Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 47. (19.11.1879)
- Date
- 1879-11-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Bogen; Preis bei allen BacMiandiaagea (in ichrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten gerate werden m(t 20 PC für die dreigeloa der ,.UraelitiaoM י Wochenschrift“ etlti I n lt s» 1 ti Wiss en sei aftlich e Aufsätze: Mohammed’s Arzneikunde. Von DrJ lsaac Gsstfreund in W(en. — Eine Namensformel im Talmud. Von Rabbiner Dr. Sidion in Wjerschetz. — Unter!• liegen die aus Palästina bezogenen Ethrogim Zehnten- und Hebe-Abgabepflicht? Eine halachische Abhandlung von einem Unparteiischen.! Literaturbericht: Recensionen: Ritter, Dtr. B., Philo und die Halacha. Eine vergleichende Studie. — Notiz. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Moliammed’s Arzneikunde. Von Dr. lsaac Gastfreund in Wien. (Fortsetzung.) Mohammeds Verordnung, dass, sobald ein Kranker Lust zu irgend einer Nahrung spüre,1 ihm dieselbe ohne Verzug zu reichen sei (Mis’kat I. p. 353),; mag ihren Grund darin haben, dass der Eintritt des Appetit bei einem Kranken als ein Zeichen der Besserung angesehen werden darf, wie sich die Krisis des krank niederliegenden Sohnes des R. Gamaliel zum Besseren kund that, als der Kranke Lust zum Essen bekam (Jerusch. Berachot c. 5). Selbst jene Aussprüche des Mohammedi die einen weiten Blick in der Anatomie verrathen, seabst jene Kenntniss von der Entstehungsgeschichte des Menschen, die Mohammed bereits im Koran kurzweg beschrieben (Sura 23 v. 12—14>, sind mittelst jüfl. Einflusses dem Propheten zugänglich geworden. Jeder von euch, sagte Mohammed, bleibt im Bauche seiper Mutter vierzig Tage als Samentropfen liegen; dann wird 'geronnenes Blut daraus und dann einJClumpen Fleisch; dann sendet Gott seinen Engel mit vier Worten, pämliqh: O Herr! ein Samentröpfchen; o Herr, geronnenes Blut;! o Herr, ein Fleisch-Klumpen; o Herr, ein Knabe older ein Mädchen, glücklich oder unglücklich; dann bläst er ihm den Geist ein (Mis'kat I. p. 25; Fundgruben 1. iS, 279). Hören wir nun die damit parallel laufenden talm. Weisungen. Wälirend der. ersten: drei Tage pach der Empfang niss des Samens soll man dafür beten, dass die Empfängniss nicht unfruchtbar werde; nach diesen drei Tagen bis zum vierzigsten Tage, dass ep ein Knabe oder eia Mädchen werde; von da an bis ^rei Monaten, dass das Kind nicht ungestaltet werde; von dieser Zeit bis sechs Monaten, dass es nicht eine Fehlgeburt werde; von da bis zum neunten' Monat, dass das Kind glücklich zur Welt komme (Berachoth 60a; Tjsnchpma Par. Pekude c. 3 mit dem Zusatze: nicht aber ob fromm •oder nicht). Ja, die Agada lässt einen Engel das Samentröpfchen Gott mit der Frage vorführen: ob es I ein Held oder ein Schwächling, ,ein Weiser oder, ein Najjr, reich oder arm werde (Niddah 16a). Her Grifft •whji dem Kinde jestst wenn es reif wird eingeblasei^, welch ג Meinung R. J&- huda, der Sammler der Mischna, um der des tääetp' Jl Antoniens willen[ umänderte (Synhedr. 91b; Jalkut Jiob 27 § 914). Da nun in jüd. Werken die Erkennungsmerkmale angegeben werden, durch welche man verschiedene Samen unterscheiden (vgl. Gittin 57a; Niddah 31bj, wodurch man ferner die Aehnlichkefit des Kindes mit dem Vater j oder mit der Mutter angeben könne (Sabbat 87a; vgl. Berachot, 51b; B. Mezia 79b), so mag sich Mohammed vielleich t "danach gerichtet haben, wenn er angiebt, dass der‘ Samen eines Mannes weiss und klebrig, der eines Weibes dünn und gelb sei; welcher Samen nun zuerst die Gebärmutter erreiche, dem werde das Kind ähnlich sein, dem Vater nämlich oder der Mutter (Mis’kat I.p. 99; ibid. II. p. 689). Da der ^almud verschiedene Blutarten angiebt (Jerusch. Niddah c.2,5; B. Mezia 83 b), so liegt die Vermuthung nahe, dass Mohammed seine Angabe, dass, wenn das Blut von der Menstruation käme, es schwarz sei, wenn es aber eine andere Farbe habe, es von der Blutader herrühre (Mis’kat I. p. 125), aus jüd. Kreisen geschöpft habe. Allerdings finden sich medicinische Aussprüche des Mohammed, für welche sich keine talmud. Quellen nachweisen lassen. So ▼erordnete Mohammed, ein zabereitetes Getränk zur Linderung der Melancholie (ibid. II. p. 319), für welche Verordnung noch eine Parallele im Talmud zu finden sei, demzufolge es einen Wasser-, trank מי דקרים״* genannt, gegen Melancholie wohl gebe (Jerusch. Berachot c. 6). Ebenso lässt sich für Mohammed’s Verfahren: beim Reiben seines von einem Skorpion gebissenen Fingere mit Salz und WaSser auch v. 114 von Sura 113 als Heilmittel herzusagen, die talm. Stelle (Jerusch. Sabbat c. 6, 1; Babli ibid. 67a) anftlhren, in denen verschiedene Gebete und Sprüche gegen Krank* heiten augegeben werden. Auch Mohammeds Bes timmung, dass die beste Zeit zum Besuche eines Kranken die am hellen Tage sei (Mis’kat I. p. 353) rührt gewis* von dem talmud. Rathe her, dass man einen Kranke h weder in den drei ersten Morgenstunden noch in den drei letzten Stunden des Tages besuchen solle, weil 1*1 den enteren für den Kranken Linderung, in den ie**- teren aber Vereohlimmerung eintrete, in welchen bei* den Zeiten der Besucher über den wahren ZustanäLdw Kranken getäuscht, seine Theilnahme verringert (Hedarim 418). Hingegen fand ich für folgende medicinische Behauptungen, Picht einmal annäherungsweise eine entsprechende talmud. Parallelstelle, dass nämlich alle Krankheiten, mit .Ausnahme des Aussatzes, vor welchem man wie vor einem Tiger zu fliehen habe, nicht ansteckend seien (^is’kat II. p. 381), dass die Milchpflanze ein zu starkes Abführungsmittel sei (ibid. p. 375), dass Baumöl gegen Seitenstechen (ibid.), nnd der aas Erdschwämmen ausgedrückte Saft gegenAugenkrankheiiHeilkraft besitze (ib, p 379). Insbesondw« verdtent der folgende j*