Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 1. (4.1.1882)
- Date
- 1882-01-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 1 Das a Jahrg. XI. Zar Idntttu( aller Jadeathaa aad Jadea betreVeadea literariech. Ereehelaangea aaf deM Gebiete der Phlleeophle. 6eeehlehte,BtbB0fraphie,Tbe• 010(ie,Orieatalla, Exegese, Ha- ■iletik, Lttarglk, Pädagogik. Herausgegeben TOD Rabbiner Dr. Moritz Kahuier. ■> H Magdeburg, 4. •Tanuar ISSä. Bieber der elaaekligtgea Li• teratar, welche der Kedaetiea sagesaadt werde■, iadea ia dleaeaiBlatte eiagek.Bespreebaag. BelEiaaaadaag ▼ea a w e 1 Keceuiaasexewplarem erfolgt aaeh Erwika. L d.Waebeaeebr. Das ״JttsHaebe Lltcratarblatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bögen; Preis bei allen BachäsaiÜaagna (in Leipiig bei Robert Friese) pro Jahrgang:8 Uh. Abonnenten der ״Israeli tischen Wochenschrift“ (die vierteljährl. bei allen Postanstalten and Bnchhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literatnrblatt* gratis. — Kaaerfote werden mit 35 P£ für die dreigertene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Ceutral-Annoncen-Expedition von Gl• T— Daabe C0H Frankfurt a. M, Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien,IParis. I . ' z'״i<!■halt! Wi ssensc h af t lic he Au fsät ze: Ein Beitrag zur Geschichte der Fraukisteo. — Bemerkungen za Dr. Gebhardt's ״Beiträgen zur Erklärung griech Wörter in den Midraschim 1)nd Talmuden “ Literaturbericht: Recensionen: Bacher, Prof.!Br. Wilh. Ein Beitrag zur Geschiohte der hebräischen Sprachwissenschaft. — Reichenau, Wilh. von Die monistische Philosophie von Spinoza bis auf nnsere Tage. — Aunnaire de la Isocidte des etu• des juives. — Jellinek. Dr Ad. Reden auf Vjeranlassung der beim Theaterbrande in der Hacht des 8. December 1881 Verunglückten auf dem Centralfriedhofe und iinj alten Bethause der Wiener israel. Cultusgemeinde am 11., 12. u. 15. Novbr. Nachdruck nur mit vailer Quellenangabe!gestattet. Ein Beitrag zur Geschichte der Frankisten.' Die in Lublin erscheinende Zeitungl veröffentlicht ein Aktenstück, welches zu der bis jetzjt nicht genug aulgehellten Geschichte der Frankisten |ei1)en iDteressanten Beitrag liefert.! ז 1 Ueber die Auffindung desselben erzählt sie, dass einer ihrer Mitarbeiter Obsleinkäufe gemacht, und als er die bedruckte Papierdüte betrachtete, ״on dem histö• ri6chen Inhalte derselben gefesselt wurde. Er löste das zusanunengeklebte Blatt vorsichtig auseinander und war nicht wehig überrascht, ein gedrucktes Aktenstück vor sich zu haben, welches einen Brief enthielt, den Frank im vorigen Jahrh. an deu König August IM. von Polen gerichtet hatte- Dieser Brief, welcher kein Datum trägt, liegt zur Ansicht in der [Redaction des genannten Blattes. Die Lubliner Zeitung hat denselben abgedruckt nnd einige, meist bekannte Notizen zur Geschichte der Frankisten hinzugefügt. Der Brief ist in polnischer Sprache abgefasst, in der Orthographie des vorigen Jahrh. Där Stil ist jäminerlich, phrasenhaft, die langen Perioden erschweren die Uebersetzung ungemein. Die Lektüre macht einen widerlichen Eindruck. י Der In|halt ist voll süsslicher Schmeichelei, die zu ihren) Zwecke die heiligsten Stellen der Schrift in ihren {geistigen Unflat mit hinabzieht, mit biblischen;Phrasen überladen, und wo diese ,fehlen, ist der Jargonausdruck ins Polnische übertragen. Man hat das Gefühl, als ob ein unwissender, jüd. Missionär mit einem bigotten, ebenfalls nicht sehr gebildeten Geistlichen bei der Abfassung die6er Supplik thätig waren. W r waren genöthigt, beim Uebertragen dieses Aktenstückes ins Deutsehe manche Periode künstlich zu trennen, da sonst der Sinn in einer anderen Sprache .unmöglich zu rerstehen wäre.' Doch suchten wir ini Uelirigen den Inhalt 80 getreu als möglich wiederzugeben. liUgesaeh Praak’( aa Aagwl III. köaig1 vaa Palea. Dem Allerdurchlautigsten, Unbezwihglichen, Allermächtigsten August III., Königs von!Polen, erblichen Fürsten von Sachsen, dem Erzmarschall und Karfür• sten des heiligen Römischen Reiches. ’ Indem das Jüdische Volk, lange Zeit im Unglauben befangen, nun unter, der beglückten Herrschaft Ew. Majestät. Unsres Allergnädigsten Herrn, in einer nicht unbedeutenden Zahl, welcher aber mit Gottes Beistand bald eine grössere Anzahl folgen wird, im Begriff ist, die heilige Taufe und den heiligen, römischkatholischen Glauben anzu nehmen, legt es folgende demüthige Bitte zu den Füssen Ew.' Majestät, Unseres Allergnädigsten Herrn, nieder. Indem nicht die Sorge um das Zeitliche, sondern um das ewige Heil uns und viele Andere dazu drängt, dass wir uns zu dem Throne Ew. König!. Majestät flüchten, so wissen wir sehr gut, was uns Jeremiah gelehrt hat, dass es keinen giebt, der Dir gleich ist, o Herr! Gross bist Du und gross ist Dtjin Name in Mächtigkeit. Wer sollte dich nicht fürchten, König der Völker, da dein Allein aller Schmuck ist, da unter allen Weisen der Erde und in allen Reichen keiner Dir gleich i9t.a Desswegen, bedenk end die Majestät Ew. Königl. Thrones im Vergleich mit unsrer Niedrigkeit, nahen wir mit Zagen, wie einst unsere Väter, in dem Gedanken an die Gottheit zu den strahlendeo, furchtbaren, unnahbaren und göttlichen Höhen des Sinai herantraten. Und so, die Augen voll Thränen und entsagend dem hartnäckigen Unglauben unserer Väter, nahen wir in nicht geringer Anzahl, um die Taufe und ^en heiligen, römisch-katholischen Glauben zu empfangen. Eine gteringe Anzahl ungläubiger Talmiidtyten verfolgt uns in grausamer Weise, und so Erscheinen wir als ein Volk, dessen Schinerz ewig dauern za wollen scheint, für dessen Wunde es keine Hoffnung auf Heilung giebt, und unsre ganze, zahlreiche Gemeinde ist schwärzer als Kohle. Unser Ansehen ist nicht zum Erkennen in den Strossen, unsre Haut ist rerlröck. net bis auf das Gebein, und ward zu einem verfaulenden Stamme. Und auch das .hat Jesajah im Geiste der Wahrheit verkündet: ״Es wird sein in späten Zeiteu, da wird festgegründet stehen die Anhöhe des Hauses des Herrn und wird sich erheben über alle Hügel und alle Völker werden ihr Zuströmen.“ Dieses, und