. da. Alfre d R. Wallace, der bekannte englische Geolog, entwickelt eine ganz neue Theorie, für welche er überzeugende Beweise beibringt nnd die geeignet ist, eine vollständige Umwälzung in der Gcologie hervorzurufen. D roy 8en bietet in glänzender Form ein Charakterbild .des Grafen EgnonL Bigot, der grosse französische Denker, verneint in einer wahrhaft erschütternden Abhandlung die Tiefe des Philosophen mit der Sprache des Dichters. Sale her- Mas och würdigt die verschiedenen Literarhistoriker Deutschlands. Daraut folgen die beiden ersten Abschnitte der versprochenen Memoiren des Po 1izeidirektor8 Hofrath von Sacher- Masoeh. Dieselben geben hochinteressante Aufklärungen Uber die Tbeilung Polens, die Erwerbung Galiziens durch Oesterreich, sowie über den romanhaften sensationellen Prozess der Fürstin Lubomir8kä. A- Förster, Direktor des Leipziger Stadttbeaters, behandelt bei Gelegenheit des ״Räuber»Jubiläums“ die bezügliche Costümfrage in ebenso anregender als überzeugender Weise. Rabbiner Stein erörtert, an Haimonides anknüpfend, in schöner versöhnender Weise die Stellung des Judenthums zum Christenthnm. M. Willkomm bietet eine poetische und spanische Legende uud-Prof essor Sutermeister ein ergötzliches 8ehwei-!er Volksmärchen. Die Revue des geistigen-Lebens uud die Chronik der eleganten Welt enthalten interessante Belichte aus Athen (Prot Lsmbros), Brüssel (Prof. Lavallöf Budapest (Dr. Silberstein), Copenbagen (Frl. Rosen fei dt), Paris (D’Abrest), Prag (Olden), Leipzig (Frl Mielow). ▼eraatwartlicher Sedacteur Dr. Eahraer in Magdeburg. Druck von H. Harbach in Barby. Verlag von Robert Friese ia Leipaig.

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