Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 44. (29.10.1879)
- Date
- 1879-10-29
- Page
- Seite 176 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 176 — Literaturbericht. lectniiw■. Kohut, Dr. A. ערוך השלם. Targumisbhes,•■ talmudischeä and rabbinisches Lexicon. II. Abtheilung, > erstes Heft. - Mit wahrer Freude sehen wir dieses grossartige Werk fortgesetzt erscheinen. Denn Rapaport, welcher in seinen späteren Lebensjahren mit seinem ״Erech Millin“ ein ähnliches Werk zu schaffen begönnen hatte, kam dabei nicht über den ersten Buchstaben hinaus; Hr. Kohut befindet sich dagegen im kräftigen Mannesalter, und von seinem Fleisse ist zu hoffen, dass er die6e epochemachende Arbeit m. G. H. auch vollenden werde. — Das rubr. Heft, welches mit dem zweiten Buchstaben beginnt, erschien zugleich zur Jubelfeier des 25jährigeD Bestehens des Rabbiner-Seminars zu Breslau, und. wahrlich J diese Lehranstalt darf auf ihre ehema- »ligen Hörer und Zöglinge, deren literarische Thätigkeit jener des Oberrabbiners Dr. Kohut gleicht, stolz sein; und kann darum dem niedrigen Treiben des hyperorthodoxen, vom Fanatismus versengten Kleeblattes (H. &!1. & fj.) ruhig zusehen. Auch in clem rubricirten Hefte hat sich der Verf. nicht, nur a)s ein fleissiger Sammler der einschlägigen Literatur, sondern auch als selbstständiger Forscher erwiesen. Wir heben zu diesem Behufe hur einen Artikel hervor, nämlich בי״אבידן. Zunächst leitet der Vf. diesen Ausdruck von dem persischen. Worte Abdan ab, welches einen ,stark bewohnten“ und daher ,stark be- ־־suchten Ort’•1 bedeutet, und unsere Talmudisten lebten ja im persischen Reiche. Dann führt er die Stellen an, wo 1m Talmud (Aboda sara 17a, Sabb. 116a) jener Namen vorkommt. Hierauf folgt die Erklärung hus dem alten Arucb van R. N a t h a n, dass unter be-Abidan ein 'Sammelplatz in einem fürstlich eingerichteten Hofe, worin die Bekenntnissschriften verschiedener Nationen und Religionen aufbewahrt wurden und‘ auf Grund derselben von den Schriftgelehrten Disputationen stattfandea. Ferner citirt er die mit der.seinigen'übereinstimmende Ansicht des sei. Ra p ap o r t. — Nun entschuldigen aber in den betr. Talmudstellen (Ab sara l. c. Sabb 152a) R. Eleasar ben Perata und schon früher R. .Josua (letzierer in Palästina) ihr Nichterscheinen zu solchen Disputationsschulen mit ihrer ,Altersschwäche“, während Rab (Aricha, Sabbat 116a) folgenden unverstündlichen Vorwand gebrauchte: ,Ein gewisser (Dattel-) Baum befindet sich auf dem Wege zu jenem Verstimm- **hingshaus, welcher mich daran hindert!“ Und als man 1 ihm entgegneie: ,So wollen wir denselben ausreissen“, ' antwortete er: ״Es bliebe dann die Stelle immer *hoch | schwer für aneii zu beschreiien“; was Raschi damit erklärt, ,weil dann an des Baumes Stelle eine Grube j bliebe“ etc. Was wollte nun Rab mit dieser Ausrede andeu-! ten? Zur Beantwortung dieser Frage führt nun der Vf. verschiedene Ansichten an: 1) dass hierunter zwei das! Judenthum bekämpfende Secten in Persien, näm-! lieh a) Nachfolger Ab ad an’s und b) Verehrer | Zrvana’s (נצדפי) zu verstehen seien, womit jedoch diese Frage nicht erleichtert wäre; 2) endlich beweist er e,us dem Zusammenhänge der. betreffenden Talmud■: stellen piil den anderweiten Aeusserungen daselbst, dass hierunter christliche Secten— in deren Nähe ju Rab; und Samuel als Schüler des Mischnah-Sammlers Ra׳•bi Jehuda, gleichwie frjiher R Josua sich aufhiel•» ten — gemeint seien;,und. zwar citirt er hierbei a) zuerst die Ansicht L ö w * 8, wonach unter אבירן dieSecte Baba kama 117a) und unter נצרפי die Nazaräer (נוצרים) zu verstehen sei; dabei wäre aber Rab's Vorwand noch immer nicht erörtert, b) Darum behauptet der Verf. zuletzt, dass unter den erwähnten Namen gnostische Secten unter den Christen Palästina’8 in den ersten 3 Jahrhunderten j. Zr. gemeint seien, besonders unter אבירן die sogenannten 0phi ten, welche einerseits die Elemente, wie z. B. 5X»j den Schöpfungsdunst, das Urwasser oder Urfluth (תהום), und andererseits — das Cap. 3, I. B. M. buchstäblich auffassend— die Ursch lange (נחש הקדמוני), ■als Verführerin Eva’s, göttlich verehrten, weil durch dieselbe die Vernunftkraft (Intelligenz) geweckt worden sei, nachdem das erste Menschenpaar vom ,Baume der Erkenntniss“ genossen hatte, weshalb diese Secteauch ,Naaschiten“ ( Nachaschiten). genannt wurde. Darauf deute nun der Vorwand Rab’s hin, dass ihn dieser Baum hindere, die Disputationsschule der Ophiten (בי אבירן) zu besuchen; und wenn sie auch diese Discussion fallen Hessen — also diesen Baum gleichsam fällen — so fürchte er dennoch die Gewaltthätigkeit dieser christlichen Secte, dass sie ihn dem Grabe (=«= Grube) überliefern würden! Aus diesem einen Artikel schon wird der Leser entnehmen, wie reichhaltig und erschöpfend diese Aruch- Ausgabe ist und wie sie alle sonstigen targumischen und talmudischen Lexica überflüssig macht. Wir wünschen dem Verf. Kraft, Gesundheit und recht viele Subscribenten, damit er in den Stand gesetzt sei, sein rühmliches Werk auch zu vollenden. Bad-Ems. Dr. Hochstädter, Bezirksrabbiner. Dessauer, Julius. ברית שלם Der ewige Bund Die Beschneidung vom ritualen, operativen und sanitären Standpunkte, nach den Quellen dargestellt. Budapest. Der fleis8ige Autor giebt hier dem Mohel und den für dessen Fach sich Interessirenden ein sehr werthvolles Schnftchen in die Hand. In drei Abtheilungen behaudelt der gelehrte Verfasser, früher Rabbiner in NeupesJ;, jetzt in Budapest nur den Wissenschaften lebend, die W i c h t i g k e i t der Beschneidung, die r i t u e 11 e S e i t e und die Beschneidung als Zweig der öffentlichen G esundheitspflege Sodann geht er zu den Pf liehten des Mohel über, zu den nöthigen Eigenschaften desselben, zu Periah, Meziza und Nacbbehand- 1 ti n-g. Zinn Schlüsse giebt er in einer allgemein verständlichen Weise die Vorschriften aus dem Ritual- Codex, die solchen Mohelim, welchen das Hebräische nicht geläufig ist, gewiss willkommen sein werden. M. florowitz, Ldon, Maskereth Zion. Rede, gehalten in der Loge Gabriel Riesser I. Man kann darüber streiten, ob die fremdklingende: Bezeichnung ״Loge“ für einen Verein von Israeliten,, der die Wohlthätigkeit im guten alt-jüdischen Style übt,, passend ist; aber wie sie immer genannt wird, die Wohlthätigkeit (ג״ח) ist eine von den drei Säulen der sittlichen Weltordnung, und wer diese in seinem Kreise vom Neuem befestigt, verdient unsere Achtung und Aner-; kennung. Hr. Horowitz, Kaufmann in Hamburg, ein ' vorzüglicher Hebraist, ein vielgereister und vielerfahrener Mann, hat nach dem Muster der amerikanischen israel. Logen in Hamhurg eine gegründet und bei der Einweihung des neubezogenen Logensaales obige treffliche j Rede gehalten. Möge der Begründer dieses Vereins den edlen Zweck seiner Bemühungen erreichen, ״die schönste und edelste Lehre des Juderrthums, welche zum Grundsätze der Civilisation und Humanität erhoben wurde: Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst“ be-. der Jpdencbriaten, d. i. der Eb joniten (vrgl. *אביוני thätigt sehen M. Verantwortlicher Redactcar Dr. BlihatT*In Magdeburg. Prack yon M. Horbach in Barbe. Verlag ron Robert Pri«■« ln fj,ipSg