Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 33. (13.8.1879)
- Date
- 1879-08-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zar Beleachtang aller Jaden• thnm and Jaden betreffenden llterarlaeh. Erscheiaangen aaf dem Gebiete der Philosophie. Gesehlehte,Gthnographle,The• ologte.Orientalla, Exegese, Ho• mlletlk, Lltarglk, Pädagogik. Herau»gegeben ■ ton ' Rabbiner Dr. Moritz Hnhiner. Mft|f<lel)nr׳T1 IM. Augnst 1870. די׳ Bücher der elBTChligtgea LIteratnr, welche der Kedaetten xngeMndt werde■, fl.dea 1■ dieeenBlatte elngeh.Beepreeh- ■ag. Bai Elundii( tu net IlecenaionieteBplare■ erfolgt ■ach Erwih». L d.Woeheuehr. Da» ״Jüdinrhr Lilteraturblatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchbandlaages (in Leipzig bei Robert F riese) pro J ah rg an g: 8 Mk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (rlie tierteljdhrlick bei allen Postanetalten nnd Buchhandlungen 8 Mk. kostet) erhalten 'das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Iaserale werden mit 20 PL für die drei gespaltene Petitzeile, buchhändlerische Beilagen1 mit 13 Mark berechnet. Die Expedition der ״Israelitische! Wochenschrift“ Inhalt! Wissenschaftliche Aul'sStze: Moses Mendelssohn. — Jesus und Hillel. Liiteraturbericht: Recensionen: Rabbinowioz, Dr S. M., Legislation civilp du Talmud etc. Gedicht. Nachdruck nur mit voller Quellenartgabe gestattet. Moses Mendelssohn. (Schluss) Leasings ganzes Leben ist Toleranz; selbst da, wo er einen Irrthum mit Unrechten h lechten Waffen bekämpft sab, springt er ihn beit er kenn den Sieg des Schlechten nicht leiden und hält nur dies für einen Triumph der Wahrheit, wenn sie dpreh gute Gründe siegt; ihr ist es am wenigsten gegeben, Eroberungen zu machen durch die Lüge. Deshalb ^ertheidigt er oft ge- 1-adezu seltsame Dinge, nicht weil erjsie glaubt, sondern weil sie mit seichten Behauptungen gngegriffen wurden. Aber am meisten offenbart siclji seine Toleranzl in seinen Beziehungen zum Judenthum; wohl das älteste Schriftstück, das uns von Lessing erhalten ist, ist »ein lateinischer Schulaufsatz über den begriff des Barbarisehen bei den Alten. Er verfertigte ihn in seinem zwölften Jahre bei seinem Eintritt in’s Gymnasium, und nachdem er sein Thema auseinandgrgesetzt hat, fügt er hinzu: in unseren Tagen aber ist es das Zeichen eines Barbaren, wenn Jemand, einen Andern um der Religion willen verfolgt; denn auch Juden! oder Mohamedaner können brave und gute Menschen sein und verdienen Schulz in ihSen religiösen Meinungen. Und das entwickelt der junge zwölfjährige Schüler naiv aber logisch senarf, so dass auch die Form dem künftigen Meister dicht zur Unehre gereicht. Diesen Gei^t nennen sie uQstät, der doch schon als Kind von deniseiben Gedanken beseelt gewesen ist, dem er bis zu seinem letztem Atpeinzuge treu blieb. Was das Judenthum Lessing schuldet, ist ganz unermessLch; er hat durch seinen (Nathan eindringlicher zum Gewissen der deutschen Nation gesprochen und mehr erreicht, als alle andern Vertheidiger der Jluden• emancipation; er hat Mendelssojhn erweckt, der die Grundbedingungen der Emancipsgion schuf. Bekannt ist, wie Mendelssohn durch Lessing zum Schriftsteller wurde. Lessing hatte ihm das Werk,eines englischen Philosophen zum Lesen gegeben, und^ Mendelssohn gab sein Urtheil dahin ab, dass das Alles recht schön sei, aber so■ etwas bekomme er wohl ,auch‘fertig. Lessrag antwortete: ״nun so machen Sie doch etwas.“ Einige Zeit darauf übergab ihm Mendelssohn ein Manuscript unter dem Titel: ,Philosophische Gespräche*1 zur Durchsicht. Lessing behielt es laüge Zeit bei sich, und als ihn Mendelssohn um Zurückgabe ersuchte, überreichte er ihm eine Druckschrift LAssing hatte seinen Freund Ubersascht und die Arbeit drucken lassen. Ueber den Inhalt dieser Schrift können wir hier nicht berichten, da es uns gar zu weit führen möchte, Mendelssohn auch als Philosophen und Aesthetiker darzustellen. Nun begann eine Zeit frischer reger Arbeit; auch als Kritiker erwarb sich Mendelssohn einen geachteten Namen, imd so sicher fühlte sich der jüdische Denker, dass er sogar die französischen Gedichte Friedrich des Grossen einer Kritik unterwarf. Diese Kritik ist ein Muster eileganten Tadels. So sagt er am Schlüsse des ersten Briefes: Welcher Verlust für unsere Mutterspräche, dass sich dieser Fürst die französische geläufiger gemacht; sie wfürde einen Schatz besitzen, um den ihre Nachbarn Ursache hätten, sie zu beneiden. Aber au«Ji er selbst, der hohe Verfasser würde der Herablassung überhoben gewesen sein, in der Vorrede zu sagen: Meine Muse, deutsch und bizarr, «,adbrecht Französisch wie ein Barbar, meldet die Dinge wie sie vermag. Friedrich der Grosse hatte in einem Gedichte: ״Dip leeren Schrecken des Todes und die Aengste vor einem andern Leben“ materialistische Grundsätze ausgesprochen, aber da M. mit dem Könige nicht gut anbinden konnte, so hält er sich an einen Zusatz zur Ueberschrift: ״Naohahmung des Liikrez*, und meint nun, Friedrich der Grosse hätte nur den Lukrez bearbeitet, ^}hne ihm zu folgen. Jetzt schimpft er auf Lukrez und Epikur, nennt diese!}, seicht und süffisant, seicht, weil wenig Nachdenken j dazu gehört, ׳sein System zu widerlegen, süffisant, wall _ er sich 80 viel zutraut, meint, die Gründe, welche hier ] gegen die Unsterblichkeit vorgebracht werden, seien 80^ unerheblich, dass sie wohl damals von einem Philosophen konnten vorg »tragen werden, heute aber eine so schlechte "/ .