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Das jüdische Literaturblatt · 1879-08-06 · No. 32. (6.8.1879) · p. Seite 128

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 32. (6.8.1879)
Date
1879-08-06
Page
Seite 128 (sequence 4)
Language
German
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— 128 — 1■ e8 für unnütz halten, zur Aufklärung über die Grösse desselben etwas zu sagen oder zu schreiben, denn die Roh-' lings di aussen und die R u b e n 8 (־Stern) innen wollen [ das Gute des Talmud nicht anerkennen. Und doch ist' j nur ein Kampfmittel, das endlich siegt, und dies ist die ן Erklärung des Talmud, und zwar in einer Sprache und j einerJForm, welche den gebildeten Laien nicht ermüdet j und doch mit der Quelle ganz und gar bekannt macht. 1 Es muss der Leser in dem babylonischen Bau der talmudischen Dialektik eingeführt werden, muss die grossen Hallen mit ihren erhabenen humanen Grundpfeilern, mit ihren gottgeweihten Räumen kennen lernen, muss die rastlose Forschermühe, die bis ins Tiefste grabende Erörterung, die auf das Schärfste scheidende Sonderung selbst mit durchdenken, um den Talmud mit talmudischem Geiste zu erfassen. — Gar öfters ist dieser Gedanke durch die Köpfe unserer Forscher gegangen, gar mancher hat es unternommen, den Talmud zu überseten, aber das Werk konnte nicht durchgeführt werden — weil es zu kolossale Opfer kostete. Und dann, wo sollten die Leser hergenommen werden! Dr. Rabbinowicz hat einen neuen Versuch gemacht Er zeigt sich geschickter als seiue Vorgänger, und es ist sein Unternehmen mit grosser Freude zu begrüssen. R., ein durch seine Arbeiten bekannter Gelehrter, hat eine glückliche Mischung von Pietät und Freiheit in seiner Auffassung, in feinem Takt für die Hindernisse, die den Talmudunkundigen abschrecken könnten, und Scharfsinniger klarer Pointirung, die auch den Fachmann fesselt, er besitzt die pädagogische Kunst, die tälmudisehen Gedankencondensationen in flüssige, geniessbare Wissensspeise umzuwandeln, und die Kenntniss und Ausdauer, um die dunklen Andeutungen snnnenklar zii machen, so dass sein Werk in der That allgemeine Aufmerksamkeit verdient, und einen Umschwung in der Auffassung des Talmud herheizuführen verspricht. Jedem Bande, der die Ue’oersetzung eines Traktates bringt, geht eine sehr lehrreiche und klare Einleitung voran, [welche ein glänzendes Liebt auf den Traktat wirft und sein Verständniss besonders erleichtert. Es _ werden da die Rechtsprinzipien erörtert, Vergleiche mit fremden Rechtsvorschriften und Rechtsgrundsätzen an gestellt und besonders die grossen, humanen Gedanken, welche das ganze jüdische Recht durchziehen, sowie seine Vorzüge vor den fremden Anschauungen klar gelegt. Dabei stellt Verlasser eine Anzahl neuer Gesichtspunkte auf, die auch den Kundigen erfreuen und amegen Da es' aber die Aufgabe der Recension ist, in die •deiaillirte!Kritik einzugehen, so wollen wir eine Reihe vön'Bemerkungen nicht zurückhalten, welche der geehrte Herr Verfasser nicht als Tadel, sondern als Zeich»?h des grossen Interesses betrachte, welches die Lectüre seines Buches hervorruft. 1) Einleitung zu Baba kama S. XII. ״Das biblische Gesetz: Auge um Auge, Zahn um Zahn u. s. w. wurde von dem rabbinischen Gesetze abgeschafft und durch eine Geldstrafe ersetzt.“ Das Bestreben, den Talmud in glänzendem Lichte zu zeigen, ist gewiss ein gerechtes; aber den Sohn loben und den Vater beinahe tadeln, ist doebgewagt DieTalmudistenmachen nirgends den Anspruch auf die Autorschaft einer Abschaffung«׳ des biblischen Gesetzes über Realinjurien. Die Discussionen im Talmud stimmen alle darin überein, das! die Bibelstellen 2. B. M. und 3. B. M. 'עץ תחת עין nicht anders als Geldstralen principiell: zu fassen seien. Nur, wie diese aus■ den Worten der Schrift sicher abzuleiten sei, darüber ist der, Streit. Man muss doch zugestehen, wenn inl,2. B.M. 21,18—27־.von Beschädigungen eines Menschen geredet wird, nur V. 20 und 23 zwei . VwäaMMtiitiiSr ftedsetear'Dr. kahiu er in Magdeburg. Ltrvik von mit, sofortigem tödtlichem Ausgange ängeführt sind und 18, 19, 21, 22, 26, 27 von Strafen n Geld oder Geldeswerth geredet wird, wenn feiner 3, II. M. 24, 18 gesagt wird: ומכה נפש בהמה ישלמנה נפש תחת נפש, also bei einer Geldstrafe die juristische Formel ״Seele um Seele1* zur Anwendund kommt, dieselbe Formel dann bei Menschenbeschädigungen gebraucht wird, wenn die auf solche ang׳■setzte Bestrafung einmal mit den Worten באשר עשה ק* יעשה לי, am Schlüsse über mit den Worten כאשר יתן מום באדם כן ינתן בו bezeichnet, also עשה und נתן gebraucht wird, dass man selbst ohne Kenntniss der Tradition Anstand nehmen müsste, zu behaupten: Die Bibel hätte das Gesetz: Auge 11m Auge wörtlich genommen. Wie hätte die Bibel das thun können, sie, die doch in dem Falle der in Folge eines Schlages eingetretenen Erkrankung nicht befahl, auf den Schuldigen so zu schlagen, dass er krank werde! Wo tindet sich ausserdem auch nur ein Fall, in welchem das Gesetz: ״Auge 11m Auge* buchstäblich zur Ausführung gekommen wäre? Die Bibel soll sicher על דרך הפשט erklärt werden und ganz besonders in einem ״kritischen* Werke. Sowie aber das Lesen der Buchstaben oder der Sinn einzelner Wörter traditionell feststeht und der Kritiker nicht berechtigt ist, seine aus etymologischen Gründen gezogenen Schlüsse gegenüber der verbürgten Tradition zur Geltung zu bringen, weil sich die Tradition, das ist das Leb ■n der Sprache, nicht nach der Etymologie d. i dem jeweiligen Wissenschaftliehen Standpunkt des Forschers richtet, sondern diese einfach jene anzuerkennen und verstehen zu lernen verpflichtet ist, so ist es auch mit der Auffassung einzelner Bibelstellen. Wenn die Tradition so klar sagt, dass ein solches jus talionis ״Auge um Auge* als Bestimmung einer Geldstrafe anzusehen ist, so ist es eine wissenschaftlich gewagte Behauptung, zu sagen: die Träger der Tradition• hätten ein biblisches Gesetz abgeschafft. Die Kritik kann nicht sagen: ״eine Stelle ist wörtlich zu fassen*, wo es sich um eine juristische Formel handelt, die in ihrer Knappheit unverständlich bleibt, wenn man die Tradition unbeachtet lässt Raschi, Ramban, Rabenu Chananel die Späteren, sowie die A11toren in der Mechilta und dem Talmud sprechen von der (קבלת ח“ן) traditionellen Auffassung, nicht von einer Abschaffung. Es heisst geradezu Waffen in die Hände unserer Feinde tragen und einen geradezu negirenden Standpunkt der Tradition gegenüber einnehmen, wenn man die Tradition als Abschaffung der Bibel erklärt (Fortsetzung folgt.) אתרוגים ולולבים♦ 908er tu tnrfen Artifelu in jeher Qua« Lität ooti einem £adjfunbigen gut, bifliq tntb prompt bebient jg׳n und, roenbe jt$ mit ieineu Aufträgen, begleitet mit finet enttpredtenben Anjablung an S. Freiberger in % rieft._[1897 I Bei Robert Friese in Leipzig ist soeben erschienen: Die J 0 a at ban’se b e Peatateoch-nsberset2nD|[ in ihrem Verhältnisse ztr Hatacha. Ein Beitrag zur Geschichte der ältesten Schriftexegese, von Dr. S. Gronemann. Preis: 3 Maik. (1852 Beriehtipmg: In vor. JJr. S. 124, Z. 23 muss es st : ״Lehrer Haiaiani'.s heissen: ״Lehrer Nachmani’s“. ■ H. Horbach in Harby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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