Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 52. (24.12.1879)
- Date
- 1879-12-24
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5367336-6488236-8755780--1439-4854816- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
f'&B0kr*tuche ׳ ■MngeU diesc ▼(*raaseetaung: das Volks- 'Üfaad sieh dasomal nicht im Zustande des Versondern noch im ersten' Entstehen, welches eine Vergangenheit nicht zulässt. Die Theo* Kratie, welche die Propheten dar Königszeit ersehen, hä grundverschieden von der Priesterorganisation des Xlohiatea, in welcher der Staat zu einer religiösen Gemeinde »oaamme nach rümpft Nieht ein Hoherpriester, sondern ein König, der Adonai gehorcht, war ihr heiliges Ideal; die levitrsche Theokratie, ein unter ungünstigen Bedingungen, durch eine ewig merkwürdige Energie geschaffenes Kunstprodukt, hat die Fremd herrschaft nur Vorausset sang. Schwerlich würden auch die Propheten zu dem Formelkultus des Geremonialgesetzes ihre Zustimmung und ihre Billigung gegeben haben, wiewohl er nar ״als Form diente zur Aufbewahrung eines edleren Inhaltes, der anders als in einer 80 engen, alle fremden Einflüsse schroff abwendenden Schale nicht hätte gerettet werden können.“ Prof. Wellh.’s Ausführungen in seinem vorliegenden Werke haben an mehr als einer Stelle bei uns Widersprach und Einwendnng geweckt Wir hielten und halten vorläufig damit zurück, weil es nieht gut geihan und der Wissenschaft nicht förderlich ist, über 80 bedeutsame neue Anregungen schnell und flüchtig abzuortheilen. Wir glaubten auch den Lesern des Blattes vorerst mit einem objektiven Referat mehr zu nützen, als mit einer Polemik, die schon in Rücksicht des engbegrenzten Raumes nicht gründlich und erschöpfend genug hätte sein können. Wir nehmen deswegen für jetzt von dem gelehrten und scharfsinnigem'Werke Abschied, nicht ohne dem geistreichen Verf. für die vielfachen Belehrungen und neuen Anregungen, die wir־ aus seinem Buche geschöpft baben,_aufriehtigen Dank za sagen und hoffen auf die bezüglichen Ausführungen noch bei einer anderen Gelegenheit zurückzukommen. Literaturbericht. Keeezsiszcz. Ilirseli, Franz, Illustrirte Geschichte des deutschen Volkes. Für die deutsche Familie erzählt. II. Auflage. Berlin. Gebrüder Gerstmann. Das alte wahre, aber leider immer noch viel zu wenig beachtete Wort, dass nur die Vergangenheit die Gegenwart verstehen lerne, hat den als Herausgeber des ,J3alon“, ״Neues Blatt“ bekannten Schriftsteller Franz Hirsch veranlasst.׳ eise Geschichte des deutschen Volkes für die deutsche Familie zu schreiben, die uns bereits in II. Auflage vorliegt und mit Recht sich die Gunst besserer Kreise im Schnellschritt erworben hat. Wenngleich wir an Compendien der Geschichte, wie an ein- und mehrbändigen Geschichtswerken wahrlich keinen.Mangel Haben, 80 erstreckt sich dieser Ueberfluss doch nicht auf solche historische Werke, welche weniger für die Schule oder das Stndii zimmer, als vielmehr für die deutsche Bärgerfamilie bestimmt sind. Und doch soll die Fa- »ilienstube recht eigentlich die Pflegstätte deutscher Sitte and deutscher Art, deutschen Sinnes und deutschen Häsens sein. Dass dieses aber in einer ungleich wirkren, ungefälschteren und keuscheren Weise aurch idiiun deutscher Geschichte, als durch die dickleibigine und Erzählungen geschieht, bedarf weiteren »weises nicht. •Von diesen! Gesichtspunkte aus heissen das vor&gpode, sehr hübsch ausgestattete, una biUgfe Hirseh’sche Werk freudigst willkommen, anregend, übersichtlich, ohne störende Breitschweiflgkeit, und erfüllt durchaus die Ansprüche,' welche wir an ein gutes Buch deutscher Geschichte für das Volk und die Familie zu machen berechtigt sind. Max Weinberg. ת אמת&& von Josef Kohen-Zedek. London 1878. 64 8. gr. 8. Den Leser dieser vernichtenden Antikritik ergreift das Gefühl, als ob Perlen vor die Säue geworfen, die herrlichsten Kunstwerke zu kindischem Spiel herabgewürdigt werden. In herrlicher Diktion, mit Aufbietung eines im mensenScharfsinnes bemüht sich der vort hei I haftest bekannte Verfasser, den Nachweis zu führen, dass der Redakteur des הול in Königsberg, ein Herr Rodkinsohn alias Frumkin nebst •seinem jugendlichen, unter den verschiedensten Chiffern schreibenden ״Specialkorrespondenten“ ihn in gehässiger, boshaft dummer Weise persönlich zu kränken beabsichtigt haben, Die einzige Entschuldigung dafür, dass der Verf. mit Kolben nach Mücken schlägt, finden wir darin, dass er in dem dreimal steckbrieflich verfolgten Verbrecher, der in Schriften zur Verherrlichung des Chassidismus wie in Anpreisung des Darwinismus seine Feder gleich geläufig zu brauchen weiss, der dasselbe Buch unter verschiedenem Titel bei zwei verschiedenen Verlegern drucken lässt, eine Abart des verkommenen Journalisten gezeichnet hat, die culturhistorischen Werth behalten dürfte. Im Uebrigen heisst’s doch: Viel Lärm um Nichts. Coblenz. D r. L e w i n. Literarische Notiz. Kennt Raschi ein Hagi 0g r aphen-Ta rgu m? Man ist allgemein der Ansicht, das Hagiographen-Targnm müsse einer späten Zeit sein Entstehen verdankt haben, weil Raschi, dem Citate aus Onkelos und dem Prophetentargum sehr geläufig sind, niemals ein Hagiographen-Targum citirt. Zunz tritt in seinen ,,Gottesdienstlichen Vorträgen“ (p. 64) gleichfalls mit aller Entschiedenheit für diese Ansicht ein. Dem Bedenken, dass Raschi Taanith f. 18a 8. v. הפגינו ausdrücklich Targum P8. anführt, tritt er mit dem Einwurfe entgegen, der Commentar zu Taanith rühre wahrscheinlich gar nicht von Raschi her, da er in seinein Commentar zu Megilla fol 21b das Dasein eines Hägiographentargums in Abrede stellt Zunz sagt wörtlieh (ibid. Anm. d): ״Wenn Ra6chi zu Taanith f. 18a Targ. Ps: citirt, so scheint dies ein zweiter beleg für die Meinung, die Raschi dem Commentar abspricht. Zu Megilla f. 21b (8. v. ועשרה מתרנמין) sagt er, es gebe kein Targum zu den Hagiographen.“ Es scheint Z. entgangen zu sein, dass Raschi in seinem Commentar zu Megilla eine Stelle aus Targum Esth«..• c,'rt. Megilla fol. 13b 8. v. ן2ה ויצאת ממנו sagt er Wörtlich: •בתרגום של מגילה מייחם מרדכי ועושהו עשירי לשאול Der Widerspruch in Raschi ist in die Augen springend. Die Ansicht, aus dem die Existenz eines Hagiographentargums^ voraussetzenden Citate Raschi’s (zu Taanith 18a) eih Argument herzuleiten gegen die Authentie des Raschicommentars zu Taanith, erscheint gegenüber der Stelle in Megilla fol. 13b nicht mehr stichhaltig*) Sohrau O.-S. Dr. Immanuel Deutsch. *) Vrgl. Rahmer, Das Targum zur Chronik (Thom 1866),׳ woselbst im Vorwort p. VIII noch zwei Stellen angeführt sind, an welchen Raschi das Hagiographentargum citirt. (Chagiga f. 22b, das Targ. zu Ruth, nnd im Commentar zu Samuel i, 11,8 das Targ. zu Proverb.) Der Widersprnch mit Raschi zu Megilla 21b ist wohl so za '.Ösen, das Raschi, dar die 2 Worte (ib.) in der Boraitha streicht, ,weil es kein Targum zu den I'agiographen gebe,“ damit( nur sagen wollte, daas es zur Zeit der Redact.on jener Boraitha noch kein Targum zu den Hagiographen gab, wohl aber später so daas es Raschi allerdings schon ciliren konnte. (Red.) i>r. Rahmer in Magdeburg. Druck von H. Morbach in Barbjr. Verlag von Robert Friase in Beipzig.