Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 46. (12.11.1879)
- Date
- 1879-11-12
- Page
- Seite 184 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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184 — ז Ursprung des Autors kann man finden in der genauen Wiedergabe der תקמי סופרים und in der Relation der Autoren der biblischen Bacher, welche sich zumeist mit der talmudischen Angabe deckt (vgl^Babtf bathra fol. 14b 15a). Gleichwohl sind alle die9e Argumente nicht entscheidend. Grätz hat unwiderleglich nachgewiesen (Grätz, Gesch d. J. V,_2 Note 23 pg. 501 ff), dass in der ersten Zeit die Berührungspunkte zwischen Karäern und Rabbaniten durchaus nicht vereinzelt waren. Rabbaniten und Karfter beeinflussten sich gegenseitig, zumal da, wo so zu sagen neutrales Gebiet zwischen ihnen lag. _-,Für den karäischen Ursprung Ben Ascher’s fällt in’s Gewicht, da«8 Jehuda Hadassi ihn in seinem Eschkol zweimal als einen der Seinigen reclamirt. Wenn Grätz in Ben Ascher’s Eingangsworten, die sich über das Verhältniss der Propheten und Hagiographen zum Pentateuch aussprechen, karäische Theorien findet, so Ubersieh! er, dass sich dieselben ganz gut auf Analogien im יצירה D zurückführen lassen. Auch die von ihm urgirten stilistischen Eigentümlichkeiten, wie מלמד. משכל sind nicht specifisch karäisch. (Vgl. hierüber die zutreffenden Ausführungen der Herausgeber pg. XIV.) Uns will es scheinen, diese Frage lasse sich nicht endgiltig erledi- _ gen, losgelöst von der Frage über den Ursprung von Ben Ascher’s Rivalen, Ben Naftali. Darauf hier näher einzugehen, würde zu weit führen. Aus dem bisher Gesagten erhellt zur Genüge, dass die jüd. Wissenschaft den gelehrten Herausgebern für die Edition dieses Buches zu aufrichtigem Danke verpflichtet ist Sohrau O.-S Dr Immanuel Deutsch. Entretiens 8ur le Judaisme par E. A. Astruc, Grand-Rabbin de Belgique. Paris, Alphonse Lemerre. 1879. 358 8 ■ד׳....' Es ist ein leidiger Trost, Genossen in der No׳h zu haben, aber Herr Astruc, dieser so begabte, begeisterte und Begeisterung erweckende Prediger unseres Glaubens, gewährt ihn in der Einleitung der.grossen Anzahl seiner Berufsgenossen, die heut zu Tage über leere Gotteshäuser» über die Verödung des religiösen Lebens .nur allzu berechtigte Klage führen; denn wenn schon Reden, wie die vorliegenden, keinen grossen Kreis von Hörern um den Redner schaaren, so liegt es offenbar nur an der Theilnahmlosigkeit der Massen, nicht a» dem mangelnden Talent des Predigers; wie schöu, wie frei und edel sind die Gedanken, welche Hr. Astruc mit einer glühenden Beredtsamkrit vorträgt; da ist keine Trivialität, keine pastorale Salbung, sondern die erhabönsten Fragen, welche den menschlichen und zumal den jüdischen Geist beschäftigen können, werden mit einem Muth, einer Unerschrockenheit, einer religiösen Wärme und einer Verstandesschärfe behandelt, dass die Kritik nichts weiter sein kann, als der Ausdruck aufrichtiger Bewunderung Für diesen Redner giebt es keine heiklen Themata, denen *man gern ans dem WVge geht, weil in der That ein grosses Maass von Einsicht und eine seltene oratorische Gewandtheit und Kraft dazu gehört, um Stoffe, dm aus den höchsten Kegionen der Gedankenwelt geholt sind, geistig zu durehdringen, klar darznstellen und sie zu alledem mit dem warmen Hauche religiöser Begeisterung zu beleben. Gerade von den F'ragen, die am heftigsten das Ansehen der Religkin bedrohen, von den Zweifeln, die jeden Gebildeten beschäftigen, von den Angriffen,-die von der Tagesliteratur, besonders von den populären Wochenschriften, so oft g^gen die Religion und die heilige 8efirift unternomtatm werdfen, heisst es: Diese Dinge gehören nicht aMf diö Kautel; und diese Meinung'ist nicht unberechtitfft, denn zunt Theil kann die Masse der ZuhöFer nicht. zu diesen gedanklichen Sphären sich aufschwingen, zumeist aber werden die Prediger es nicht leisten, diese schwierigen Aufgaben so zu bewältigen, dass die Würde, der Religion gewahrt wird, der freie Gedanke zu seinem Rechte kommt und die Rede volksthümlich und erbaulieh ist. Herr »struc jedoch wagt sich an die höchsten Probleme; vor seinem klaren Forscherblick schwinden die Nebel, welche Glauben und Wissen, welche die Religion und den freien Gedanken trennen und die Flamme des Sinai und die Fackel der Wissenschaft fliessen zusammen zu einer weithinstrahlenden Leuchte; wie klar und ohne Fehl steht die Idee des Judenthums da, wie überzeugend redet er von der messianischen Zeit, wo der Wolf mit dem Lamme weiden, ,wo die Mehrheit die Minderheit ertragen und gelten lassen wird.“ In diesen Reden strebt ein Mann, der für das Judenthum erglüht in heiligem Feuer ist, und der zugleich der modernen Wissenschaft aufrichtig ergeben ist, zu erweisen, dass Israels Glaube, seine Lehre, seine Moral und seine Hoffnung im innigsten Einklang stehen mit den Forderungen einer geläuterten Vernunft und eines reirien, von Vorurtheilen freien Gemüthes. Er scheut auch die Polemik nicht, wenn er herausgefordert wird; kühner als es der Art der deutschen Juden ent spricht, ist die dreizehnte Rede, zu welcher das *von 506 Bischöfen an das vatikanische Conzil gerichtete Gesuch; dass diese hohe Versammlung die Juden zum christlichen Glauben einlade, ihm Anlass gegeben hat; welch feiner Humor und welch leidenschaftliches Pathos; und| dabei verletzt er in der höchsten Ekstase nie die Schwanken der guten Sitte, er widerlegt den Gegner, abeF er beleidigt ihn nicht. Wie sehr wäre es zu wünsehen, dass diese Reden, deren Styl so edel ist wie ihr Gedanke, deren Aufbau so logisch und so durchdacht ist, wie ihr Inhalt, die ein ganzes System der jüdischen Lehre enthalten, aber nicht in einem dürren Schema, sondern in blühender Beredsamkeit, dass diese Reden in recht weite Kreise dringen. Der Verf. sagt im Hinblick auf die leeren Goitesliäuser: Der Berg kommt nicht zu un9, so müssen wir zum Berge gehen; er sendet sein Buch zu den Familien, damit Diejenigen, welche im Drange der Geschäfte den Gottesdienst nicht besuchen, in ihren Mussestunden siqh in der Lehre unterrichten können, welche das Auge erleuchtet und das Herz erfrischt. Wir wünschen lebhaft, dass diese Predigtsainmlang nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland als Hausbuch in gebildeten jüdischen Familien sich einbürgere; dies Buch wird sicherlich so Manchen, der aus Unkenntniss seinen Glauben verachtet, zu einom'übei zeugten Verehrer und Bewunderer desselben umwandeln, und auch wer aus frommer Scheu vielleicht nicht alle Ansichten des Autors billigt, wer dem kühnen Wanderer nicht auf den oft steilen Wegen folgen mag, wird die Kühnheit und den Muth bewundern und ehren, der auch auf entlegenen und jähen Pfaden die Wahrheit sucht, z. Notiz. Das vorletzte H׳-ft der Verhandlungen der Gesellschaft für Philologie in Paris enthält eine Arbeit des Ingenie trs Herrn Rodet über das Sepher ha-mispar von Abraham Ibn Esra nach dem Mscr. der Pariser Bibliothek und Facsimile, die werthvoll für die jüd. Paläographie sind. Das jüngste Heft bringt eine Mittheilung des Grafen Ladislas Chodzkiewicz über Bracteaten. einer kleinen Münze, die von Mitte des 9. bis zum Ende des 12 Jahrhunderts in Polen und Deutschland im Gebrauche war Oft finden sich auf ihnen jüd. Buchstaben und selbst Umschriften in jüd Sprache. Dies bezeugt i •die Verwendung jüd. Wardeine. Auch mögen diese Münzeit zur Almosenvertheilung am Freitag gedient hahen. “ ’ Pr. &*ha>Sr in Magdeburg. PnMk von 11. Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.