Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 26. (25.6.1879)
- Date
- 1879-06-25
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/5367336-6488236-8755759--1310-4854708- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 104 — Verständniss der evangelischen Schriften, ״hierzu“, sagt Lowe in seinem- Vonvorte, ״genüge nicht die Bekanntschaft des agadischen Theils ohne die Halacha, denn beide Theile seien zusammenvereint, wie die zwei Tafeln der Zehnworte—, so. werden doch auch hier so manche Stellen im Talmud erläutert, deren Verständniss uns׳ bisher verschlossen war. Der Herausgeber, ein geborener Christ, hat nicht nur den ganzen Talmud, sondern auch die Commenlatoren, Decisoren und No- ' vellisten in den Kreis seines Studiums gezogen und man wird ihrrT wohl schwerlich ähnliche Irrthümer nachweisen können, wie er solche bei anderen aufgefunden hat Das Fragment enthält aus dem 1. Perek Passachim von 7a אס רוב מעשר bis 9aחברשמת־, von 13b ג' צדקה bis 16a ר' אליעזר und ist einer Handschrift ראש '“CB 'ה, im 14. Jahrh. geschrieben, beigebunden, wodureh die äusseren Ränder beschädigt wurden, was aber das l>esen nicht benachteiligt, hat. Das Fragment ist in 6chöner Quadratschrift in zwei Columnen geschrieben und mit vielen Gründen hat Herr Lowe die angegebene Jahreszahl nachgewiesen. Derselbe hat Alles genau mit der Edit. pr. verglichen und sehr viele sprachliche Erläuterungeu gegeben. Aus vielen Talmudstellen sucht er zu beweisen, dass die Futurformen נימא לימא ל»ןל ניזל weder Optativ noch jussiv sei, wie Luzzatto, öder dass 1 wie im Aramäischen ein precatives Prätix sei, wie Oppert annimmt. Auch im Fragment wechseln die Präfixen 1 und n ab. Wie R Tarn unterscheidet da« Fragment אליןלי bejahend von אלמלא,־ verneinend. אלןלי Bamidbar raba 2 הלואי oder einfach ״wenn“, wie Targ. Koh. 6,6. Fast alle Wörter sind hier plene geschrieben, so auch אריה statt איזה oder ־איזו in den Editionen.^ dahingegen immer מתיבי statt מיתיבי; also Q und nicht Q, wie die traditionelle Aussprache ist. Die Var. lect. stimmen grösstentheils mit der Münchener und mit der von Rabbinowitz citirten Oxforder Handschrift überein; sie hat S. 7a ירבפפא ל' רב פפי על für diese Lesart, sagt L., stimme auch die nachfolgende Boraitha; nach der Regel 7 במאי דסיים פתחb hat das Fragment zuerst Schechha und dann Milah, folgerichtig steht auch das Wort nami bei Milah. 8a hat Frgrn. Orbim י והתרנגוליס diese. Leseart findet sich auch in Orchoth Chajim S 16, was Rabbinowitz übersehen hat. Jbid. בי דגים צריכץ והתניא א״צ, ebenso in Scheiitoth zu צו; Rab. ist auch diese Leseart entgangen. 8 b באגם nicht באפר. Ibid. במה אמרו ב׳ שורות• auch חי Hand- 6chrif!en ב von כ nicht immer mit Sicherheit zu unterscheiden, so hat L. doch eine Stütze für die Leseärt .במד in Maim. Mischna Comment. gefunden, der hier למה אמרו hat. Rabbin. hat dies nicht bemerkt. Nach dem Worte המרתוף fehlen im Fragm die überflüssigen Worte in den Editionen וב' שורות שאמרו. Ibid. Das F. hat wie die Editionen ה' כ' דשמואל und nicht Rab wie Maim. — Das Fragm. wie T. Jerus. Die Leseart שמיי und דמיי und di£~Mischnajoth am Anfang des Perek. ־*־ Beigedruckt hat der Herausgeber ein alphabetisch geordnetes Verzeichniss von den Namen der Perakim, weit vollständiger als in den Editionen, mit sehr instractiven Noten, von denen wir einige sehr interessante mittheilen wollen. In Sabbath 116 wird erzählt, dass Ima Schalom, die Frau von R. Elieser, eine Erbstreitsache zu schlichten, einem Philosophen, d< n sie zuvor bestochen, vorgelegt und der ihr auch ein günstiges Urtheil zugesagt hatte. Nachdem aber ihr Gegner, R. Gamliel, denselben{ noch reichlicher bestochen hatte, 80 habe er, auf (xhund eines evangelischen Satzes die Streitsache zu seinen Gunsten entschieden. In der Münchner Handschrift Stellt statt Philüsophus פלנספא קבא, was auch ganz richtig ist und nicht, wie Rabbinovvitz meint, in Phil saba zu corrigiren ist, denn ‘״ פלן ס׳קein gewisser Episcopus“ der in den ersten christlichen Zeiten über Civilstreiligkeiten zu richten hatte, wie auch Paulus die Corinther getadelt hatte, dass sie ihre Streitsachen einem Ungläubigen zu richten geben (1. Cor. 6,6). Den Grund, warum Erna Schaloin ihre Streitsache, ganz gegen ein rabbinisches Verbot, einem nichtjüdischen Richter, einem Bischof, zu richten gegeben, will L. darin finden, weil R. Elieser mit Judenchristen Umgang hatte und auch deshalb des Christenthums verdächtigt, vor römisches Gericht geladen wurde (Ab. Sara 16b) Seine Frau suchte nun ihn dadurch von diesem Umgang abzuhalten, dass sie ihm die Verdorbenheit der Episcopen und ihre Verdrehung der Rechtsachen durch angenommene Bestechung vor Augen legte; (auch Paulus in seinen Episteln 1. Tim. 3,3, Tit. 1,7 gab den Episkopen kein ehrendes Zengniss). Bei Beleidigung eines Bruders hält sich Matt. 18,15 an die Schriftworte 3 M. 19,17, dass der Beleidigte den Beleidiger zurechtweisen soll. Nach dem Talmud .loma 86 muss der Beleidiger den Beleidigten zu versöhnen suchen; gelingt ihm dies nicht, so hat er 3 Reihen von 3 Männern — oder 3 mal 3 Männer — zu seinem Versöhnungsgesuch beizuziehen, und wenn der Beleidigte gestorben ist, vor 10 Männern auf dessen Grab ein ßekenntniss seines Unrechtes abzulegen. Nach Matt, hat der Beleidigte 3 Männer beizuziehen, und wenn er seine Beleidigung nicht zurücknimmt, ,,so sage er es der Ecclesia“. Light foot übersetzt dieses mit Kirche. Lowe glaubt aber, dass Ecclesia hier das liebr Eda sei und, wie der Talmud, 10 Männer darunter verstehe. ״Hört er die nicht“, sagt der Evangelist weiter, ״so halte ihn als einen Heiden“, auch dies ist talmudisch, nach Beza32, ״der Hartherzigeist nicht von Abrahams Samen“. Zum Schlüsse noch einen christlichen Midrasch neuesten Styls In Luc. 24,45 und 1. Cor. 15,4 wird die Auferstehung Jesus am dritten Tag mit der Schrift in Beziehung gebracht, es sind aber die diesbezüglichen Worte nirgends angegeben. L. will sie nun in Hosca 6,2 יחיינו מימים ביום הג־ יקמנו ונחיה לפניו gefunden haben, bei Anwendung der agadischen Methode von al tikri. Aehnüch dem al tikri יתלמדנו א'תלמדנו s,att '*י Pcrs■ sing, die 1. Pers. plur. (Berach. 5), heisst es hier א״ת יחייגו יקמנו sondern die 3. Pers sing. יחיינו •קמנו Das ונחיה sei ein נפעל עבר. Ein Beispiel, dass im Drasch 1 Pers. plur fut. Kal wie die 3. Pers. sing, perf. Niph. gedeutet werde, findet sich Ber. Rab. ctp. 8, wo רכב נעשה נעשה• Statt der alten üblichen Abbreviatur am Ende eines Werkes schrieb der Herausgeber שושרש. Auf unsere Anfrage verwies uns Dr. Schiller-Szinessy auf seine o&casional Notices; er bemerkte dort, dass diese 5 Buchstaben sich am Ende aller Drucksachen und Handschriften '-aus Jemen, Sudindien etc. befanden. Ausgeschrieben mit שלים ולא שלימו רחם, שמיא habe er sie in einer arabischen Handschrift aus Jemen gefunden. R. K. Nachträgliches zu meiner Recension der תקנות חכמים, in der הגה des Basuta zu Nr. 7 (S. 15 letzte Zeile und S. 16 erste) ist statt בפרשת בא zu lesen בהר׳ש ב״א. Herr Halberstamm bsmerkt unter Beziehung auf Kerem Chemed III S. 95, dass der Verf. des הספד auf R. Jizchak Puah, <}er Sohn des מהר״ם ר׳ פדובה שמואל יהודה קאצינעלינבוג׳ען. ist. Der Verstorbene war also, wie aus der Rede hervorgeht, ein treuer Freund des Vaters, wie des Sohnes! Dr. Lewin . ^OTäSrwtBSenSSlcIwr Dr. g»er in Magdeburg. l>ruck von H. Horbseh ia Ihrby. Verlag von Hofiert Pr i««e in Leipzig.