Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 31. (30.7.1879)
- Date
- 1879-07-30
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
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—-122 — um die Palme rangen, mehr mittelbare Verdienste, indem er die deutsche Sprache bildete,_durch scharte und verständige Kritik das• Urtheil klärte und hauptsächlich, indem er Lessing's Theilnahme auch für die Probleme der Religion und Philosophie gewann und so die für die nationale Bildung fruchtreichste Periode Lessings, die der theologischen Streitschriften und des Nathan, hferbei/ührte. Aber alles dies tritt zurück vor dem Einfluss, welchen er auf seine Glaubensgenossen gewann; nicht nur die Geschichte des Judenthums, die allgemeine Weltgeschichte hat hier seinen Namen zu verzeichnen,׳ denn wer sich vergegenwärtigt, welche Impulse das Leben der Gegenwart in Vfissenschaft und Politik, in Dichtung und Musik, kurz in den mannigfachen Verzweigungen der geistigen Thätigkeit dem jüdischen 8tamtne verdankt, 4er wird den Mann besonderer Beachtung *verth halten, welcher den in Geistesnacht gefangenen Söhnen Juda's die Geistesfreiheit wiedergegeben hat, der die Waffen des Religions- und Racenhasses stumpf gemacht hat durch sein Leben und seine Lehre; abgesehen davon, dass schon dies eiße eminente geschichtliche That ist, einige hunderttausend Menschen der Cultur zurückerobert zu haben. Und diese Aufgabe hat die Vorsehung auf die Schultern eines Mannes gelegt, der durch Temperament und körperliche Gebrechen zu 'einem zurückgezogenem Leben bestimmt schien. M. hatte die Eigenheit vieler jüdischer Gelehrten, mit einer gewissen Aengstlichkeit jedes Hervortreten in die Oeffentlichkeit zu meiden; diese Aengstlichkeit, welche, wie gesagt, oft an hervorragenden jüdischen Gelehrten bemerkt worden ist, ist ebenso häufig wie[ ihr Gegentheil, das allzukecke Hervordrängen, welches gleichfalls nicht mit Unrecht vielfach an den Juden getadelt wird; aber beide Extreme sind wohl erklärlich aus der viel hundertjährigen Ab- Schliessung. Wer wenig in Gesellschaft kommt, der wird sich, sobald der Zwang des Lebens ihn der Einsamkeit entreisst, entweder allzu blöde oder allzu keck benehmen, er wird selten rasch das Gleichmaass eines freien Verhältens gewinnen, durch welches er weder sich noch der Gesellschaft etwas vergiebt; uqdso wusste auch der jüdische Stamm iß seinen Hauptvertretern sich zuerst* nicht gut in der Gesellschaft der Völker zu benehmen, da .er 80 lange a llein gelebt hatte. Bald schüchtern, bald ttbermüthig, selten männlich frei, so war die äussere- - Form bei Vielen, und sie hat dem scharfen Auge des Gegners manche Blässe gezeigt. Zu dieser Schüchternheit, welche als Stammeserbtheil gelten kann, kaih bei Mendelssohn noch der Einfluss, welchen körperliche Gebrechen nach dieser Richtung auszuüben pflegen. ^Dieser gerade Geist waltete bekanntlich in einem verwachsenen Körper; zudem floss ihm die 1Rede Lnicht -frisch und geläufig von der Zunge, und da er die deutsche Sprache erst in den Jünglinsjahren fast wie eine fremde Sprache sich angeeignet hatte, so wurde es ihm besonders schwer, sich ohne Anstoes in ihr auszndrücken. Sodann war der Körperdieses Mannes durch langjährige, 1anhaltende Studien, durch viele Entbehrungen frühzeitig 1 schwach und gebrechlich geworden. Mendelssohn war ' fast beständig leidend, und seine Nerven, so zart und fein für alle Eindrücke des Schönen, waren auch sensitiv genug, dass er durch die geringste Aufregung aufs Krankenlager geworfen wurde. Wie Spinoza hat er wohl nie das Glück und Behagen voller Gesundheit genossen. Und dieser Mann wurde zwischen zwei feindliche Colonnen gestellt, um den doppelten Kämpfauszukämpfen mit dem Aberglauben, dem Starrsinn seiner Genossen, und dem Hasse und dem Vorurtheil der Herrschenden, welchen das Juden th um und die .!'uden heit in ihrer damaligen Gestalt gar viele Nahrung׳ und Moder hatte sich durch die Un bot. Viel Schmutz jill der Zeiten über beide gelegt, und der Gegner, der den reinen edlen Keim oft absichtlich nicht sehen wollte, hielt sich an diese düstere unansehnliche Schale and häufte Spott und Tadel über die Wehrlosen. Auch das Geistesleben bot damals wenig erfreuliche Momente Durch die Härte der Gewalthaber waren die Juden aus dea Ländern gedrängt worden, in welchen im 16. und 17. Jahrhundert die Cultur־ sich fast ausschliesslich concentrirte, das waren Spanien, Frankreich und England; Deutschland, welches anfangs einen so mächtigen Aufschwung genommen hatte, war während des dreissigjährigen Krieges und schon vorher dureh die religiösen Reibungen in Barbarei zurückgeworfen worden; in Polen und Deutschland war von dem Wehen eines neuen Geistes wenig zu verspüren, und auch für das Letztere begann die Nacht des Mittelalters im Grunde erst zu weichen, als die Sonne des grossen Friedrich aufging So war es natürlich, dass auch für die dort wohnenden Judea das Mittelalter in seinen beiden Aeusserungen, in seiner geistigen und in seiner politischen Knechtung länger dauerte, als man nach der in unseren Geschichtsbüchern gangbaren Zeiteintheilung glauben sollte. (Fortsetz, folgt.) אלקסנדר מקק• Von Dr. J. Morgenstern. Kein König in der Weltgeschichte hat einen solchen Sagen- und Mythenkreis um sich geschaffen, wieA1 e x a nder der Grossie. Haben ihn auch griechische, römische und neuere Geschichtsschreiber verherrlicht und glorificirt, so lag der Grund in dem jeweiligen staatlichen Interesse, um ein Ideal für Könige und Fürsten zu schaffen, das ihnen den Weg zeigte, aus dem kleinen Macedonien ein grosses Weltenreich schaffe. Wundern muss es uns aber, wenn ihn auch der Talmud — wie keinen Sterblichen sonst — mit einer überirdischen Machtvollkommenheit ausstattet, ihn bis zu den Pforten des Paradieses Vordringen und dem Himmel sogar ein Sieges- Zeichen abtrotzen lässt! Auch Mohamed, dessen Koran nichts als ein Abklatsch des Talmuds ist und der darin nur das aufgenommen, was ihm seine jüdis.chen Lehrer hinterbracht und das er mit seiner reichbegabten Phantasie zu einem Religionsbuche verarbeitet, — hat Alexander unter die Frommen und Heiligen der Vorzeit klassificirt. Im Koran wird er durchwegs ״ אסכנדר דו אלקרניוder gehörnte Alexander“ genannt. Warum verleiht ihm Mohamed Hörner? Einige wollen aDnehmen, dass die beiden Hörner das Sinnbild für Orient und Occideut, derer Beherrscher er war, seien. Viel richtiger ist aber die Annahme, dass Mohamed damit auf die Weissagung Daniel’8, Cap. 8,5, wo er unter dem