Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 18. (30.4.1879)
- Date
- 1879-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I זג o. 1§. Jahrg. TED. Jüdische Literaturblatt. Zar Beleuchtung aller Jade■• thnm and Jaden betreffenden literarisch. Erscheinungen an( dem Gebiete der Philosophie. Geschichte,Ethnographie,Theologle,Orlentalia, Exegese, Homiletik, Lltargik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. Majfdebarjf, 30. April 1H70. 1 Bäcker der einschlägige« 141teratnr, welehe der Redactios ■■gesandt werden, •nde« ln diesem Blatte eingeh. Besprachmg. Bei Einsendung ron ■wei Beeenalonsexemplnren ertoigt aneh Erwähn. L d.Wochenschr. Das ״Jiidlfiefce I.ltrr»turl»l«tt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen BuohhaMÜmgen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang: 6 Hk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift* (die vierteljährlich bei allen Poetanstalten und Buchhandlungen 8 Hk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literatnrblatl* gratis. —!■■ernte werden ־mit 20 PC flir di« drei gespaltene Petitzeile, buchhändlerische Beilagen mit 13 Hark berechnet. Die Expedition der ״Israelitisches Wochenschrift“ Inhalt! Wissenschaftliche Aufsätze: Die Augenheil-Hethode der Vorzeit. — C&talogo dei manoscritti ebtaici della biblioteca delia communita di tlantova coropilato dal Rabbino maggiore Marco Mortara. Literaturbericht: Recensionen: Freudenthal, Dr. J., Hellenistische Studien. — Weissmann, A.S., D'filDH אל דבר שרפת Heber Leiehenverbrennung. Christus — Chrestus. — Eingegangene Büflher. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Die Augenlieil-Methode der Vorzeit. Das Auge, das uns der Schöpfer eingesetzt, uni seine Werke sehen und bewundern zu kennen, war schon in der frühesten Zeit ein besondere!• Gegenstand der Forschung, und so primitiv die ersten Erfahrungen gewesen sein mochten, so war man doch bemüht״ dem Blinden sein jammervolles Dasein so £ut als möglich zu verbessern. Schon Galenus (131) spricht von einem »ägyptischen Augenwasser“. Die Erben! der ägyptischen Cultur, die Griechen, beschäftigten sich nach dem Zeugniss Plinius’ d. A. (Hist. nat. LXX) ebenfalls mit der Verbesserung jenes traurigen Looses, da, schon Pythagoras die Raute, Diagoros das Opium als ׳das Gesichtsorgan schwächend erkannten, und Aristoteles drei Bücher über das Auge schrieb Aber gerade im Orient, wo die! Blindheit in Folge der tropischen Hitze mehr als in unseren Ländern die Menschheit quält, fiel die Wissenschäft wieder in den Zustand roher Empirhs^zurück und Räumte dem Aberglauben den Platz ein Hildos griff inan nach sögenannten Universalmitleln, die nicht halfen, und beschwichtigte sich damit, dass sie nicht schadeten. Eine rühmliche Ausnahme machte Mar Samuel, ein Spezialist 1m 2. Jahrh., welcher seinem leidenden Leh- 1er, Rabbi, Heilmittel in flüssiger änd in Salbenforin verordnete, wozu sich aber der Meiste}: — wahrscheinlich wegen gestörter Amtsthätigkeit ־4־ nicht verstehen konnte; er heilte dessen Augenübel damit, dass er ihm die geeignelen Spet ien unter dajs Kopfpolster legte. (B. MeziaBöb) Weiter empfiehlt er <jlen Augenpatienten des Morgens kalte Augenwaschungep, und machte sein Angen-Rezept unter dem Namen קילורין דמר שמו>1ל 6. Z. die Runde. (Sabbat 108b.) Zul seiner Devise hatte er einen Strauch, der auf seine bosnischen Kenntnisse gedeutet wird. (Jer. Gitin 9, 9.) Auch dem Wein begegnen wir als Augenmittel, bald in, das kranke Auge geführt, bald als äusserlichen Umschlag. (Sabbat 108b.) Höchst schwärmerisch war die Behandlung des Auges mit nüchternem Speichel, (ibid) 'dessen Heilkraft man wahrscheinlich dem Instinkt der Thiere verdankte, welche ihre Wanden belecken, und wollte man dnreh das ״Nüchtern‘1 gesichert sein, dass die genossenen Spei* sen nicht nachtheiWg reagiren. — Eine die Vorträge R. Meirs häufig frequentirende und deshalb von ihrem Manne verdächtigte Frau, sollte sich damit ieinwaschen, dass sie dem R. Ue'ir in das Gesicht spie. Letzterer von Friedensstiftang beseelt, siraulirte ein Augenleiden und Hess sich vop der unschuldigen Frau in das Aage spucken, (Jer. Sota 1,4 und Bam. Rabba 9), worauf R. Me'ir sein gesundes Auge aufschloss und der eifersüchtige Mann ״ein Aug’ zudrückte•. Andern Orts wird besonders dem Speichel eines Erstgeborenen (בבור) äugenheilende Kraft zu geschrieben. (B. Bathra 126b.) Wir müssen den Talmud gegen die Vermuthung in Schutz nehmen, dass diese Kurpfuscherei ein Produkt seines Bodens wäre! Sie ist eine Erbschaft früherer Schwindelei und abergläubischer Irrlehren. Tacitas'(Jahrbücher IV,• 81) ^rzählt, wie ein Speichellecker (in der engsten Bedeutung des Wortes) den Kaiser Vespasiau anflehte, seine blinden Augen mit dem majestätischen Speichel zu öffntin. Vespasian lachte zwar, er liess sich aber von seinen Aerzten belehren, dass ־die Sehkraft des Suplicanlen nicht erstorben, dass der Ruhm den Kaiser, der Spott den Kranken treffen werde, und erfüllte ge-- schmeichelt die Bitte des Blinden, dessen Augen nach. Aussage des Tacitus ״in Gegenwart noch jetzt lebender Zeugen wieder ן der Tag beleuchtete“. — Ein noch grösseres Kunststück bewies bekanntlich Jesus, welcher mit Speichel gär erneu Blindgeborenen geheilt ha. ben soll. (Job. $.) Andere salbten ihre _ staarkranken Atigen mit Fiscl|galle' (Tobias 10, 6); und nicht nur die Galle, sondern den Genuss von Fischen überhaupt hielt man für wählthätig wirkend auf das Sehvermögen. (Nedarim 54b.)! Aus 'der Bibelzeit glauben wir noch eine Specieä berühren zu dürfen, welche wohlthuend auf das Auge wirkt: den Honig. Als Jonathan seinen Stab in den