Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 39. (24.9.1879)
- Date
- 1879-09-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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sro. 39. Jahrg. VIII. Jüdische Literaturblatt Znr Beleachtang aller Jaden• tbam and Jaden betreffenden literarisch. Erscheinangen auf dem Gebiete der Phlloaopbie. Geschichte,Ethno*r*phIe,The־ ologie^Orientalla, Exegese, Ho• ■illetlk, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahiuer. Majfdohurs:, 34■ September 1870• Bäcker der elnseklägtgea Liter.Ur, wcleke der Bedeettan!■!enwlt werden, Inden in ' dleeeMBIetteeinaeh.Beepreehnnjr. Bel EinaendnnfVon swei Beeewdoneexeaplnren erfolgt naek Erwähm. L d.Woekeneekr. Da« ״Jüdlnehe Lllerntorblatl“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis hei allen BuobhaadlmfM (in Lei pzig bei Robert Friese) pro Jahrganges 11k. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift• (die vierteljahrlieh bei allen Poetanstalten and Buchhandlungen 3 Hk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Iaiente werden mit 20 PC für die dreige- »paltene Petitzeile, buchhändlerische Beilagen mit 13 Hark berechnet. Die Expedition der ״lsntelttische.1 Wochenschrift." lnhalti Wissenschaftliche Aufsätze: Unsere falschen Feinde. ■— Wort und That. Literaturbericht: Reeensionen: Dessauer, Dr. M., Der deutsche Plato. Erinnerungsschrift etc. — Hetz, Rechtsanw., 1. Zur Geschichte der Falasclia's. 2. lieber die zu!seinem Aufsatze: ״Zur Geschichte der Falascha’s“ benutzten Quellen. — 111100 לקבוע עתים Schlüssel zur sofortigen Umwandlung jedes bürgerlichen Datums in da« entsprechende jüdische upd umgekehrt, für die Jahre 17äu— I960 von L. Cohen, Lehrer. — Blumenan S., 18raelitisches Gesangbuch für die Synagoge pnd die ReligionsschuÜe. Notiz. — Inserat. Nachdruck nur mit vsller Quellenangabe gestattet. D<B* Mit «lleaer IVr. •ehllep■( dm« dritte faartcl! wir bitten unsere geehrten Abannen• ten niaa reehlceltlge Er 11 euer uns Ihrer Bestellungen. Die Expedition. 1 Unsere falschen Freunde.*) Mephisto versteckt seinen Pferdefluss, sagt: ״ich bin ein Cavalier wie andere Cavaliere“ und nennt sijch einen Unparteiischen. Wenn ei ft Taschendieb na^h meinem Geldbeutel greift, 80 möchte diese Sorte von Unparteiischen a!n Ende die Entscheidung treffen: ן ja ganz ohne Grund wird doch dieser Spitzbube nicht!in fremden Taschen wühlen, also bin ich ihm etwas schuldig. Wol Keiner, der in dieser kläglichen Wucherfrftge für das Judenthum öffentlich das )Vort ergriffen Hat, ist parteiisch, denn die Herren Wucherer selbst haljen natürlich geschwiegen; wer einemjsolchen Handwerk sich widmet, der scheert sich wenig )darum, dass er dadurch die Ehre seiner Glaubensgenosqenschaft preisgiejbt; die Herren Halsabschneider haben nur Respect vor dem Strafgesetzbuche.! Ist der Wucher wirklich eine j Landplage gewiorden, so ist der Staat auch verpflichtet, ihn zu verfolgen, ihn zu unterdrücken; diese Vampyrp schlagen nicht! in Bibel und Talmud nach, ob es erlaubt sei, den Armen ihren letzten Blutstropfen auszusaujgen, und wenn! es Bibel und Talmud tausendmal verbpten, so werden ■sie dieses grausame Geschäft mit. ungepchwächten Kräften und ungeschwächter Lust fortsetzen, so lange der Straf• richter dies zulässt. 1 Dass im'Talmad hier und da öine lieblose Aeu ise* rung gegen Nichtjuden (Heiden) vorkommt, ist zuzugeben; *)'Waetror. and Intoleranz; zugleich eine Antwort die Schrift von W.Mwr, von' einem.Unp.zr teil sehen. . .n. . .1 ■.L - za* auf ch. aber verräth es nicht schon bösen Willen, den sittlichen Zustand der gegenwärtigen jüdischen Bevölk e r u n g in Deutschland nach einzelnen Talmudstellen zu beurtheilen,!.die nur-den Gelehrten bekannt sind? Wollt ihr wi6sen, welche Moral in nnseren Schulen, in unseren Gotteshäusern gelehrt wird, 80 leset die Religionsbücher, nach denen die jüdische Jugend unterrichtet wird, so leset die Predigten, die seit mehreren Decennien in grosser Zahl veröffentlicht worden sind, nnd wenn ihr einen Prediger findet, der Unduldsamkeit lehrt, wir werden die Ersten sein, die ihn verurtheilea, ,und wenn ihr ein Schul- und Erbaungsbuch entdeckt, das den Glaubenshass und die Uebervortheilung der Nichtjuden für erlaubt erklärt, wir werden die ersten sein, für die Verbannung solcher Bücher aus Schale und Haus zu wirken; aber das ist eine mühselige und zwei- ז fellos unfruchtbare Aufgabe, nach solch literarischen Erzeugnissen der Gegenwart zu suchen; da ist es bequemer, Thora- und Talmudstellen aus ihrem Zusammenhang zu reissen und sie gegen die Juden zu wenden. Aber unser ״Unparteiische“ will nach anderer Richtung den Lärm, den in neuerer Zeit einige skandälsüchtige Scrjbenten gegen die Juden erhoben haben, ausnutzen; Herr Marr soll dem siechen Reformjudenthum wieder anf die Beine helfen, und der langen Rede kurzer Unsinn ist ungefähr der: die Juden sind Wucherer, weil sieTephillin legen, Sabbath halten und hebräisch lesen. Der Unparteiische, ein Jude, wie aus dem Schriftchen hervorgeht, behauptet von sich, dass er die Ergebnisse seiner Forschung ohne pfiffige Zurückhaltung offen kundgebe; und wir finden in der That seine Pfiiffigkeit nicht in der Zurückhaltung. Der Vf. wirft die Frage auf:״ ןIst die Behauptung richtig? Betreiben wirklich die Juden den Wucher mehr und auf achlitumere Art als die Christen?“ and er öagt nachher: ״Es gehört zu den Schwächen unseres dermaägea Calturzustandes, leichtfertig vom Theü auf: das Ganze zu schliessen, und noch leichtfertiger, aus solchen luftige« Hypothesen die folgenschwersten, praktischen Consequenzen zu ziehen, von welchen das Wohl und Wehe ׳ von Tausenden abhängt“ , ],,,Wer erwartet nach einem solchen Satze niqht, dass i-flAHU 1