Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 5. (29.1.1879)
- Date
- 1879-01-29
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 20 schenalter Geleisteten Zurückbleiben, trotzdem dasä die i'üdische Wissenschaft 1n dieser Generation sich i iren *latz errungen hatte. Und gerade der Aruch hat d irch sein Alter, durch seinen verschiedenartigen Inhalt und durch die Zuverlässigkeit seiner Angaben keine geringe Rolle gespielt, nicht־־nur als eine Grundlage der ta mudischen Wort- und Sacherklärung, sondern auch für di 3 Literaturgeschichte und für die innere Geschichte der Juden hat der Aruch viele, fast immer werthvolle Daten geliefert. Ganz besondere Dienste leistet der Aruch d urch seine guten, alten Lesarten bekanntlich für den ”ext der Targume, für die Midraschim und Talmude; un so nöthiger war es also, das kritische Hülfsmittel in seiner ursprünglichen Gestalt zu haben, während bis jetzt wer nicht zufällig eine der älteren besseren Ausgaben (die aber wiederum das praktische Bedürfnis wen ger befriedigen, weil die Pagina der Talmudritate nicht angegeben sind) hatte auftreiben können, sieh mit ht .ndwerksmässigen Abklatschen eines verstümmelten Abdruckes begnügen musste Es ist desshalb höchst erfreulich, dass jetzt ein Anfang gemacht worden ist, uns den Aruch in einer solchen Gestalt vorzulegen, dass uns einerseits genau wiedergegeben wird, was der Verfasser selber geschrieben hat, andererseits aber der Text theils durch die Ergänzungen früherer Autoren,' tHeils durch die eingehenden Untersuchungen, durch den reichhaltigen Nachweis von Stellen und durch die Einfügung non übergangenen Stämmen seitens des Herausgebers so vervollständigt wird, dass־ wir ein möglichst vollständiges, wissenschaftlich bearbeitetes und praktisch brauchbares Wörterbuch zu Targumim, Talmud nad man sich allerdings wundern, wie es ihm gleichwohl gelingt, mit vollendeter Meisterschaft die Form zu be* herrschen, wie aus einem Gusse die harmonisch klingenden und leicht fliessenden Verse an einander zu reihen. Freilich können wir ׳nicht verschweigen, dass die eleganteste Form der sprachlich sehr sorgfältig ge- ,feilten Verse bisweilen auf Kossen des inneren Gehaltes zur, Geltung kommt Das zeigt sich besonders bei ,den ziemlich reichlich gebotenen Gelegenheit8- und Huldigungsgedichten. Am Lebhaftesten hatten wir diese Empfindung bei der Lectiire des in drainatisclier Form abgefassten Huldigungsliedes אלדד ומידד, geschrieben aus Anlass des Wiener Tempeljubilau ms im Jahre 1870. Wir sind sicherlich die Letzten, welche die in jüdischer Tendenz geübte Humanität und Wohlthätigkeit der vielleicht mustergiltig dastehenden, hochherzigen Wiener Gemeinde verkennen. Berlin könnte viel von Wien lernen. Wien besitzt israelitische Volksküchen in grösserer Zahl, ein israelitisches Blindeninstitu•, eine israelitische Taubstummenanstalt, ein israelitisches Hospital, der weitverzweigten jüdischen Privatwohlthätigkeit gar nicht zu gedenken. Allein was soll es heissen, wenn der Verf. auch die Thätigkeit der Wiener Israeliten in der rumänischen Judentrage verhimmelt? Uns will es scheinen, dass ,der Verf. hier — so zu sagen — in ein Wespennest gestochen hat. Hat vielleicht der Einfluss der Wiener Israeliten den famosen, österreichisch-rumänischen Handelsvertrag aufzuhalten vermocht? Und hat sich Oester!eich-Ungarn nicht noch neulich nach Abschluss des Berliner Congresses auf Kosten der rumänischen Judenemancipation Midrasch vor uns haben. Herr Dr. Kohut hat ausierf ungemein nachgiebig und den National-Rumänen sehr ordentliche Mühe darauf verwendet, das Ziel, das! er I entgegenkommend gezeigt?*) Von Uebertragungen bringt sich gesteckt hatte, zu erreichen, und er verdient ei in | unsere Liedersammlung Bürger’s ״Lied vom braven vollstem Mgsse, dass dasjenige Publicum, von -dem |die Ausgabe eines höchst wichtigen Quellenwerkes und kritischen Hülfsmittels auf dem ofigenannten Gebiete geschätzt wird, sowie auch dasjenige, für das ein talsaudisches Wörterbuch, d is die neuesten und gesichertsten Ergebnisse der einschlägigen Schriften zusammenfasst, eine Reihe neuer etymologischer Untersuchungen hinzufügt und namentlich oft eine Vollständigkeit in den Stellennachweisen zeigt, die gar nicht genug zu schätzen ist, seine Bemühungen würdigt, oder utn deutlicher zu sprechen, durch Subscriptiou es dem Herausgeber mbglieh macht, das Werk, das er mit Subvention der Kai- Manne“ und ״das Feuer“ ausSchiller’s ״Glocke‘. Letz- | tere Uebeisetzung, eine Jugendleistung des Verf. (sie 1 ist vor 37 Jahren von ihm angefertigt worden) übertrifTt wohl an künstlerischem Werth alle übrigen Gediclue der Sammlung. Sie accomodirt sich so treu dem Original und ist in so schöne, kunstvoll dahinfliessende Verse und Heime gegossen, dass selbst der peinliche Beurtheiler und strenge Aesthetik!-r nicht umhin kinn, des Verf. hohe Begabung für poetische Leistungen in hebräischem Gewände unbedingt anzuerkennen. Wie kunstvoll und elegant übersetzt er z. B. die Stelle : ״Hört ihr’s wimmern hoch vom Thurm? das ist Sturm; serlichen Akademie in Wien auf eigene Kosfen druckt, ן Roth wie Blut ist der Himmel; das ist nicht des Tages weiter und glücklich zu Ende führen. — Wir ward n zunächst die Ausgabe im Einzelnen etwas näher beschreiben, i indem wir uns vorbebalten, auf Einzelheiten, in deüen j wir die Meinung des Herrn Heiausgebers nicht thei|en j können, gelegentlich zurückzukommen. (Forts, folgt.) , Bacher, Simon, צל מאש?. I. Heft. Ppst 1879.! S. 96. 8°. Selbstverlag. Der als Hebraist rühmlichst bekannte Verf., desfen fliessende, leichte, gewandte und elegante Schreibart in allen seinen metrischen Leistungeu ---mögen sie Uebertragungen klassischer deutscher Dichterwerke, wie z. B. des Lessing'schen ״Nathan“, oder Originalarbeiten be־ treffen — längst die gebührende Anerkennung sachvprständiger Leser gefunden, hat in 42 Piecen grössere und kleinere Gedichte zum Abdrucke gelangen lassen, wofür ihm alle Freunde der hebr. Muse aufrichtig Dank wissen werden. Nach Angabe des Verf sind 22 Gedichte in dieser Sammlung zum ersten Male veröffentlicht. Wenn man bedet.ki, welchen Zwang sah derselbe oft auferlegt, nicht alleindurch kunstvollen Sirophenltau דיתקזמעו:בב. מ^ךל רומה? זה קול ךומך״ :Giuth!“ mit כךש אדמו ה^מים, לא מי^־ב ה־ומים! Wir wünschen dem auch äusserlich sehr elegant ausgestatteten Buche einen grossen Leserkreis, zumal der; Reinertrag aus dem Erlös dieses Buches nach der hu- manen Intention des Verf seiner Vaterstadt St. Miklosch, 1 welche an den Wiederaufbau des׳ vor Kurzem eingeäscherten Tempels, Krankenhauses und Beth hamidrasch denkt, zu Gute kommen söfl. Sohrau O/S. Dr. Immanuel Deutsch. *1 Der Dichter hat wohl mehr die humanitäre als die politische^Thätigkeit_im^u1ge^jfehabt^Red^_____^___^^^^^ Briefkasten der BedaetUn. Hm. Rabbiner Dr. Levysohn in Stockholm. Die gewünschte Notiz über M. Gaul finden Sie im Hamagid Jhrg. 8. Nr 25. S. 199 (29. Juni 1864). Ihre gesch. Abhandlung demnächst. — Den vielen geehrten Einsendern von wissenschaftl. Abhandlungen, Notizen u. drgl. zur Nachricht, dass wir dieselben nur allmählich zum Abdruck bringen können. Wir sind bestrebt, in jeder Nr. wenigstens einen mehr populären, grösseren Artikel zu bringen; das Literaturblatt 8011 ja nicht blos für den F.ic h g el e 11 r- Und vielfach verschlungenem Reim, sondern auch {oft! ten" sein. Abhandlungen über hebr. Grammatik können wir vordurch grössere Akrosticha und durch am Schlüsse der I derhand gar nicht bringen. Strophen constant wiederkehrenden Refrain; 80 miss 1 BerlohtiBung. in vor. Nr. S. 16. Z. 30 ist st. 1356 z. 1, 13 50. iTtzStwortttehfr Berlartur Dr. Rahm er m Magdeburg. Drutk von H. Horbach in ttarby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.