Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 28. (9.7.1879)
- Date
- 1879-07-09
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Palästii a zwischen sich — die Priesterkaste —, ihm die Jerobeamische Dynastie —, und der Dawidischen Dynastie ewi^ getheilt bleiben werde. ״Wer aber wird den Vorrang haben?“ — In wessen Reich bleibt der Tempel! — ^In dem der Dawidischen Dynastie“. — ״Wenn dem Iso ist, mag ich nicht“, entgegnete Jerobeam und verharrte in seinem Abfall'. (Synhedrin 92.) Diese Agada war den Redakteuren des Neuen Testaments recht .willkommen, um sie für den allerdings wunderhaften' Uebertritt Saulus zu verwerthen, und dies um so mehr, als sie einen Fortschritt Gottes in seinem. Sohne darthun konnten. Was dem Vater misslang, soll dem Sohne in höchst erfreulicher Weise gelingen. Ist doch Saulus ein guter — Heidenchrist geworden. Hiermit wäre aber nur das nachgewiesen, w i e die spätem (Verfasser der Apostelgeschichte darauf kamen, die Apostasie des Saulus so und nicht anders auszuschmücken, der eigentliche Beweggrund dieser überraschenden Thatsache jedoch bleibt noch immer nach wie vor unaufgeklärt, einRäthsel, das seiner Auflösung harrt.!Wir wollen die Lösung nach den im Talmud versprengten Notizen versuchen. Absichtslos und ohne jedweden Seitenblick, daher mit allem Anrecht auf historische Glaubwürdigkeit erzählt der Talmud eine Episode aus der patriarchalisehen Wirksamkeit Rabban Gamliels des Aeltem,- dessen Junger gewesen zu sein Saulus sich so sehr rühmte. (Apg. 22, 3.) Der Patriarch wollte ein Schaltjahr einsetzen, lud zu diesem Behufe ein Siebner-Collegium ein, und war eben im Begriffe, die Sitzung zu eröffnen, als er zu seiner nicht geringen Verwunderung gewahrte, dass anstatt der bestimmten Sieben ihrer Acht erschienen! waren. ״Der Unberufene habe sich zu entfernen“, jbefahl der Patriarch. ״Ich bin derjenige, der unberufen dahier erschien, aber nur um mir Belehrung Ober einen praktischen Fall zu holen“, erklärte Samuel der Bescheidene. ״Bleibe, mein Sohn, bleibe!. % Die Kalenderregelung ist es wohl würdig, dass sie durch deine Hand geschehe“, ermahnte der Patriarch. Der referirende und wohl unterrichtete Talmud fügt aufklärend hinzu: Samuel der Bescheidene war es keineswegs, der unberufen erschienen war; (die abgegebene Erklärung entstammte nur seiner ausserordentlichen Rücksichtsnahme, Niemanden einer Beschämung auszusetzen) es war dies vielmehr ein Anderer, איניש אחרינא (SynRedrin 11). Wer aber war dieser Andere? Warum benennt ihn der Talmud nicht namentlich? (Schluss folgt.) Träume und ihre Deutung. Ton Dr. J. Morgenstern. . In Berachot 56b lautet eine Stelle: ,,Ein Mann erzählte dem Rabbi Ismael, er habe geträumt: sein Vater habe ihm Vermögen in Cappadocien (הפודקיא) hinterlassen. ,Besitzest Du Vermögen in Cappadocien?“ fragte ihn R. Jsmael, und er sagte: Nein. ״War Dein Vater jemals daselbst?“ frug er ihn wieder, und der Mahn verneinte auch dies. Hierauf sagte R. Ismael: ,Der Traum bedeutet, dass im zehnten Balken Deines. Hauses Geld verborgen liegt; denn 'Dp bedeutet Balken, und דיקא bedeutet zehn. Nun fragt es sich: in welcher Sprache heisst 'Cp Balken? Raschi daselbst meint, dass ן im Persischen'Cp Balken heisst. Allerdings ist es wahr, * dass im Persischen 'Cp Balken heiss^, allein gerade dadurch ist der ganzen geistreichen Traumdeutung gleichsam die Pointe benommen. Entweder müsste das Wort R'pTCp ganz persisch oder ganz griechisch gedeutet werden; allein ein halb persisches und ein halb griechisches Wort giebt kein treffendes Wortspiel. Es scheint, dass Raschi die Paralellstellen entgingen waren, denn sonst würde er sicherlich das 'Cp nicht für Balken aus dem Persischen erklärt haben. Ueberhaupt scheint diese ganze Stelle von einem späteren Abschreiber entstellt worden zu sein, um eine andere gekünstelte Träumerei in die Deutung hineinzulegen. Die Paralellstellen sind : Jeruschalmi Ma’asar Scheni IV und Midrasöh Genesis c. 68 und Midrasch Echa. Daselbst wird die Deutung folgenderart angegeben: ,cp ist das griech. xd--a und entspricht dem Zahlenwerthe nach 20, und דיקא ist das griech. Balken. Er sagte demnach: in dem 20. Balken Deines Hauses liegt Geld versteckt. Der Ab- Schreiber des Talmudes liess sich von dem Worte דיקא täuschen; er glaubte, אpדי sei das griechische 5£z.a, zehn, nun musste er nothgedrungen aus 'Cp Balken machen und sagt daher: 'Cp כשורא, bedeutet Balken. Vielleicht liesse sich die Stelle im Talmud Babli rechtfertigen, wenn man 'Cp für das griechische annehme, das nach Pollux 7, 121 (vgl. Pape) den Säulenknauf bedeute. Verwandt damit ist das griechische Wort zj?<״v, das krummgebogene Holz, auch Stange. Das Targum Jerusch, übersetzt das Wort מוט, Stange, Numeri 13,23 mit 'Cp, das wahrscheinlich das griechische X'j'ituv ist. Es wäre demnach die Deutung: Die zehnte Stange in Deinem Hause. Wir haben demnach/ zwei verschiedene Deutungen des Traumes. Nach Babli hatte er ihn gedeutet: oi/a die zehnte Stange, und nach Jeruschalmi, die auch der Midrasch hat, hätte ein anderer wieder den Traum gedeutet: zarrz J«׳;; den zwanzigsten Balken. Für die Richtigkeit dieser Annahme, dass der Traum verschiedenartig gedeutet wurde, spricht, dass der Talmud Babli R. Ismael nennt, während (Jor Jeruschalmi und der Midrusch R. Jose b. Chalaftha erwähnt. Diese Art von Traumdeutungen scheinen die Juden von den Griechen entlehnt zu haben. Als Alexander der Grosse Tyrus belagerte, da sah er im Traum einen Satyr, und der Traum wurde ihm dahin gedeutet, dass er Tyrus eiiinehmen werde, weil, wenn man das Wort in zwei Worte zerlegt, -es bedeutet 3a T£pf>; ״Dein ist Tyrus“ Als er wieder einst die Stadt Tessajonich, gr. «33־a'/.״׳- vütTjV im Traume sah, da wurde ihm wieder der Traum dahin gedeutet, dass ihm die Hoffnung des Sieges benommen sei und er vielmehr den Sieg einem Andern würde überlassen müssen, weil wenn man wieder das Wort 0s33a>.ovt*r(v in drei Worte zerleigt, so bedeutet es : »£3 a/Mn v:zr,v ״Du .wirst den Sieg einem Andern überlassen müssen.“ Auch bei den älrabern findet man ähnliche Traumdeutungen. Nasriujs, ein berühmter arabischer Onirocrit, der ein Werk über Träume verfasst, sagt in seinem Werke lib. 3, stet. 21, c. 30: ״Eine Frau habe geträumt, sie habe eine Schlange geboren, und der Traum wurde ihr dahin gedeutet, dass 6ie einen Sohn gebären werde, der ein grosser und berühmter Redner sein würde. Der Araber hat für Schlange zwei Bedeutungen: erstens אלחיה, aber auch תנין .אלתנין hat auch die Nebenbedeutung von bilinguis, doppelzüngig. Er sagte zu ihr also: ״Die Schlange, die Du im Traum geboren, ist nicht im Sinne von אלחיה, sondern von תנין zu nehmen und bedeutet: Du wirst einen Sohn gebären, der ein grosser Redner sein wird.“ Alle diese Träume scheinen nur erfunden worden zu sein, um die geist-