Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 5. (29.1.1879)
- Date
- 1879-01-29
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ן ךו1 — |9נ — Genügt es, fragen wir ferner, die Titel einiger Bücher eines bekannten Mannes zu kennen, un daraus einen Schluss zu ziehen? Ist es erlaubt, ohne Kenntnissnahme des Ortes der Wirksamkeit und der verschiedenen Entwicklungspliasen ad libitum d. h. nach eigner Willkür dein nicht eingeweihtein Lesepublikum Sund in die Augen zu streuen? Wer nur theilweise die Lebensgeschichte des Mannes kennt, wird wissen, wie viel Unwahrhüt (ob bewusst oder unbewusst, das zu untersuchen, ist unsere Aufgabe nicht) hier dem Leser im Kleide anmuthiger Wahrheit geboten wird. Welch eine Kühnheit, Abraham Geiger und Mendelssohn vergleichen zu wollen, ja Abraham Geiger fast noch höher zu stellen. Was wir von Mendelssohn wissen, alles zeigt uns eine Conscquenz, eine feste unwandelbare Ueberzeugung, die des Mannes schönste Zierde bildet. Hat man dies auch bei A. Geiger zu beobachten Gelegenheit gehabt? Ich glaube, dass ich hierauf eine Aitwort zu geben nicht brauche. Er hat nicht nur in Wiesbaden und seinen übrigen Wirkungskreisen, sondern in Breslau, selbst chamäleonartig verschiedene Farben gezeigt, und entschiedenes Auftreten, unbeugsamer Wille, catonische Strenge, Charakterfestigkeit, sind Eigenschaften, die Geiger nicht zu den seinen zählte. j Ob es aber Geiger’s Verdienst ist, dass er den Juden zeigte, dass für sie das Vaterland das!höchste Ziel sei, dies zu beantworten, überlassen wir hirzlich gern dem Verstände eines Quartaners Von Jcreinijah ab bis auf die neusten Zeiten herab spinnt sich wie ein rother Faden in lOOfältigen Variationen der Salz fort: Fördert das'Wohl des States, in dem ihr wolmet! Wenn Franzos ferner meint, die J idenfragen scheinen sich in der Praxis still und siche!• dahin lösen zu wollen, dass einstens der in Frankreich, Deutschland und Russland wohnende Jude ein Franzose, Deutscher oder Russe jüdischer Confession wird, so bedauern wir wieder Herrn Franzos seiner geringen historischen Kenntnisse, in Hebraicis wenigstens, rügen su müssen. Die jüngsten Forschungen auf dem Gebiete der Philologie und Linguistik haben es schlagend nachgewiesen, dass die bedeutendsten Gelehrten zugleich Patrioten und treue Ptleger der Landessprache waren Ich verweise blos auf Rabbi Isaac de Trcyes, volgo Raschi genannt. Es ist das Verdienst unsere! beiden Glaubensgenossen Adolf Neubauer in Oxlord und Arsenne Darm6tetter in Paris, auf diese Schätze aufmerksam gemacht zu haben 1 Einen noch schlagenderen Beweis dafür, dass man den jüdischen Satzungen treu bleiben wie Herr Franzos meint, als unnöthigen Ballast nach und nach beseitigen muss, bilden die spanisch-portugiesischen Juden (vgl. hierüber unsere Notiz im Literatbl. berausgegeben von A Kdlinger 1878, 3. Heft ). Die spanischen Juden, die bereits fast 400 Jahre aus ihrem Heimathlaude vertrieben sind, haben bis auf den heutigen Tag das Spanische in einer Reinheit erhalten, welche das Staunen der heutigen spanischen Gelehrten mit Recht erregt (siehe hierüber Anr ados de 108 Rios, Estadios historieos, politicos y literarios sobre los Judios de Espana. Madrid 1872). Breslau, den 20. Januar. Dr. M. Grünwald. kann, sie nicht, Joseph in der A Schon vielfach wurde die Meint und theilweise auch schlagend nachgev im Talmud vorkommenden Namen n sonen bezeichnen, welche man ge versteht, sondern pseudonym gebrau wisse geschichtliche Personen bezeic im ersten Augenblicke nicht denkt, gada. ng ausgesprochen iesen, dass manche ilcht diejenigen Per• Wöhnlich darunter werden und gelknen, an die man und die absichtlich mit einer gleichnamigen Person aus der Bibel dem Leser vorgestellt werden. Ein solcher ׳ Name scheint mir auch der Name J o 8 e p h zu sein. Wir kennen einen..' Joseph, der zur Zeit des zweiten Tempels eine sehr wichtige Rolle spielte und in das Getriebe der damaligen politischen Ereignisse mächtig emgewirkt hat. Dieser Joseph spielte in Aegypten zur Zeit Ptolomäus Evergetes beinahe eine ebenso bedeutende 1 hervorragende Rolle, wie der biblische Joseph in Aegypten. Ich meine nämlich Joseph, Söhn des Tobia,!Enkel Simons des Gerechten. Von diesem Joseph, der eine 80'hervorragende Rolle ^pielte, wird im Talmud nichts ausdrttcklieh erwähnt Uns scheint aber manche,Agada, die auf den bibl. Joseph bezogen ist, besser auf Joseph, Sohn Tobia’s zu passen., Scrjwird in Ber. 55 von Jbseph berichtet, dass er herrschsüchtig und auf seine hoheSfjellung stolz war. Da man einen solchen Charakterzug vergebens bei dem biblischen Joseph sucht, so beziehen wii; diese Charakteristik besser auf Joseph, Sohn Tobia'si welcher wirklieh seine ganze Gewandtheit, Schlauheit {und Erfindungsgäbe mit Beseitigung jedes Gewissensfoedeakens dazu benutzte, um offizieller Volksführer zu werden. Um zur Herrschaft zu gelangen, wendete er; alle Schmeicheleien an, gab er leckerhafte Gastmähler und trat sogar mit den Samaritanern in Verbindung. In Pesacbim 119 heisst es, dass Joseph Unsummen von Geld sammelte und Schätze in Aegypten aufbewahrte. Dies passt Alles recht gut auf unseren Joseph. Dieser Joseph wurde Hauptpächter von Cölesyrien und Phöpizien; ec trieb mit allen ihm zu (Sebote stehenden Mitteln die Steuer ein. 22 Jahre besass Joseph diese Satrapie, um erstaunliehe Reichthümer zu sammeln. Man äusserte sich über ihn: Joseph habe von ganz Syrien das Fleisch geschunden und die Knochen übrig gelassen. Andererseits heisst es, Joseph habe die damalige Welt beschwichtigt, Aboda Sara'4p3. Das hat allerdings Joseph Sohn Tobia’s gethan, nachdem Onias II. den Steaerbetrag ain die Ptolomäer eingestellt und den Zorn des egyptischen Hofes über das jüdische Volk geladen. Auf Joseph Sohn Tobia’s beziehen sich wahrscheinlich anch die Worte Synhedrln 20: ,Kriegerisch ist die Gunst d. i. Josep h“; oder der Vergleich Joseph’S mit den Bachweiden, Rabba Wajikra 30, ferner Bamidbar Rabba 3: ״ Ufer Stolz des Men* selten •erniedrigt ihn d. i Joseph“; der׳ biblische Joseph war aber weder stolz, noch wurde er erniedrigt. Nicht so Joseph, Sohn Tobia’s, in dessen Hauise Eifersucht und Hass sich immer jnjehr vermehrten. Wir utiren noch eine Stelle aus Köhelet Rabba, die sich nur auf Joseph, den Tobiaden, begehen kann: ,Fürstengehen wie Diener d. i. Joseph, welcher alle Hochgestellten verdrängte und allein im Vordergründe blieb.“ - j Krakau. j Rabbiner Dr. M, Duschak. | -: * Literatürbericht. Reccnsloae■. Kohut, Dr. Alexander, ־ השלם[TIP. Aruch completum . . auctorje Nathane filio Jechielis. Viennae 1878. Tom I. Faseln I—j־II. ׳ Wenn wir heute die Kohut’sche Ausgabe des Aruch arzeigen, ist es Weniger um sie kritisch zu prüfen, als um die Aufmerksamkeit auf sie hinzulenken. Es spllte itn Grunde nicht mehr nöthig Sein, dem jüdischen;Lesepublicum zu sagen, wie sehr׳ w:r eine neue kritische Ausgabe des Werkes R.Nathan’s benl Jechiel bedürfen.; Die 0Unzulänglichkeit der brauchbarsten unter den cursireaden Ausgaben, der Landauschen, hat seiner Zeit Rapoport hinlänglich nachge wiesen,!und es ist traurig, dass die darauf in ziemlich rascher Folge erscheinendenbilligen Handans jaben noch hinter;sS |3י .1! Ns 4 ü“־,