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Das jüdische Literaturblatt · 1879-09-10 · No. 37. (10.9.1879) · p. Seite 148

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 37. (10.9.1879)
Date
1879-09-10
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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-W8 *»ebenen 1a Innen, m «reichem wir sicher eine Rereicheraag der |jüdisch-historischen Literatur erwarten dürfen — Hannover. Dr. M. Wiener. Ad., 8abbathpredigten «1 den KuWnhe. 8chwarz gegen! manche Leistu! 1nä«siger Weis dieser Zeitschrif Schwan, Wochenabschnitjten des zweites Buches Mosis Bielefeld’8 Hofbluchhandlung. 1879. Ref. hat jüngst ein Bulwer’sches Drama gesehen, darin spielt ein wackerer Mann, der von einem reichen!freunde einst aus der Noth gerettet wlurde und nun seine Dankbarkeit durch eine etwas übertriebene Offenheit und Tadellast gegen seinen Wohlthäter bekundet, eine wesentliche] Rolle; das geringste Versehen des Freundes wird mit barten Woiten geahndet—laus Dankbarkeit; er schilt und schimpft und poltert — aus Dankbarkeit; er wird lästig und fühlt, dass er’s ist und kümmert sich nicht darum — aus Dankbarkeit. Die Rolle hat mir gefallen, upd ich bin nicht abgeneigt, sie dem Dr. ber, dem die jüdische Lider »tur für 80 g Dank schuldet, wenn auch in sehr zu spielen Ich setze vorja-18, die Leser wissen, dass jede Arbeit unseres Dr. Schwarz anregend ist und Zeugniss ablegt von seinem umfassenden[ Wissen, von seiner schpnen Gestaltungskraft,!aber heute 8011 einmal per Tadel das Wort haben. - z I Sogleich die erste Predigt soll es erweisen, dass der Achill Schwarz!auch seine verwundbarenjstellen habe.“ Da lesen w r in der Einleitung, die, dies nebenher, zum eigentliche! Thema gar keine Beziehung hat, S. 2: ״Wisset Ihr nun, meine Andacht., warum der jüd. Stamm 80_grass und so stark geworden, warum er - trotz seines hohen Alter! noch immer jugendfrisah bleipt? Aus keinem anderen Grunde, als weil der Same, aus dem er emporgewachsen, während eines langen Winters im schneebedeckten Boden gelegen, aus k einein anderer] Grunde, als weil er erst, nachdetn seine Wurzeln stark und fest geworden waren, BläCier and Blüihen zu!treiben anfing Auf derri Boden Aegyptens sollten die Nachkömmlinge Jakobs Während eines Jahrhunderte langen Winters Wurzel schlagen, yon der Eisdecke tyrannischer Knechtschaft sollt m diese Wur- ״zelfasern bedeck bleiben_bis die Zeit gekommen war* u. s. w. Also w eil unsere Väter Jahrhunderte lang in Aegypten geknechtet wurden, deshalb nid aus keinem anderen GrundeJ sagt Dr. Schwarz, lebt Israel noch heute; wir glaubten bisher, dass es; der sinaitische Geist _,ist. der dem israelitischen Volkikörper ewiges Leben einbaachte; nun hören wir mit ginem Mal, dass die Pharaonen dtes zu Wege gebracht Haben; dies ist zu sublim, zu originell: ich fürchte, diesö Idee wird den Meisten unverständlich bleiben Was soll ferner hei- 88־en: ״von der Eisdecke tyrannischer Knechtschaft sollten diese Wurzelfasern bedeckt bleiben?“ iinf wie vielen Beinen hinkt dies Gleichniss? Der Keim wird im Winter geschützt durch Eis und Schnee und iegt sicher und ruhig; wo bietet dieser Naturvorgang' einen Vergleichung8punkt zu d im Zustand des in Aegyaten aus tausend Wunden blutencen Israel? Und auch] das Wort ״ty- -rannische Knecht ichaft* will mir gar nicht behagen; . Eine Herrschaft ist tyrannisch, eine Knech tschaft nicht. Das Thema des Verf. ist nnn: ״der]/erstand,'picht die Phantasie soll herrschen.“ So war es bei Moseh, ineint Hr. Dr. 8<hwarz, und wir werden ihm gern beipflichten, nur die Motivirung scheint uns u enig gelungen; ״ein untrüglicher Beweis dafür, dasjc sein Verstand die unumschränkteste Herrschaft über deine Phantasie gehabt hat“ ist Hrn. Schwarz der Ausspruch des Moseh:■ ,.ich will doch hii!gehen und sehen dies©grosse Erscheinung^ warum der| Dornbusch nicht verbrannt.“ Ist dieser VSmtwörtESv ei uornbu repn! Dr. ksh Der in lugdebarg. Droek von H. korbacb in Barbjr. Verlag von Robert Friste in Leipzig. Ausspruch wirklich so inhaltsvol!? Mir scheint, Hr. Dr. Schwarz, der nach einem passenden Predigttexte aus^ lugte; hat in diese schlichten Worte gar zu viel hineingedeutet; j* dass ich es nur gradheraas sage, ich glaube, so ausserordentlich ans sonst Moseh erscheint, gerade zu diesem Ausspruch hätten sich auch viele andere Sterbliche, wenn sie den brennenden und nicht verbrennenden Dornbusch gesehen, aufgeschwungen. Aber auch über den Gegenstand selbst hören wir nicht haltbare Behauptungen, so S 3: ״dass die uingebende Natur das Verhältniss bestimmt, in welchem Verstand und Phantasie za einander stehen.“ Also der Geburtsort macht den Menschen; derselbe Mensch, der am Golf von Neapel ein Dichter wird, wäre in der Lüneburger Haide ein Mathematiker geworden; wie seitsam! Die Wahrheit ist, dass die individuelle Anlage das Wichtigst״ ist, und die uns umgebende Natur eine zwar nicht ganz geringe, aber immerhin nur sekundäre Bedeutung hat. Auf derselben Seite lesen wir ״von einer Gegend, wo unsere Einbildungskraft keine Nahrung und keine Anregung lindet.“ Wir sind neugierig, wo diese Gegend zu Önden ist; so lange sie Hr Dr. Schwarz uns nicht bezeichnet, werden wir bis auf Weiteres der Ueberzeuguqg sein, dass die Natur hier grö-aere, dort geringere Reize entfaltet, dass sie aber nirgends ganz reizlos ist. Ferner erfahren wir, ״dass nach dem Vorwalten des Verstandes oder der Phantasie sich unsere Welt- und Lebensanschaunng richte.“ Ich denke, bei der Bildung unserer Lebensanschauung hat auch Herz und Gemüth ein Wörtchen dreinzureden. Und dies ist ein Grundfehler dieser Predigt, dass der Verf. von Verstand und Phantasie redet und dass alle anderen Seelenkräfte für ihn fast gar nicht existiren. Hierzu kommen sprachliche Auswüchse, die die Freude auch an den korrekten Gedanken wesentlich stören Um zu den schon gegebenen Proben D0<!:h eine hinzuzufügen; was ist mit dem Satze S. 8 anzufangen: In einer Religion, der auch das Diesseits una nicht blos (!) das Jenseits zum Pfeiler dient, mgss sich die real e Wirklichkeit klar abspiegeln.“ Wie das prächtig klingt. Seit wann ist die Religion ein Spiegel der Wirklichkeit? Der realen Wirklichkeit sagt Dn Schwarz, denn doppelt reisst nicht; und zudem welch, babylonische Verwirrung von Bildern. Nein, Hr. Dr. Schwarz ist es seinen schönen Talenten schuldig, sorgfältig zu feilen, das Unkraut auszujäten, damit es die reichlich vorhandene gute Saat nicht überwuchere. Z. Sailer, F., Sinnsprüche aus dem Talmud und der rabbinifchen Literatur. Berlin 1879. Friedrich Stahn. In sehr ansprechender, eleganter Ausstattung nach Art der Mirza Schaffy-Ausgaben legt der Verf. 332 in die 31 Rubriken: Der Mensch, das Leben, Jugend und Alter, Frauen, Liebe und Ehe, Handwerk. Armuth, Ungljtck, Ehre u. s w. vertheilte Aussprüche aus dem Talmud und den fepäteren rabb Schriften dem Publikum vor. Däbei lässt sich nicht fragen, warum diese und nicht auch andere Aussprüche, warum neben Talmud und Midrasch nur Simchath Nefesch, Moses ben Esra (dieser mit besonderer Vorliebe), Mibchar ha Peninim, Tachkemoni des Charisi, Bai Akeda (uncorrekt!), Immanuel (I.) citirt werden und nicht Andere. Sondern allein dahin muss die Kritik gerichtet werden, ob die Auslese dem Charakter der Schriften entsprechend und geeignet ist, ein Bild des jüdischen Denkens zu geben. Dies aber muss ganz und voll bejaht werden. Eine Zierde jeder Privatbibliothek, dürfte das vorliegende Büchlein besonders zu Barmizwa-Geschenken sich eigne■!. Jedermann aber wird darin eine Perlenschnur finden, geeignet zu ergötzen und zu erheben. L.

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