Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 6. (5.2.1879)
- Date
- 1879-02-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Mo. 6. Zar Beleachtaag aller Jadentham nnd Jaden betreffenden literarisch. Erscheinungen anf dem Gebiete der Philosophie, Geschichte,Ethnographie,Theologle,Orlentalla, Exegese, Homiletlk, I.lturglk, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr.! Moritz HnInner. SiaKdebar{;, (5. Februar 107! i. Bücher der einschlägigen LIteratar, welche der Redaction sageaandt werden, laden ia diesem Blatte eingeh-Besprachnng. Bet Einsendung Ton xwei Reoeaalonsexemplare■ erfblgt nach Erwähn. L d.Wochensckr. Das ״Jlttdloehe LIteriatlirblatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen BucMumdMgM (ia Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrg an g;<$ Hk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalteh und Buchhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Inaerate werden mit 20 PL für die dreigespaltene Petitzeile, buchhändlerische Beilagen 'mit 13 Mark berechnet. Die Expedition der ,.Israelitische 1 Woche.isokrift“ 1 Inhalt! Wissenschaftliehe Aufsätze: Die Beherrscher Cypems von ehemals nnd heute. — Hohen- und Prosejlytin-Ehe. Von Dr. L. Lewysohn in Stockholm. Li tera t nr be r i c 111: Recensionen ׳ Gierse, Albert, Ideal und Leben.' — Allieri, Vitt., Saul, Tragödie in 6 Acten. Deutsch von Dr.j Karl Schäfer. — Gastfreumi, Dr. J-, ־תולדות יעלליצעק Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Die Beherrscher Cypern’s von ehemals und heute. (Schluss.) “*5Zu• den härtesten Bedrängern der Juden gehörte damals der Papst Julias III., ganz im Gegensätze zu seinen Vorgängern, welche Gegner der Inquisition und Beschützer der Juden gewesen waren. Während vordem die Päpste den von der Inquisijion verfolgten Juden Schutz und Asyl gewährten, gehörte Julius im ן Einverständnisse mit der Inquisition gelbst zu ihren eif-! rigen und gehässigen Verfolgern. Wahrscheinlich hatten i feindselige jüdische Apostaten den Papst gegen ihre , früheren Glaubensbrüder gehetit, wie solche dies oft getlian und eine offene und augenfällige Feindseligkeit gegen ihre frühere Religion zur Scham getragen haben, blos uin ihren Eifer für die neu angenommene Religion in demonstrativer Weise kund;zu geben. Papst Julius ordnete sogar auch eine Verfolgung gegen den Talmud und die israelitischen Religionsbücher an, welche er in grosser Anzahl auf Scheiterhaufen verbrennen liess. Hierin liegt eine starke Stütze fi'd die Vermuthungj dass Apostaten die Veranlasser der Verfolgung gewesen waren, weil solche in der Regel vor den Augen der Welt ihren Glaabenswechsel damit zu rechtfertigen suchten, dass sie in lügnerischer We!ise vorgaben: die Rdigionsbücher der Juden enthalten feindselige Aeusserungen über das Chri9tenthum. Nicht lange vorher hatte der Apostat Pfefferkorn ein gleiches Lügengewebe in Deutschland verbreitet und darauf ebenfalls die Forderung der Talmudverbrennung begründet, bis der des Hebräischen kundige Reuchlin das Gegentheil bewiesen und so den Talmud nicht blos ftlr( die Religion der Juden, sondern auch für Geschichte und Wissenschaft gerettet hat. i Noch grausamer als Julius III. war Paul IV, wel* eher ehedem selbst Grossinquisitor gewesen und so in die Verfolgung der Juden gleichsam eingewöhnt worden war. Er drängte die Juden in das römische Ghetto und zwang sie, eine auszeichnende, schändende Kleidung zu tragen: eine grüne Kopfbedeckung für die Männer und einen grüneft Schleier für die Frauen. Von Fanatismus einerseits!und andererseits von Eigennutz getrieben brandschatzte er das Ghetto, um es gleich darauf in Flammen aufgehen zu lassen. Vor diesem Feuertode rettete die Jude« Cardinal Farnese. Die Juden in der Handelsstadt Anbona l!ess er überfallen, ihr Vermögen rauben und die Eigenthümer theils hinrichten, theila anf die Galeeren schleppen; ein kleiner Rest fand Zu-( flucht hei dem Herzog von Urbina, welcher mit dem Papste in Fehde lebt und durch die Juden den byzantinischen Handel von Ancona nach Pesaro zu ziehen beabsichtigte. Er drohte sogar den Juden, sie wieder vertreiben zu wollen, wenn sie Pesaro nicht zur ersten Handelsstadt erheben würden. Den Juden gelang dieses Bestreben nicht, weil Pesaro keinen ausreichenden Hafen besass. Die Juden wurden daher in der That wieder aus Pesaro vertrieben. Auf Betreiben Donna Gracia’s verwandte sich der Sultan für sie nun wieder bei dem Papste, aber Paul IV. behandelte die Unglückliehen Juden nur noch härter. Don Joseph begab sich von Constantinopel an den Hof des Prinzen Selim, welcher verbannt und zurückgezogen in Kuthahija (Kleinasien) lebte. Dieser war der älteste Sohn des Sultans Soliman und zur Nachfolge berechtigt; aber sein jüngerer Bruder Bajazet war vom Vater vorgezogen und zur Nachfolge bestimmt worden.- Vielleicht hat Selim früh die Leidenschaft verrathen, welche ihn als Sultan unter dem Namen Selim II. zum Verschwender und Trunkenbold gemacht hat; es ist nicht unwahrscheinlich, dass der umsichtige Vater ans diesem Grunde den Sohn zur. Nachfolge für unfähig und unwürdig hielt Don J06eph aber unterstützte den verdrängten Sohn mit Rath und That; er Hoffte, durch gute Ermahnung und weise Beschränkung ihn aut bessere Wege zu leiten. Diese Hoffnung verwirklichte sich freilich nicht; aber doch gelang es den reichen Geldmittein und der politischen Klugheit Don Joseph^ den nach seiner Ansicht unrechtmässig verdrängten und za-