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Das jüdische Literaturblatt · 1879-10-22 · No. 43. (22.10.1879) · p. Seite 172

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 43. (22.10.1879)
Date
1879-10-22
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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■ 1* ■ יי **-v ׳ *’«* J. ■ ׳ M1 7 ' .'.- ׳ ״A1׳r׳ ■׳■/</־«^׳ י׳^’:•׳^1־T»r. f — 172 — Gegensätze za den (pgg. 23, 24, 25, 26) mit schneidendem Hohne vorgebrachten Bezichtigungen. Pg. 23 wird Kaspi der Oberflächlichkeit und der pedantischen Kleinkrämerei geziehen mit den Worten: ותשמט ידיך בגרגרים ותט אל קלפות בערך למה שעזבךג. Pg 24 wird ihm der Vorwurf der Eitelkeit, die sich in־ ihren Vorzügen selbst bespiegelt, nicht erspart. Mit Anspielung auf den Namen Joseph heisst es: זם להראותנו כי נחלת שמו ונחלת חכמתו ובלעדי זה דענו ונודע בשערים תקפך וגבורותיך Pg• 25 26 wird seine Anmassung gegeisselt, dass er sich רסף בעל הסד nennt, als ob er ein Monopol auf geheime Kenntnisse und Wissenschaften habe. Es heisst dort u. a.: הבאת ער נבכי ים המספר וב' הדעת חקות שמים סתרי התכונה חי נפשי המתעסק במלאכה זו אצלי מאבד הזמן ומפסד הימים. Auch heute noci! sind beachtenswerth Kalonymos’ Bemerkungen über אות׳ מופת* פלא Hach seiner Annahme haben wir hier drei synonyme Bezeichnungen für ״Wahrzeichen*, welche sich nicht qualitativ, wie Kaspi will, sondern nur quantitativ und graduell von einander unterscheiden. Der Text des Sendschreibens ist zwar nicht in elegantem, vielmehr in geschraubtem, aber immerhin in fliessendem Hebräisch abgefasst. Von den wenigen dem Herausgeber dunkel gebliebenen Stellen lässt sich die eine und die andere durch Conjecturen emendiren. Statt des sinnlosen בשדו ist pg. 1 vielleicht בשדי zu lesen, parallel dem *בראות. Man hätte etwa zu übersetzen: wenn ich sehe, dass gross sind die Erwägungen des kenntnissreichen Herzens, wenn ich darauf hinblicke, wie zahlreich die Werke dessen sind u. 8. w. Pg. 3 möchte ich für das sinnlose ואשר עליך vorschlagen ואשם עליך. Der Sinn dieses Passus wäre: du hast Dinge niedeFgeschrieben, durch welche die grosse Verwirrung hervorgebracht; darum lastet Schuld auf Dir. Zwar ist die Wendung ואשש «עליך nicht gerade elegant, jedoch in unserem Sendschreiben durchaus nicht unerhört. Pg. 16 ist vielleicht statt des sinnlosen שממאן zu lesen שמצאן. Kalony in os sagt: alle Menschen sind lügnerisch und trügeriscb, mit Ausnahme Weniger in einzelnen Zeiten. Heil Denen, welche sie (die Rechtschaffenen) gefunden haben. Jn der Stelle pg. 2: ואם בעדם קירוב בשר׳ ריב finden wir keine Schwierigkeit. Parallel mit dem voraufgehenden Satze sagt Kalonymos: wie es bei Königen angesichts der Kriege keine Verwandtschaft giebt und wenn-auch bei ihnen (noch so nahe) Blutsverwandtschaft stattfindet, die Feindseligkeit doch vor sich geht, so u. s. w. Dagegen sind uns andere Stellen unverständlich geblieben, z.B. p. 2die Worte: ומחי קבלו יתן בחומותם, ferner pg. 4 .פעל הזד. Als Curiosum wollen wir schliesslich noch erwähnen, dass Wolf die Abbreviatur ״£ י^ן״ןp על משכבו יבא שלום דנלח Dicht aufzulösen weiss und in seiner bi bl. hebr. III, 14 *עסיש liest, und demnach übersetzt: ״Kalonymus filius R. Me'fr Asisi" (cf. pg. XIII Anm. 5). Wir legen die Festschrift weg in dem Bewusstsein,*׳ dass der gelehrte Verf. die jüd. Wissenschaft um eine sehr interessante und durch seine Erörterungen sehr werth- "volle Piece bereichert hat. Sulzbacb, Dr. A.; Rischuss oder Judenidiosynkrasie. Löbau 1879. Verlag von R. Skrzeczek. Rischus ist oft genug angeerbtes Vorurthßil ohne eigentlich vernünftigen Grund; nur dass in edlern Gemüthern dies Vorurtheil ohnmächtig sein wird gegen die Forderungen der Gerechtigkeit, während rohe Naturen unbekümmert um Recht oder Unrecht ihren Neigungen oder Abneigungen ohne Scham Ausdruck geben. (toorg v. Vinke hat diesen Widerstreit der Gefühle im :,y<wätW01tlieher Kedactonr Dr. Ra hm er in Magdeburg. Druck von Jahre 1847, als es in Deutschland noch dunkel war, in das Wort zusammengefasst: er würde sich genirt fühlen, wenn sein Nachbar im Landtage ein Jude wäre, aber das sei für ihn kein Hinderniss, für ihre Emancipation einzutreten. So erklären wir uns philosophisch den ersten der Rischusfälle, die Hr. Dr. Sulzbach bespricht, nämlich Hm. Treifschke's Ausfall gegen das Haus Rothschild. Hr. Treitschke ist zwar ein liberaler (?) Mann, aber er ist der Sohn eines sehr reaktionären sächsischen Generals>׳die politischen Anschauungendes Vaters hat er aufgegeben, seine socialen Vorurtheile hat er beibehalten, wenigstens sind sie noch nicht völlig beseitigt. Zudem ist Hr. Treitschke ein deutscher Professor, und diese eigensinnigsten aller Sterblichen nehmen bekanntlich nur sehr seilen ihr Wort zurück. War einmal das Wort ״von dem Judenhause, dass die Schattenseiten seiner Race sichtbar zur Schau trägt“, dem Herrn Professor über das Gehege der Zähne gekommen, so gehört es dem Jahrhundert; der streitbare Herr v. Treitschke zeiht sich keiner Uebereilung. Aber er meint es nicht so schlimm; man darf diesen Mann gegen seine eigenen Worte •in Schutz nehmen; er wird die Juden nicht aus dem Lande jagen. Mit den Judenfeinden geringeren Grades möchten! wir nicht gar so hart in’s Gericht gehen, drum sei auch der ״Fliegenden Blätter“ freundlich gedacht. Die Redaktion eines Witzblattes kann die geschriebenen oder gezejchneten Scherze nicht gar so sorgsam prüfen, ob sie n^cht doch irgendwo Anstoss erregen werden; mit dem Bajtjzzo darf man’s nicht genau nehmen, sonst verlernt er und verlernen wir das Lachen; ich kenne das Bild: ,ein Samstag-Nachmittag in einem Münchener Kaffeehaus“ nicht; aber es gilt selbst dann noch Spass zu verste len, " wenn es uns im Innern wurmt, dass der Scherz getade gegen uns sich richtet; es gab Leute, welche das bekannte Knauf’scche Genrebild ״der erste Verdienst“, für Rischus hielten; wir haben, als wir es in Paris zuni ersten Male sahen, uns herzlich über den Triumph deutscher Kunst gefreut, und der Hasenfelle schachernde Judenjunge war utks gar nicht zuwider; Dr. Sulztach warnt vor Empfindlichkeit und wird selbst empfindlich und entrüstet sich Uber die ״Fliegenden Blätter“; aber mit einem Harlekin disputirt man nicht. Auch der starre Confessionulismus, der eine $pecifisch christliche Erziehung verlangt, ist nicht eigentlich Rischus zu nennen und füllt aus dem Rahmen der Sulzbach’schen Studie; dagegen wird dem bekannten Culturhistoriker Henne am Rhyn, den wir zwar für einen vielwissenden und Vielschreibenden Mann, aber keineswegs für einen hervorragenden Gelehrten und Schriftsteiler halten, vortrefflich heimgeleuchtet. Dem sind nun wieder die Speiueverbote und die Feiertage zuwider; und dabei schimpft er, wie Hr. Sulzbach uns erzählt, auf Meyerbeer, Offdnbach, Halevy, auf den Juden Wolf in Berlin, den Besitzer des bekannten Telegraphenbureaus; und die Herren haben es doch alle mit den Sdeiseverboten und den Cereimomen überhaupt nicht sehr genau genommen. Die Ausführungen des Herrn Sulzbach sind im Ganzen massvoll und interessant; wir empfehlen dieses Schriftchen zur weitern Verbreitung. Z. A. Hepner’1 Verlag:, Breslau, [1992 offerirt gegen b a a r oder Nachnahme: Geiger, Nachgelassene Schriften, 5 Bde., statt 35 Mk. nur Mk.20* Amsterdamer ״Schass.“ in 1;! eleg. Foliobänden, vorzüglieh erhaltenes Prachtexemplar ז Mk. 180. VenetianerxRambam, gut erhalten ' Mk. 40. Raschi za Pentateuch und Uegillot, Venedig 19t5 Mk 10. Dukes, Zur Kenntniss der nenhebr. Poesie (durchschossenes und mit vielen Vermehrungen f. eine zweite Auil. versehenes Handexemplar des Verfassers.) Mk. 201 H. Horbach in äarby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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