Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 22. (28.5.1879)
- Date
- 1879-05-28
- Page
- Seite 88 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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kjrr*• PHPWPIP 'pwipflSH׳ ״־J ■ ־'^־Sgp — 88 — Geltung. Ebensowenig zweifle man an dem freien Blicke des Verfassers, auf den die Verbindung von Agadah und Halachah im Talmud den Eindruck machte ״wie das ideale Antliz Chrisli neben dem steinernen Gesetzestafelgesicht des Pharisäers auf Tizian’s klassischem Gemälde: ״Der Zinsgroschen“, indem die tahnu- ‘ dische Moral in ihrer edlen Reinheit die Verwandt* schaft mit derjenigen der Bergpredigt nicht verkennen lässt“. Ganz über die Partheien stellt sich der Verfasser, wenn er ״niedliehe Anekdoten über lustige Streiche aus dem Talmud“ erzählt, welche der Götter und der Menschen Herrscher Amor den Herren Rabbinern gespielt Wenn der Verfasser sich־ darauf beschränkt haben möchte, die' talmudische Anschauung vom Weibe wiederzugeben, so wäre die Skizze als eine feuilletonistische Darlegung recht anmuthig. So aber erinnert sie an die Pietälslosigkeit des — Dr. Rubens! Arbeit und Handwerk im Talmud von Dr. S. Meyer, Herausgeber der ״Jüdischen Presse“. Berlin Julius Benzian. 1878. 46 S. 8. Wissen Sie, wie medicinische Dissertationen gemacht werden? Es_wird ein Fall beobachtet, dazu einschlä- ־ gige Literatur zusammengesucht — und das Opus ist fertig. Freilich wissenschaftlichen Werth hat das nicht, es bildet vielmehr nur eine Zierde — des Papierkorbs. Die anderen Wissenslächer stellen an die Doktorschriften höhere Anforderungen. Im vorliegenden Falle aber scheint eine Ausnahme gemacht worden zu sein. Der Herausgeber der ״Jüd. Presse“ kann ja als Medicaster gelten, der untrügliche Heilmittel dem Judenthume bringt. Drum 4 la Medicin! Von Forschung, selbst von systematischer Aneinanderreihung ist gar keine Rede Etwas Zusammenstoppelung, etwas Schimpfen und das — Recept, nein doclf — das Opus ist fertig. O dass der 8. Bandßikkure haittim— den Herr Meyer unter den Vorarbeiten gar nicht nennt, auf welchen aber Rappoport ausdrück- Reh als auf seine ausführlichere Arbeit verweist — Hamburgers Realencyclopädie und Delitzsch’s Handwerkerleben mir zur Hand wären! Zur Verificirung der Citate des Herrn Meyer brauchte man keine Gemara aufzuschlagen. Denn höre, o Leser, nnd staune! In Werthheimers ״Jahrbuch lür Israeliten“ 1856, sind drei kleine Aufsätze von Rappoport, J. Kohn und G. Wolf Der Erste behandelt nur die Frage: ״lieber das Ansehen, in welchem die Ausübung eines Handwerks bei den Israeliten zur Zeit der Mischnah-und Talmudlehrer gestanden ־ist“, und auch hierüber nicht mehr als einen allgemeinen Ueberblick bietet — Herrn Meyers Bemerkung—während die beiden anderen den Talmud nur nebenbei berühren — und doch, von den 10 Citaten im ersten Abschnitte des vorliegenden Schriftchens Anden sich dort 7 — von den 5 iin dritten (״Studium, Arbeit und Handwerk“) 2 und daneben alle die von Gelehrten betriebenen Handwerke, deren weitere!— meist nicht in den Rahmen dieser Arbeit passende — Ausführung Herr M. Herrn Dr.-Le wysohn in Stockholm dankt. Dagegen bieten jene populären Aufsätze noch gar Manches, was hierhergehört,, aber von Herrn M. in übergrosser Bescheidenheit weggelassen worden ist. Ständen uns jene anderen Vorarbeiten zur Benutzung —: Hundert gegen Eins, dass sie nicht allein Alles, was Herr M* bietet, sondern noch viel mehr über dieses Thema enthalten. Aber was hat Herr M. denn geleistet? 0, er citirt nicht alletn die Seiten, sondern auch die Zeilen des Talmud, ärgert sich über Hamburgen Schlussfolgerung, dass der Besitz von Hüben auch Ackerbetrieb voraussetzen lasse, und erhebt ein Zetersi darüber, dass einmal in der Realencyclopädie Dr. Mmbmer in JUgctabwy. Brack ▼sä־ ״Cholin“ citirt sei, ohne daran zu denken, dass die Zahlen wahrscheinlich durch ein Versehen des Setzers ausgefallen sind. Schwer ist’s, dergleichen pseudowissenschaftliches Gebühren ernst zu behandeln. Auch im 2. Abschnitt, ״Arbeit. Handwerk und Frauen“, ist höchstens der Ausspruch R. Eliesers אפלי הכניסה לו מאה שפחות וגו als psychologisch richtig, und das לוקחין מן הנשים כלי צמר als Beleg für häusliehe Industrie zu verwerthen. Dass die Frauen Brod bereiten und häusliche Arbeiten verrichten, ist auch bei den Indianern Sitte. Der zweite Tlieil dieses Abschnittes gehört zur Würdigung des Handwerks. Wie wenig das Büchlein seinem Titel entspricht, zeigt, dass die gewöhnliebsten Handwerke nicht einmal genannt werden, wie חייט (Schneider), לבלר (Schreiber), נחתום (Bäcker) etc. Dass die Ansicht, Hillel sei Holzhauer gewesen, eine nicht quellenmässig belegte ist, hat schon Rappaport ausgesprochen. Welchen Werth ein Victoriatus i. e. טרעפיק hat, hätte Herr M. bei Zuckermann, ,jiid. Maasse und Münzen“ S. 25 und 30 ersehen können. Er ist 1/s Sela 1,75 Mark. Hiervon genügte die Hälfte zum täglichen Lebensbedarf, wie dies der'' Riehtersold in Athen erweist. Im Interesse der Werthschätzung der jüd. Wissen- Schaft in weiteren Kreisen liegt es, dass wir das Zusammenstop1»ein aus und nach Secundärquellen den Rohling und;Consorten überlassen. Damit ist aber das Urtheil über die arbeitslose Arbeit des Herrn M. gesprochen. Coblenz. . Dr. Lewin. Jacob segnet auf seinem Sterbebette Kinder und Enkel. Jahrzeitgedenkblatt in Öeldruck, herausgegeben von S. Neubauer, Prediger in Charlottenburg. Zu den! seltenen Erscheinungen auf dem Gebiete moderner Kunst gehört wohl ein gutes bibl. Bild, um so mehr verdient ein solches, dass man darauf die betreffenden Krleise aufmerksam mache; doppelt jedoch, wenn es wie dieses, mit seinem künstlerischen Werthe einen eminent praktischen Zweck verbindet. Auf Veranlassung des Herausgebers brachte das Vorstandsmitglied des deutschen Künstlerverein?, Hr. Zöpke, den!Moment wie Jacob auf dem SterbeDette seine Kinder! und Enkel segnet zur Darstellung. Es sollte dadurch der Einfluss, welchen der Segen sterbender Eltern auf Kinder und Kindeskinder übt, zur Anschauung gebracht werden. Die geistreiche Auffassung, die gelungene Gruppirung und Färbenstellung und die sorgfältige Ausführung der Personen sowohl, als der Architektur und Umgebung geben den Beweis, dass der Künstler seinen Stoff mit Liebe behandelt und mit Geist erfasst. Die Reproduction ist wahrhaft künstlerisch. Dem Zwecke des Bildes als Jahrzeitsgedenkblatt entsprechend, begrenzen es je rechts und links ein Engel; einer der Trauer und eiaer der Hoffnung, umgeben von den entsprechenden Symbolen, jeder auf einen Leichenstein gestützt. In diese Leichensteine wird, statt der Inschrift, eine Tabelle eingefügt, auf welcher die Umrechnung je des beliebigen Jahrzeittages in die bür- . gerliche Zeitrechnung auf 25, resp. 50 Iahre steht. Oberhalb des Bildes ist ein Platz in der Architektur, in welchem Name und Sterbetag der Angehörigen eingetragen werden kann. Da der Preis von 10 Mk. für ein solches Blatt, einschliesslich der säubern Namensinschrift für die Verstorbenen und die erwähnten Jahrzeittabellen, ein sehr massiger ist, so ist es erklärlich, dass es in kurzer Zeit schon solche Verbreitung gefunden, dass der Herausgeber bereits Vorbereitungen zu einer neuen Auflage trifft. i/Vl IA11VIW V M» UUIUWUU^UU SSU Uiuut wvuvu uuu« TTff orb»ch ia äarby. Verlag von Robert Frlaie in!pä*