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Das jüdische Literaturblatt · 1879-01-22 · No. 4. (22.1.1879) · p. Seite 16

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 4. (22.1.1879)
Date
1879-01-22
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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treiben zustand Wenn aber Herr Gierse unter Berafung auf Urkunde XI S. 49 behauptet, dass 1386bereits eine grössere jüdische Gemeinde in Osn. vorhanden gewesen sei, weil die Juden damals einen Kirchhof angekauft hätten und nur grösseren Gemeinden die Anlage eines Kirchhofes erlaubt gewesen sei, so ist einfach zu bemerken,, dass aus der betreffenden Urkunde der 1386 stattgehabte Ankauf eines jüdischen Kirchhofes durchaus nicht zu ersehen ist, dass vielmehr in dem - gedachten Jahre der Richter Scoke nur eine Erklärung in lateinischer Sprache dahin abgiebt, dass ihm der Schöffe einen Brief in plattdeutscher Spruche vorgelegt habe, in welchem Bürgermeister und Rath von Osn. erklären, den dortigen Juden und deren Nachkommen für 80 Gulden einen Garten zu einem Judenkirchhofe verkauft zu haben, auf welchem sie . ihre Todten und die ihrer Freunde*) begraben könnten; der Garten sollte ewig ein Kirchhof bleiben, den die Stadt allen Gericliten gegenüber, geistlichen wie weltlichen, befreien und verhüten wolle, dass den Juden daran ein Hinderniss bereitet werde, und selbst wenn in Osn. keine Juden mehr wohnen sollten, soll der Garten, was aueh kommen mag, dpeh ewig ein Judenkirchhof bleiben u#d zu , nichts Anderem 'verwendet werden. Wann der Ankauf des Begräbnissplatzes stattgefunden, ist aus der Urkunde durchaus nicht zu ersehen, und wir möchten sogar wegen der Bestimmung, dass der Garten ewigl ein Kirchhof bleiben solle, auch wenn keine Juden mehr in Osn. wohnen sollten, annehmen, dass dies schon vor der Katastrophe von 1355 oder unmittelbar nach der Wiederaufnahme der 8 jüdischen Familien geschehen 6ei und dass die stets auf Verfolgung gefassten Juden durch dieses Privileg wenigstens ihren Todten für ewige Zeiten eine Ruhestätte sichern wollten, wenn sie oder ihre Nachkommen etwa dereinst aus der Stadt vertrieben werden möchten. Dass, wie aus unseren Regesten S. 66 Nr. 85 und Lacoinblet IV, 55 zu ersehen ist, König Ruprecht 1408 seiner Schwester Anna die Einkünfte von den Juden in Geldern, Jülich, Stadt und Stift Osnabrück und anderen Ortschaften verlieh, ist Herrn Gierse ebenso unbekannt, wie die Mittheil mg Stüvg’s a. a. O., dass. 1413 in Osn. 5 Juden• waren, die 7 Goldguldeu und 8 Mark 7 Schilling Zins gaben nid 1416 39 Mark zahlten. Ihre Zahl verringerte sich aber 1417 auf 4, 1419 auf drei, und 1423 gar auf 2, Ieffmann uud Isaak, welche sich auch noch 1426 linden und 10. Mark 10 Schilling, bis 11 Mark 10 SchillingJzahlen mussten. Im Jahre 1424 (nicht 1426, wie Siüve-angiebt) empfing Johann v. Diepholz, als^ postuliiter Bischof den Zoll der Stadt Osn. uud versprach dagegen, die Stadt ferner mit Juden unbeladen zu lassen, so dass innerhalb der Stadt und deren Feldmark ׳ durch seine Macht und sein Gebot nimmermelir Juden zu wohnen kommen sollen. Die betreffende, bei Herrn Gierse durch eine UnzefiT von Druckfehlern und sei t>st durch Auslassung mehrerer Zeilen bis zur Unkenntlichkeit verunstaltete und S. 50 zweimal irrig in das Jt.hr 1431 verlegte Urkunde ist correct zu lesen in J E. Stüve’s Beschreibung und Geschichte des Hochstifts und ' Fürstenthums Osnabrück als Urkunde M. — Manches Andere, was wir in Betreff der uns vorliegenden Schi ift noch zu bemerken hätten, unterdrücken wir, um nicht zu weitläufig zu werden. Möge Herr Gierse aus der eingehenden Besprechung, die wir seiner Arbeit gewidmet, das Interesse erkennen, das wir an derselben ge- Gesinnung auch d׳e Gründlichkeit und den Forschungs* eifer rühmend hervorheben zu können. nommen; möge er uns aber auch in Zukunft Gelegenheil geben, in seinen historischen Leistungen neben der *) Von Glaubensgenossen, die als F r e m (1 e in der Stadt starb(1 wie Herr GieiSe angiebr, ist in der Urkunde gar nieht die Ree ■ondern ▼on Freunden, denen die Jaden in Osnabrück es gönn Notizen. 1 1) Die belr. Stelle in dem Briefe des sei. Isr. Deutsch an Muhr, auf welche wir in Nr. 47 v. J. S. 188 Anm. hingewiesen, lautet: ״Aber selbst das שמיני *שבשמינית welches zuge81anden wird, gibt keineswegs die Befugniss, auf Kosten (1er Bescheidenheit, den eigenen Werth selbstgefällig zu schätzen und somit, wie es unverineidli.ih ist, zu überschätzen, vielmehr soll der ת״ח nur, bei aller &ft empfohlenen Herablassung und Freundlichkeit gegen Jedermann, dennoch eine imponirte Haitung beobachten, welche das Publikum gewissermasseu in gebührender Entfernung haltend, im Stande ist, jenen Grad von Achtung zu erhalten, der nicht vermisst werden darf, wenn wir auf Andere wohlthätig wirken sollen. So erklärt auch Raschi, und sehr schön sagt man von ר' יונתן ן״ל> das שמיני שבשמינית deute auf die achte Abtheilung in jenem achtfachen מזמור תמני אפי!), wo es heisst: '״ הבר אני וכוNur mit denen gehe ich gesellig um, die dich ehrfürchten.“ Der ת״ח soll insofern stolz sein, dass er nur mit seinesgleichen geselligen Umgang pllege. — Ich möchte ü la Ihn Esra hinzufügen, 64 ist die Potenz der grössten Grundzahl, welche nur aus g er ad eiiZahlen zusammengesetzt ist; (nainlich 2, 4 und 8 allein sind nicht aus ungeraden Zahlen zusammengesetzt) in 64 geht keine ungerade auch keinö gerade, die aus ungeraden zusammengesetzt ist, auf. 64 ist daher füglich ein Bild, nur Gerades und G 1 ei c 11 es zu suchen, das Ungleiche aber zu meiden.“ 2) Hiob wird bekanntlich c 39, 1—2 gefragt, ob er wüsste, wie lange die Rehricke trägt und wenn sie absetzt. Die VVorie des ennonisehen Buches sind gewiss mit solcher Ueberlegung geschrieben, dass nicht anzunehmen ist, eine solche Frage würde einem späteren Gelehrten besser zu beantworten sein, als sie es dem Dichter jener Zeit gewesen sein muss. Anscheinend müsste es ja sehr leicht sein, durch Versuche die geforderten Thatsaehen festzustellen. In den Verhandlungen des schlesischen Forst-Vereins berichtet der Major a. D. Frankenberg und d'er Forstmeister Bieneck über solche auf Anordnung des Herzogs von Braunschweig gemachte Versuche, um mit Hülfe anatomischer Untersuchungen festzustellen, wann eigentlich die bis dahin streitige Brunstzeit der Rehe wäre, und wie lange sie trügen. Es fand sich, dass die Brunstzeit im August sei und die Tragezeit etwa 9 Monate dauere. Ob diese Versuche beweisend sind, will ich dahingestellt sein lassen. Ferner fand Dr. Poekei, dass die Bel'ruchtung des Eies bei den secirten Reben bis zum Novemher äusserlich nur durch ein Microscop zu ersehen sei (?). Jedenfalls bildet dis Reh in dieser Beziehung eine Ausnähme, und die heutige Wissenschaft scheint die obige Frage immer noch eben so wenig beant worten zu können, wie die ehemaligen Bewohner von Uz.*) Kreisphysikus Dr. Kornfeld. n, e, j *) Nach dem masoretischen Text lauten die betr Verse: 1) ״Kennst du die Zeit, wann die Gemse gebiert? Merkst du die Mutter wehen der Rehe? 2) Zählst du die Monden, die sie trächtig sind, weisst du die Zeit, wann sie gebären? 3) Sie knieeil nieder und ihre Jungen brechen durch, 80 entledigen sie sich ihrer Wehen.“ — Der Dichter will hier offenbar nicht auf die Unmöglichkeit, die Tragezeit zu ergründen, als vielmehr darauf hin weisen, dass durch die Leichtigkeit, mit welcher diese Thiere werfen — ״sie brauchen nur niederzuknieen, da spaltet sich die Mutterscheide fast ohne Weiten und die Jungen brechen von selbst durch“ — die Zeit des Gebährens sich der menschlichen Beobachtung fast' gänzlich entzieht (Red.) Berichtigung. In vorig Nr S. 12, Notiz 2 muss es statt Leiter heissen: Lector. TänüitworUiebcr Kedactear Dr. Kahm er in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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