Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 52. (24.12.1879)
- Date
- 1879-12-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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So. 58. Jüdische Literaturblatt. Zar Bdraektu( •Iler Jaden• tkaat aad Jaden betreffende* literarisch. Erscheinungen aaf de■ Gebiet« der PhUosophle. Geaeblchte.Etkn.rraphle.The• oIogte,OrlentaUa, Exegese, Bo- ■Uetlk, I.ltnrglk, Pidagoglk. Herausgegeben ן TOD i Rabbiner Dr. Moritz Hahmer. Kaffdebarg, 84. Deoember 1870. BSeker der eiasehUglgaa Lttemtar, welche der Kodaetten sngesaadt werde■, laden la *len■ Blatte ehg!LI«p«ek• aag. BelElasMdaagreacwei Beeeaatoasexewplarea erMgt nach Erwähn. L •.Woeheaaehr. Das ״Jüdische LiteralarhlMt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen BcehbnüMp■ (in Leipiig bei Robert Friese)pro Jahrgang: 8 Hk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift‘‘ (die vierteljährlich bei allen Poetanstaltaa and Buchhandlungen 3 Hk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literalarblatt“ gratis. — Incenale werden mit 20 PC für die draig*־ — ' " ' ‘ echpet. “ spalten« Petitzeile, buchh&ndlerische Beilagen mit 13 Mark berechi Die Expeditioa der ״Israetitiechen Wocheimohrtft“ Inhalt! Wissenschaftliche Aufsätze: Bei den Samaritanern. — Professor J. Wellbansen über das Altar des biblischen Priestergesetzbuches. Von Dr. J. S. Bloch in‘Brüx, fSchluss.) J.i tewaturbericht: Recensionen : Hiijsch, Franz, Illastrirte Oesäichte des deutschen Volkes. Für die deutsche Familie erzahn. — שפת אמת von Josef Koheh-Zedek. Literarische Notiz. 1 Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. ־+■ Bei den Samaritanern. L Vor einigen Jahren unternahm{ dier Baseler Professor D. C. von Orelli in Gesellschaft mehrerer Freunde, darunter der als Orientalist rühjmlichst bekannte Dr. Kautzsch, eine Orientreise, deren!Verlauf er in einem anspruchslosen aber inhaltsreicher(, |bei Spittler in Basel eijlfchienenen Buche niedergelegt jh^t. Eine der interessantesten Partien des Buches ist der Besuch in Sichern, dem heutigen Nablus, wohin wir dbm Verfasser folgen •wollen. Die Stadt liegt zwischen (Jetti Garizim und JDbal seltsam eingeklammert, daher ihr Nulte (שכם Nacken). Vor der Stadt steht eine grosse Kaserne, wie denn auch ein Pa#cha hier residirt. Ist doch (Nabluä mit 14,000 Einwohnern der bedeutendste Ort' d08 heil. Landes nach Jerusalem. Lange Alleen von alten!schönen Oelbäumen bekleiden die Strasse bis zur Stadt!. Doch lassen wir die Reisenden selbst reden.! ,Die Sonne neigte sich schoii diem Untergang. Um keine Zeit zu verlieren, machten! wir einen Gang zu der von den Juden früheren Landes den Samaritanern, jenem Ueberrest zurückgestossenen Bewohner d£s Ephraim, welche sich, gleich jetieq, als selbstständige religiöse Genossenschaft consiituirten; Sie sind jetzt aaf etwa 40 Familien herabgeschmolz^n {und wohnen meist in Nablus. : Wir fanden sie eben beim! Abendgebet in ihrer kleinen Synagoge, wo sie trotz der geringen Zahl einen gewaltigen Lärm machten. Da wir sie nicht stören wollten, stiegen wir indess zu den ״ welche, am Fusse des Garizim lief Ueberblick über die Stadt und ihre Berge gewähren. VVenn man aus dem dürren Sudeln kommt, ist man vor Allem durch die Fülle des Wassers überrascht, welche sie auszeichnet. Zwar in den Gipsen hört man keine Bäche mehr rauschen, wie frühere Eeschreibungen tnel den; die Leitungen sind zugedecltt, aber am Abhang des Garizim zumal kommen zahltjeicjhe Bäche herunter, und in Folge dessen wachsen Cäcüts, Oelbäume und Obstbäume ziemlich1 ohne Pflege in dichten Plantagen. Asphenhügeln“ hinauf, ec d, einen trefflichen der classischen Fabel Hier gedenkt man nothwendig Jothams von den Bäumen, die eijneh König wählten; denn hier stehen diese alle in b|un;em Durcheinander und in republikanischer Souveränität. Von einer der Terrassen des Garizim ist jene schneidende Satyre den Bewohnern vog Sichern zugerufen worden. Ein vor• stehender Felsen, der gut dazu passt, wird denn auch als ,Kanzel Jothams“ bezeichnet. Von einem solchen Vorsprung aus konnte Jotham aui's Gebirge entweichen, ehe ein erzürnter Volkshaufe ihn erreichte. Was nach unseren Gewohnheiten am schwersten denkbar schiene, nämlich dass von einer solchen an* sehnlichen Höhe herab der Redner sich dem Volke sollte verständlich gemacht haben, erledigt sich leicht bei der landesüblichen Gewohnheit, sich über ganze Thiler hinweg zu unterhalten. Und noch ein Anderer feierlicher Auftritt, den die Bibel erzählt, wird uns von diesem Aussichtspunkte illustrirt, nämlich die Proclamirung des Segens und des Fluches, die so stattgefundea hat, das• 6 Stämme von der Höhe des Garizim -den Segen, 6 andere vor dem Ebal aufgestellte den Fluch Aussprachen. Es finden sich nämlich hüben und drüben in mässiger Höhe zwei genau sich entsprechende Felsterrasseu־ (man. möchte glauben, sie wären einst aus einem 8tück aftseinanderges )alten*) worden), welche wie zur Bühne jener gr06sartigen Aufführung eingerichtet scheinen. Bei der Nähe dieser beiden Beige konnte dieses Rufen des Volkes in der Hauptsache wohl verständlich sein und eines gewaltigen Eindrucks nicht verfehlen. Unterdessen war das Abendgebet der Samaritaner zu Ende. Sie kamen der Reihe nach heraus, um ihre vor der Tlrüre gelassenen Schuhe anzuziehen. Es waren stattliche, ordentlich gekleidete Leute. Drinnen wurden wir dem Hohenpriester Jakuh vorgestellt, einem ganz, jungen Menschen in langen, weissen Kleidern, seine Gesichtszüge sind sehr edel, ohne jüdischen Typus, was. überhaupt von den Samaritanern gilt, sein Benehmen ungeziert und bei aller Bescheidenheit würdig; er begeg• nete uns sehr freundlich und gutmüthig; geistig ist er wohl nicht sehr bedeuten!!; sein Vorgänger war viel gebildeter und gelehrter. Wir fragten natürlich gleich nach dem Hauptheiligthum, der angeblich aus Mose'• Zeit sta mmenden Thorahandschrift der Samaritaner, welche die 5 Bücher Moae's, den einzigen'von ihnen als kanonfsch anerkannten Theil der Bibpl, enthält. Wie gewöhnlich, wollten sie zuerst־ eine andere Thorarolle, bringen, die sie: für die Fremden in Bereitschaft halten. Da jedoch F. diese von Weitem als unechte zurückwies, brachten sie unverdrossen die echte. Sie rubt in einer silbernen Kapsel und ist in einem Ueberzug von dunkeln, mit Gold bordirten Atlasszeuge gehüllt. Die Abbildungen der Geräthe des mosaischen Gottesdienstes, welche darauf angebracht sind, haben natürlich keinen historischen , Werth, denn diqse stammen aus dem Abendlande (Y4tm » •) Daher vielleicht der Name Q'1"U מרים* (Red.) 1■ *mm