Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 35. (27.8.1879)
- Date
- 1879-08-27
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 140 — 1 Regesten 8. 37, dass Ludwig der Baier 1315 die Stadt Esslingen von der Bürgschaft, die sie für ihn den Juden in Ueberlingen geleistet, befreit habe. Hier ist aber auf eine Ungenauigkeit aufmerksam zu machen, die sieh bei Stobbe: Die Juden in Deutschland S. 250 findet. Derselbe schreibt nämlich, gleichfalls unter Hinweis auf meine Regesten S. 27, Ludwig der Baier habe Essjingen *um Ersatz des Schadens, welchen sie um das Reich erlitten, für zwei Jahre von allen Zinsverbindlich־ keiten und von allen Bürgschaften und Schulden gegenüber den Juden zu Ueberlingen befreit. Allein was würde das der Stadt" Esslingen. welche der König dafür, dass sie zu ihm übergetreten war, belohnen wollte, genützt haben, wenn sie nur auf zwei Jahre von ihrer, den Ueberlinger Juden geleisteten Bürgschaft befreit. worden wäre? In Wirklichkeit aber befreite Ludwig jene Stadt von der geleisteten Bürgschaft für immer, dagegen von derZinsentrichtung an die Juden auf zwei Jahre, was Stobbe gefunden haben würde^ wenn er auch meine Regesten S 283 zu Rathe gezogen hätte, wo ich bereits auf Stälin’s Wirtembergische Geschichte III, 145 hingewiesen habe. — Dass sich die in der Elegie bei Landshut, Amode ha Aboda II p IV erwähnte Judeoverfolgung in Ueberlingen nicht auf die 1384 stattgehabte beziehe, wird bereits gegen Zunz von Grätz 8, 57 bemerkt, woselbst jedoch das bei Nördlingen eingeschobene Daleth ebenso überflüssig ist wie bei Geldern a. a. 0. S. 435 (vigl. mein Emek habacha Anm. 60), da jene Stadt im Mittelalter häufig Norlinga heisst, weshalb 8ie auch in dem Gutachten des R, Moses Minz Nr. 74 wie in mehreren hebräischen Handschriften der Stadtbibliothek zu Haneburg (siehe Steinschneider^ Gatslog 8. 219) ganz richtig *נורלננן genannt wird. Der Juden- Verfolgung in Ueberlingen im Jahre 1349 geschieht len Mittheilungen der antiquarischen )rieh B. 33 S. 45 Erwähnung; Von noch in der zweiten Hälfte des? 14. Jeberlingen wohnten, sind mir noch nlich Vyfelmann, später in Ulm (siehe s Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm und Obhrschwaben, Neue Reihe, Heft III 8. 29) und Jecklin, später in Schaffhausen, hier S. 60 erwähnt. Ueber die Verfolgung, welche die Jaden 1430 wegen des ihnen zur Last gelegten Knabenmordes in Ravensburg auch׳ in Ueberlingen ejlitten, ist Aschbgch’s Sigmund III, 354!und 472 und Stalin Wirtembergische Geschichte UI, 447 Anm. 4 zu vergleichen. Dass sie in Ueberlingen auch verbrannt worden, was Herr Dr. h■ in der Anmerkung 15 bestreitet, berichtet übrigens auch Würdinger in den Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung Heft III S 66 f. nach einer Konstanzer Chronik. Die von Karl V. und Maximilit n II. 1547 und 1566 der Stadt Ueberlingen ertheilten Privilegien wegen der Kontrakte mit den Juden sind gedruckt bei Lüning, Reichsarchiv B. 14 S. 544 und 5i>7. Bei Erwähnang der Bessergestaltung der jüdiseten Verhältnisse im Grossherzogthum. Baden in den d ’eissiger Jahren unseres Jahrhunderts hätte auf die Verdienste hingewiesen werden sollen, welche sich Riester und nach ihm der christliche Badenser Zöpfl um die Emancipation der dortigen Juden erworben. (Fortsetzung folgt1־ (.׳ Berliner, A., Dr., Rabbi Jesaja Berlin, eine biographische Skizze. Berlin 1879. 30 S. . Rabbi Jesaiu Berlin verdient es, dass seinem Andenken ein besonderes Blatt in der Geschichte des Judenthums gewidmet werde; der Mann, dessen Leben dem Thora-Studium und dem Ueben frommer Werke geweiht war, der sich selbst ein Denkmal gesetzt durch m übrigens auch in Gesellschaft in Zf Juden, die sonst | Jahrhunderts in t zwei bekannt, näq Verhandlungen de viele lehrreiche Schriften, von deren einem Theile wir nur beklagen können, dass er nicht mehr vorhanden ist, und besonders durch d 11 kritischen Geist und die logische Methode, womit er die ausgedehnten Gefilde des talinudischen Schriftthums durchzog und das sprachliehe wie sachliche Yerständniss desselben förderte. Es ist daher ganz erfreulich, dass Hr. l)r Berliner das mühselige Material gesammelt, dass ihn in den Stand setzte, ein einigermassen anschauliches־Bild zu zeichnen von Jesaia Berlin als Mensch, Gelehrter und Rabbiner. Für seine Zeichnung benutzt er als (Quellen sowohl Werke und Schriften, als auch private!Mittheilungen, und wo diese ihn im Stiche lussen, da versucht er es, das Lückenhafte durch Combinationen zu ergänzen und auszufüllen, — Combinationen, die nicht immer zu billigen sind. Die nähere Namensbezeichnung ״Berlin“ (gewöhnlicher dafür Pik, nach seinem Schwiegervater Wolf Pik) hat bekanntlich ihren Grund in der Uebersiedelung vom Geburtsort nach Berlin. Jesaia wurde nämlich 1719 in Eisenstadt geboren und kam, noch ein Kind, mit seinem Vater I.öb oder Leibusch nach Berlin. Die Veranlassung zu dieser Domicil-Veränderung will Vf., ohne jeden bestimmten Anhalt zu haben, von Verwandten herleiten, die bereits früher in Folge einer vor dem J. 1689 stattgehabien Judenvertreibung aus Lisenstadt und Umgegend ihren Wohnsitz in Berlin genominell hätten, oder von Jesaia’s Grossvaler, mit Namen Mordecbai Moehiach aus Eisenstadt, welcher mir. dem von Grätz B X S 335, Note 4 gezeichneten sabbalianischen Wanderprediger Mordecbai Moehiach aus Eisen- Stadt identisch wäre und auf seinen Reisen nach Deutschland auch nach Berlin gekommen sein könnte. Dergleichen Combinationen sind wohl sehr verlockend, doch stets mit Vorsicht aufzunehinen. Aber seiI•st zugegeben, dass die beiden Männer gleichen Namens identisch wären; zugegeben, dass Jesaia’s Grossvater als Wanderpredigerauch Berlin besucht habe,—darf man aunehmen, dass er durch diesen (vorübergehenden) Besuch seinen Sohn zur Uebersiedelung veranlasst habe, er, der (nach Berichten bei Graetz) im J. 1682 aus Italien, wo er als Messias auftrat, gleichsam vertrieben nach Deutschland, Böhmen und Polen kam, woselbst er auch starb; der also nach dem .1 1719, jedenfalls doch schon als liochbetagter Greis in Berlin sich aufgehalten und dann noch Böhmen und Polen autgesucht haben musste? Uns ist dies sehr unwahrscheinlich, und genügt uns zu wissen, dass Jesaia als Kind mit seinem Vater nach Berlin kam, gleichviel aus welcher Veranlassung. Beanstanden aber müssen wir 1) die Schreibweise Jesaja, die halb deutsch, halb hebräisch ist: der Name lautet entweder Jeschaja oder Jesaia; 2) einen Widerspruch in der Eixirung des Tiodesjahres R. David’s, eines Bruders J’., des Rabbiners zu Dessau und Hamburg, (auf S. 8) als des J. 1776, während S. 10 mitgetheilt wird, dass Jesaia 25 J. Hindurch, und zwar seit dem Tode des Bruders David, ununterbrochen Tag und Nacht dem Thora- Studium ergeben war. Da Jesaia im J. 1799 starb, so kann — die Richtigkeit der Notiz S. 10 vorausgesetzt — David’s Todesjahr spätestens das J. 1774 sein; 3) hätten wir gewünscht, die eine und die andere Mittheilnng aus J.’ Werken, welche ihn als Mensch charakterisirt, auch an dem Orte zu lesen, wo davon die Rede ist; so die Notiz S 17, dass er den Scheeltot-Commentar שאילת שלום in aller Eile abgefasst, weil er schleunigst dazu beitragen wollte, dass der Noth des Editors ein Ende werde“, auf S. 11, sowie die Worte, welche J. seinen Noten zum תורת האדם des Nachmanides 'voranschickt, citirt auf S. 21, in gutem Zusammenhänge wären und passender auf S. 14, wo Uber J’,8 Gebrauch von Zeichen gehandelt wird. Lz. Dr. E. Vär*stwo«2QEbär'l *ri—tem■ Pr. ftebner in Magdeburgjjrack toh H. Horbach in Barbjr. Verlag von Robert Fring in Leipzig. Hierzu ein Prospeetaa: ״Sl—eprgcM ui de■ Talnad Md der raM. Uteratar“ 70n Sailer.