Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 32. (6.8.1879)
- Date
- 1879-08-06
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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™ ־ ■ : ד׳ -״1jdigt wurde, wie die schönsten und erhabensten Werke unserer Literatur gezeitigt wurden unter der gegenseitigen Anregung, welche die innig verbundenen Freunde Schiller und Göthe einander gewährten, so war auch das Zeitalter der Aufklärung von derti Freundespaar Lessing-Mendelssohn beherrscht pnd bekam seine Prägung eben nur durch die Wechselwirkung dieser beiden Männer. (Schluss folgt.) Jesus und Hillel. Geiger hat in seinen Vorlesungen Jesus einen Pharisäer genannt, der in den Wegen Hüjlel's ging, aber keineswegs einen neuen Gedanken ausgesprochen hat. Dass und mit welchen Einschränkungen wir dieses Dietuinals vollkommen zutreffend erachten dürfen, hoffen wir im Folgenden beweisen zu können, Delitzsch*) aber — und das begreifen wir vollkommen ו—konnte diesem Urtheile nicht zustimmen, musste dadurch verletzt werden, denn wie sollte der Uebernatürlicjhe nur der Nachbeter und Nachtreter des einfachen, schlichten Juden Hillel sein? Dass Geiger in diesem eilten ״Reformator* sehen will, erscheint auch uns als eia übel gewählter Ausdruck, dem gegenüber Delitzsch’s Einwände vollauf berechtigt sind. Doch hat Geiger wohl damit nur die grosse Bedeutung Hillel's für die Fortjdauer und Fort־! entwicklung des Judenthums bezeichnen und nicht damit! sagen wollen, dass er gegen die Vergangenheit und gegen die Strömungen seiner Gegenwart Front gemacht habe. Delitzsch's Unwillen musste noch gesteigert werden durch Geigers weiteres Urtheil: »Dieser Hillel ist eine vollständig geschichtliche Persönlichkeit. Bei anderen Männern greift die Sage in ihr ganzes Weser» gestaltend ein, schmückt sie mit Wundern, legt all ihren Flitter um sie; aber je wunderbarer! die Sage, desto weniger glaubwürdig ist sie, desto mehr verhallt sie den Charakter, um so kleinlicher erscheint derVerherrlichte als geschichtlicher Mensch.“ Geiger hat hier als echter Historiker die Mitte gefunden und festgehalten zwischen den Vollgläubigen, zu dener Delitzsch gehört, und den Ungläubigen, die die Persörlichkeit Jesu nur als ein Phantasiegebilde betrachten, dfis dem bekannten יכה יוסי את יוסי (Synhedrin 56a) ents] irungen ist— eine Ansicht, die der verewigte Michael Levy hartnäckig festhielt. — Und nun hat R£nan es zugegeben: ״Er (Jesus) schloss sich zumeist an Hillel an. Hillel hatte 50 Jahre vor ihm Aphorismen ausgesprochen, welche mit den seinigen viel Aehnlichkeit hatten. Vermöge seiner deinüthig ertragenen Armuth, der Sanftmuth seines Charakters, der Opposition, die erden Priesiern undHeuchlern machte, war Hillel eigentlich der wa!hre Lehrer Jesu, wenn man da von einem Lehrer sprechen kann, wo es sich um eine so erhabene Originalität handelt.“ Wie gesagt, dass dergleichen Ansichten Pelitzsch entrüsten mussten, ist selbstverständlich. Allein er begiebt sich in die denkbar ungünstigste Lage, wenn er von der Höhe seines Supranaturalismus herniedersteigt auf den geschichtlichen Boden, um mit den Waffen der Gegner diese zu bekämpfen. Er konnte dah Alles für falsch erklären, aber er durfte nicht ״in Bt treff Jesu“ — sich ausschliesslich an das haltert,, was sei bst. die Kritik eines Strauss stehen laijseii mula, das ^iess, Sonne und Licht zu ungleich vertheilen. Da musste er unterliegen — und er ist unterlegen. Dafür könnte ,schon allein der Beitels genügen, dass selbst die drille tevi&rie Auflage 5i vermeidet, sich •..!י) Jeans pnd Hillel mit Rück«i«ht auf ttSnao.aad < glichen von Frans Delltiack. Sw ravidinb Aaftnge. (A^'OMCMH) 1879. ■ ] ן gegen den mit der Fülle von kritischen und historischen Nachweisen auftrqtenden Gr ätz—- nur im dritten Abschnitte den Charakter betreffend, wird dieser beachtet — zu wenden, der zu Geiger und Könau sich gesellet'), der ebenfalls irn Wesen Jesu einige Aehnlichkeit mit Hillel findet, ״den er sich Uberha'upt zum Meister genommen zu habeascheint, und dessen goldenen Spruch: ״was Du nichs willst, dass man Dir thue, thue anch Andern nicht* er .zum Ausgangspunkte seiner Lehren machte “ Aber das will ja Delitzsch eben nicht zugeben. Er betont* dass Jesus viel richtiger geantwortet habe, indem er als vornehmstes Gebot: Höre, Israel, der Herr unser Gott ist ein einiger Gott, und: Du sollst Gott lieben.. . nannte und erst als zweites ihm gleichstehendes: Du sollst Deinen nächsten ließen, als Dich selbst Hillel reducire das geoffenbarte Gebot auf eine Sittenregef und verschweige dessen religiöse Grundlage, während Jesus die wechselseitige Durchdringung des Religiösen und des Sittlichen, der Gottes- und Menschenliebe gelehrt habe —״Liebe verdirbt dieGradheit und Hass verdirbt die Gradheit!“ Soll Delitzsch es gar nicht gefühlt haben, wie die Ungleichheit nur eine äussere, in den zufälligen Nebenumständen begründete ist? Hille) antwortete dies einem Ausländer, der den Willen hegte, sich zum Judenthume zu bekennen. Bei diesem musste er voraussetzen, dass er die Hanptdifferenz zwisehen Heideathum und Judenthum kenne, dass eben diese Erkenntniss ihn dem Judenthume zuführe, während die Scheu vor dem ihm unbekannten, aber als streng und überlastend-verschrieenen Gesetze ihn noch zurückhielt. Dem H ei d e n, dem die Erkenntniss des einen Gottes, den die Liebe zu diesem Gotte zum Verwerfen des Götzenthums geführt hatte, kündet Hillel als כל התורה a*8 »!“begriff des göttlichen Gesetzes: Was Dir verhasst ist jetc.!“ Jesus selbst 80Ü einen 8 c h r i f tgelehrten künfden, was ihm selbst als Haupttheil'des jüdischen Glauben erscheine — er soll sein Glauben 8bekenntniss jaussprechen! Da musste er in erster Stelle h;rvorheben, was bei Hillel die Vorbedingung dafür war, dass er überhaupt antwortete! Jesus hat nieht anders geantwortet, als Hillel. Deshalb wurde Schammai getadelt, der den Proselyten verjagt Er stiess den ab, der aus! Liebe zu Gott sich seinen Bekennern anschliessen wollte — Hillel hat ihm den Anschluss ermöglicht! So haben Grätz und Geiger und Rönan es aufgefasst. So muss es Jeder auffassen, der ohne Vorein• genommenheit die beiden Stellen vergleicht. (Schluss f.) Literaturbericht. IceCBsisM■. Habbinowlcs, Dr. S. M., Legislation civile du Talmud. Nouveau comentaire et traduction critique du Traitd Baba kama. 1878. Paris chez Ernest Thorin, Editeur, et chez l’Auteur, Rue de Seine 63. -, Legislation civile etc. . . . Traitö Baba Metzia. (Besprochen von Landrabbiaer Dr. Kroner.) ״Wenn man den Thoren im Mörser *tösSt, so weich! die Thorheit nicht von ihm“ nnd ״wenh man den Spötter belehrt, so erhtdt'tnän Hass“. Troti der Wahrheit dieser attfen SprhebC, ist doch noch keinem Freunde der Wahrheit'hnd &et Fftroerung Iderwlben der Glaube geSchwunden, .dass eine ruMgte Belehrung ihte segensreiche WlrVungSt'öts zur Folge haben werde* denn eine ״ruhige Lebte besänftigt die Gluth“, und •״die Worte der Thora macheb den Thoren vertN&sdig.“ 80!ch unverbesserliche und unbelehrbare Theten sind gerade jetat wieder säMteteh all ÖdgT»er des Talmuds eritAn'den. Man sollte *) ttna M 188» arWMköen, also wohl dar tltaata dar drat. i } I די "4 Ü