Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 29. (16.7.1879)
- Date
- 1879-07-16
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Kampfspielen, wenigstens in späterer Zeit, auch D r amen aufgeführt wurden, kann man mit Recht entnehmen dem in Midr. Thr. z. 3, 14 erhaltenen Bruchstücke einer gegen die Juden aufgeluhrten (höchst geschinacklosen; Komödie. In diesem Bruchstücke wird über die Armuth und die Sabbathfeier der Juden gespottet; ferner heisst es: ״Die Heiden führen ein Kameel mit einer Trauerdecke aufs Theater und fragen: Warum trauert denn das Kameel? und man antwortet darauf: Weil die Juden das Sabbathjahr feiern und darum nicht einmal Kräuter haben, da nehmen sie diesem Kameel e die Sträucher weg zum Essen, und darum trauert es. Und sie führen den Mimos aufs Theater mit geschorenem Haupthaar und fragen: Warum ist dessen Haupthaar geschoren? Und man antwortet:. Die Juden feiern den Sabbath, und was sie die Woche, über erarbeiten, verzehren sie an ihm, und so haben sie nicht einmal Holz* * die Speisen zu kochen, und sie zerbrechen ihre Bettstellen, um damit zu kochen; nun müssen sie aber auf der Erde schlafen und im Staube sich wälzen, darum streichen sie sich mit Oel, und das Oel wird dadurch theuer (so dass der Mimos sich lieber das Haupthaar scheeren lässt). — Auch die Mythologie fand neben dem Göttercult im talmud. Schriftlhuine Aufnähme. Die Sage von Remus und Romulus erhielt hier den bf merkenswertheu Zusatz, dass sie nach dem Tode ihrer Mutter von einer Wölfin genährt worden seien: die Schilderung b. Nidda 30b. dass vor der Geburt zu Häupten des Kindes ein Licht strahle, wodurch es in seliger Freude die ganze Welt von einem Ende bis zum anderen schaue, und dass es die ganze Thora erlerne, bis es hinaustritt in die Welt, ein Engel ihm auf den Mund schlägt, und es dadurch wieder Alles vergisst, erinnert an die Platonische ävcr 1JLV7J3•;. — Diese Einzelheiten mögen genügen, um die Aufmerksamkeit auf den höchst lehrreichen, interessanten und nach mannigfachen Seiten hin anregenden Vortrag hinzulenken Es wäre zu wünsehen, dass derselbe durch einen besonderen. Abdruck Verbreitung erhielte, wodurch der Wunsch des Vf sich leichter erfüllen könnte, dass Philologen von Fach sich der Aufgabe widmen möchten, ״die verschiedenen Beziehungs- und Berührungspunkte zwischen Griechenland und Rom einerseits und Judäas udererseits. in wieweit dieselben im _talm. Schriftthmn sich kund geben^ erschöpfend nachzuweisen, damit nicht nur ein besseres Verständniss des Talmuds gewönnen würde, sondern auch eine bessere Würdigung der culturhistorischen Bedeutung von Hellas und Rom. — Lz. Dr. S. Friedmann. Beck, Dr. M , Invatatura religiuna Mosaice pentru tsul jemimei israelite. Bucuresci 1879. 8“. 88 8. 1 11. Ein sehr berechtigtes Streben der Juden in unserer Zeit ist, sich durch Sprache und äussere Haltung demjenigen Volke zu assimiliren, in dessen Mitte sie leben. Dass dieser Process der Assimilation nur in der Schule begonnen und richtig durchgeführt werden kann, ist einleuchtend; daher freut es uns, das. Werk des Dr. Beck, welches ein Handbuch für den jüdischen Religionsunterricht ist, hier anzeigen zu können. Auch vom politischen Standpunkte aus muss das Buch als ein durchaus zeit gern ässes bezeichnet werden. Böser Wille und absichtliches Fremdbleiben vom culturellen Leben Rumäniens wird uns ja ohnehin oft genug und meist mit Unrecht vorgeworfen. Als eine bedeutenden 8chritt zu der von den Rumänen gewünschten Theilnähme können wir nun auf dieses Buch hinweisen. Die heiligsten Lehren ־unserer Religion werden der Jugend in der einheimischen Sprache vorgetragen und sie darin unterrichtet. ן Gehen wir nun kurz auf den Inhalt ein. Eine ausführliche Besprechung könnte sich nnr auf den rutuänischen Text beziehen, wovon wir liier aber absehen müssen. Der Verf. gibt in den ersten 8 Seiten eine gedrängte Uebersicht über Religion, Bibel und Talmud, Im ersten Theile p 9—30 behandelt der Verf. der Reihe nach: 1) Die Existenz Gottes, seine Attribute; 2) Uhj Sterblichkeit der Seele, Strafe und Lohn nach dem Tode. Wir hätten hier das Riisonnement, das der Verf. anstellt, um diesen Grundsatz der jüdischen Lehre zu beweisen, am liebsten entbehrt. Für ein Kind ist es zu tief, für einen Erwachsen etwas zu wenig überzeugend. Die biblischen Citate, an denen das Buch auch sonst und mit Recht sehr reich ist, sind hier: Kohelet 12,7; Sprüche 23, 17, 18; Ps. 16, 9, 10; ausserdem noch Aboth IV, 16. Daran schliessen sich*nun 3) die Olfenbarung und die zehn Bundesworte.1) •׳— Im zweiten j Theile p. 31—88 setzt der Verf. die Pflichten auseinander und steht auf demselben veralteten Standpunkte, wie alle Verfasser jüdischer Religionsbücher. Er nimmt eine Dreitheilung der Pflichten an,1) was Schleiermacher schon längst in seinen ״Grundlinien einer Kritik der bisherigen Sittenlehre“ als grundlos nachgewiesen hat. Von diesem Mangel abgesehen, dep der Verf. übrigens mit Allen theilt, ist dieser zweite Theil unzweifelhaft der am besten behandelte. Die Bemerkung p. 66, ״über das zeitige Beerdigen, dass es geradezu ein Verbrechen sei“, erschien uns zum mindesten für Kinder überflüssig.3) Dagegen stimmen wir gern mit dem Verf. überein, wenn er die sittlichen Lehren des Judenthums so sehr betont, sie in aller Ausführlichkeit behandelt und namentlich auf ihre praktische Bedeutung hinweisr, da sie allein am besten alle Verläumdungen, die gegen uns ausgesprengt werden, zum Schweigen bringen können. Eigenthümlich hat uns cap. 8 p. 84: ״Ueber die der Gemeinde schuldigen Pflichten״ berührt. Namentlich jetzt, wo wir in Bucuresti weder Gemeinde noch Gemeindevorstand besitzen, und die Lösung dieser Frage erst von der grossen Frage der Einancipation abhängf.‘) Der Schluss ist wiederum ein würdiger Er behandelt unsere Pflichten dem Staatsoberhaupte und dem Vaterlande gegenüber, und der Verf. lässt auch hier die Lehren des Judenthums in ihrer ganzen Schönheit hervortreten. Um auch die Sprache kurz zu berühren, da wir gerade auf dieselbe vom politischen Gesichtspunkte aus Gewicht legen, wollen wir bemerken, dass sie im grossen Ganzen eine schöne und dem Unterrichte angepasste ist. Bedauert haben wir nur, dass der Verf. bei der Uehersetzung der Bibelverse die alten rumänischen Uebersetzungen nicht zu Rat he gezogen hat. Er hätte manches Schwerfällige des Ausdruckes vermieden und wäre nicht oft in die Verlegenheit gekommen, ein neues Wort aufzunehmen und umzuprägen, anstatt des alten präcisen. Wir schlies«en mit dem Wunsche, dass dieses von Herrn Dr. Beck gegebene Beispiel .zahlreic ie Nachahmer in Rumänien finden möchte, die auch die anderen, dem jüdischen Unterrichte so unbedingt nöthigen Lehrbpcher in rumänischer Sprache abfassen würden. Breslau, 6. Juli. D r. M. Gast er. ■) Warum übersetzt der Vf. Exod. 20, 12: ״Damit sicli Deine Tage vermehren“, anstatt: ״Damit Deine Tage langwerdeu“? J) Trotz Schleiermacher finden wir die übliche Pflichteneintheilung gerade für die Jugend ganz angemessen und übersichtlich. (Red.) *) Das finden wir nicht; gerade der Jugend muss gezeigt wer' den, dass solche Miasbräuche nicht in der Religion begründet sind. (Red.) *) Die Pflichten gegen die Gemeinde gehören recht wohl in ein jüd. Religionsbuch, dass auch auf vorübergehende A u s n a 11 m ezustande keine Rücksicht nehmen durl, sondern zu lehren hat, wie es sein 8011. (Red.)’ Verantwortlicher Ked&etear Dr. Kahmer Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barbj־. Verlag von Robert Priese in Leipzig.