Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 7. (12.2.1879)
- Date
- 1879-02-12
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Hrf׳rrschafften, denen Neu-Verlobten, besonders mit einer reichlichen Ausstattung, deren sich keine Juden- Familie in Dessau rühmen können, begnadiget und Tages vor der Copulation dasjenige, was einmahls gewidmet, auch würcklich auszahlen und reichen lassen: So finden zuvörderst beyderseits Schwiegereltern, insbesondere die Neuangehenden Eheleute hohe Ursache, vor sothane Hochfürstl. ausnehmende Gnade und Geschenck-Verehrungen, gantz nnterthänigsten und gehorsamsten Dank zu erstatten,-und haben dafür zur immerwährenden Erkäntlichkeit, den Segen ihrer Väter, Abrahams Isaac und Jacobs, aus unterthänigster Devotion anwünschen sollen. Alldiewerlen nun ein jeder begierig ist, zu erfahren, worinnen die Füratl. Presente bestanden, so ist dem Hochfürstl Hause, zu hohen Ehren, und dein Publico zur Nachricht, nachfolgende Speciücation dem Druck mic beigefügt, alss: Haben des Regierenden Fürsten Hochfürstl. Durchl. Braut und Bräutigam verehret 100. Species Ducaten . . . Fac. Item die Frey heit vom Schutzgelde geschencket. — Ingleichen zur Lösung eines Stuhles in der Synagoge . Des Bräutigams Vater zu einem neuen Kleide Th Ir.;Gr. I 275 — ßO- 25 — 1 30- 4°r 3 — 12 — 137 12 Dem Bräutigam desgleichen . . ... . Einen gemästen Ochsen a ...... . Einen fetten Hammel a . . . . . . . Ein Fass Gauscher-Wein ....... Ihre Hochfürstl. Durchl. die RegierendeTürstin haben gleichfalls zur Ausstattung geschencket 50. Species Ducaten Fac. Desgl. ein propres Braut-Kleid. Hiernächst haben des Erb-Printzen L e 6 p o 1 d H o c hfürstL Durchl ein propre Braut-Bette machen lassen. Von Dero Gemahlin der Erb-Printzessin eine ,propre Mütze und Haube. " Von Printz Eugen'to 24. Ellen propre Leinawand zum Bettlacken. _ ־ Von Printzess Wilhelmina, vor die.Braut ein propren Fischbeinrock. Printz Dieterich Printz Moritz, > I schenck. | allerseits ein raisonables Ge- Printzess Henriette. Ausser oberwähnten, ist .noch dieses als ein Kenn- Zeichen gantz besonderer Gnade anzusehen, dass Höchstgedachten Serinissimi Hochfürstl. Durchl. gnädigst ordiniret, dass Braut und Bräutigam unter Begleitung des Rabbi, derer Aeltesten, und sämmtlichen Juden-Genossenschaft, so wohl Männern als Weibern gesetzten Tages, Nachmittags um 1 Uhr aut dem Fürstl. Schlosse, wozu ihnen ein a partes Zimmer angewiesen, zu Trauung erscheinen müssen, da dann nach beschehenen gewöhnliehen Ceremonien-, (dass nehmlich der Braut ihr Crantz abgenommen, ihre Haare durch etliche Jüdische Weiber eingeflochten und ihr hernachmahls eine Haube aufgesetzet:) Braut und Bräutigam unter voriger Suite, mit klingendem Spiel, vom Schloss herunter in den Fürstl. Lustgarten unter freyen Himmel geführet, und * 1daselbst und zwar unter einen Baldachin oder sogenannten Jttdischen Trage-Himmel, von seidenem Stoff mit güldenen Blumen gewürcket, getrauet worden, bei welchem Acte die Hochfürstl. sämmtlichen hohen Herrschafften, aus den Fenstern Zuschauers abgegeben haben, nachgehends das Neue Ehe-Paar von Fürstl. Schlosse, gleichfalls mit klingenden Spiel nach dem Hochzeit-Hausse zur Mahlzeit geführet, der sämmtlichen Hochfürstliche Herrschaften, hohe Gesundheit dabey getrunken, und also diese Hochzeit mit vielen Vergnügen beschlossen worden Nach erfolgter Trauung ist das gewöhnliche Teutsche Gebeth, so gleichfalls in dem Tempel zu Dessau ul!hier mit Güldenen Buchstaben auf Teutsch abgeschildert zubefinden, und von. glaubwürdiger Hand aufgeschrieben, also lautend: ״Der an die Könige Hülffe leistet.*)“ Verrichtet, und von der sämmtlichen Juden-Gemeine, hierauf gesprochen worden: Amen. Der Esel von Midjan. 1. Im ״Jüd. Lilrtbl.“ 1877 Nr. 35 weist Herr Rabbiner Dr. Placzek nach, wie ein etymologischer Missgriff, wie eine Verwechselung der Worte Khan mit cau (eanis) zu einer Majestätsbeleidigung geführt, indem der Grosskhan der Turtarei dem sehenden Publiko als Hund von Grösse präsentirt wird. Um diesen gelehrten Irrthum nicht vereinsamt in der literarischen Welt zu lassen, wollen wir ihm einen Gefährten zur Seite stelleni Durch einen Fehlgriff des Lexikographen R. Nathan widerfährt auch Sr. midianitischen Heiligkeit das Malheur, den Säugethieren von beschränktem Unterthanenverstände -eingereiht zu werden. Das von Targuin Jonathan als Translation zu כהן מדץ (Exodus 11,10 und 18,1; gebrauchte אעוכ דמדין wird im Arucli des R• Nathan einfach als חמור דמדין erklärt, welcher Auffassung auch der Commentator des Targuin Jonathan huldigt. Gerechtfertigt wird diese sonderbare Ueber- Setzung durch die Bemerkung שכן כלשון י" קורין לחמור אונום• Fehlt schön an und für sich jeder Anhaltdpunkt für die Substituirlung des griechischen V/׳.;, so ist es nachgerade unbegreiflich, wie der jüd.-römische Lexikograph dem Gedanken Raum geben konnte, Ben Usiel hätte Jetliro, dessen staatsmännische Umsicht in dem Abschnitte יאחה תחלה zur Genüge manifestirt, das Diplom als Esel promulgirt. Offenbar haben wir es auch hier mit einer Ausgeburt der Sprachverwirrung zu thun, deren erste Spur zwar nicht im Thurme zu Babel, wohl aber itn Tempel des delphischen Apollo aufzutinden sein dürfte. Als Ariadnefeden könnte hierbei die einfache Bedeutung des Wortes כהן dienen. Für die Annahme, dass Jonathan dem JethroMen priesterlichen Charakter 11ä£te streitig machen wollen, fehlt jedes weitere Motiv. Selbst wenn wir zugeben wollten, dass die Congregation über den der Apostasie Ueberführten, das ״anathema sit‘‘ ausgesprochen; so ist immerhin nicht vorauszusetzen, dass die Communicatio magna den Meturgeman bewogen haben sollte, ihn seiner priesterlichen Würden entkleiden zu wollen. Lassen wir ihn aber seine Priesterwürde in integritate, so sollte es uns Wunder nehmen, *) Hier folgt die Uebersetzung des synagogalen Gebetes ״hanoten t’schua“, das allsabbathlich für das Wohl der Regierung gesprochen wird.