Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 1. (1.1.1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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V die nur hieraus sich gut erklären Hessen, und scliliesslieh die jüdische Diaspora jener Zeit, soweit wir sie verfolgen und überblicken konnten, erstreekte sich doch nur über Länder, Städte, Inseln von blühendem Handel, aus Gegenden ohne solchen taucht fast kein einziger Nanoe eines damaligen jüdischen Wohnsitzes auf—das kanr wohl nicht zufalHg sein Hieraufhin möge in diesem abschliessenden Rückblicke ver־tattes sein, zu, wiederholen, dass die grosse Verbreitung Israels und ~Tseine immer allgemeiner gewordene Handelstätigkeit unbestreitbar wechselseitig auf einander eiugewirkt haben: die letztere führte es in immer mehr Ortschaften des nämlichen Landes sowie aus diesem in immer grössere Fernen,, und umgekehrt die hierdurch vermehrte Zerstreuung Israels, verbundeu allerdings mit der Vorliebe für das Uebersieddn nach Handelsorten oder!in mercantilisch vortheilhafte Gegenden, lud immer mehr( Juden, die bis dahin in anderer Weise sieb zu ernähren gesucht hatten, zu diesem Fache ein. Fortgesetzte F orschungen innerhalb meines Thema’s* haben mir niese Wechselwirkung immer von Neuem bestätigt, und iu einem grossen Theile in Rücksicht auf sie bin ich In diesem Werke so oft den Spuren von Israels Verbreitung nachgegangen.־ So kam es abä*—ich will nicht jaus Strabo wiederholen, dass seiner Zeit ״nicht leicht ein Ort der bewohnten Erde zu finden war, welcher nicht von diesem Geschlecht bewohnt und beherrscht werde“: denn aus Ahguns! scheint er hierin denn j doch den Mund zu voll genommen zu haben, jedenfalls aber kam es in der angegebenen Weise dazu, dass fiach wenigen Jahrhunderten, und im Ganzen ohne alle Sichtliche Nötigung von aussen, Juden ansässig waren — von dem isolirten Spanien abgesehen — in allen!Landschaften von Medien bis Rom, vom Pontus bis zun persischen Meerbusen, von MaCedonien bis in Aethiopien hinein, und dass in diesem ungeheurem Ländergedef keine bedeutende Handelsstadt lag, in welcher nicht Juden vertreten waren, offenbar waren die ausserpalästinischen Juden schon damals vorwiegend zu einem Handelsvolke geworden. (Schluss folgt.) Professor J. Wellhansen über das Alter des biblisclten Priestergesetzbaches. 1 ’ JPtin Dr. J. S. Bloch in Brüx, Unter dem nicht ganz zutreffenden Titel: ״Geschichte Israeli ,“ erschien der erste Band eines Werkes von Prof. J. Wellhausen, (G. Reimer, Berlin 1878) welches eine umfassende kritische Untersuchung über die Entstehungszeit und die Redaction des biblischen Priesterge-etzbuchen bietet. Unter dem Priestercodex versteht Wellhausen nicht blos das dritte Buch Mose allein^ welches «von d2n alten Rabbinen schon init dieser Bezeichnung belegt'worden, sondern auch alle jene Partien iu den ander!) Büchern, welche vorzüglich das Gesetzliche, den Cultud und Ritus betreffend, behandeln, also die ganze sogenännte elohistische Grundschrift oder Urschrift, welche von sämmtlichen modernen Bibelforschern als die ällesten Bestandteile der Bibel bisher angenommen wurde Die Partien des prophetischen Erzählers gelten na eh der bisherigen Annahme als bedeutend jünger, nicht (inmal viel älter als das Deuteronomium, welches äch selber für das jüngste Bestandteil des Pentateuchs ansgielit Die neue Anschauung^ mit welcher Prof l^ellhmisen außritt und die er, wie wir ihm zugestehen müsset , mit einer bezwingenden Gelehrsamkeit und bestecl!endem Scharfsinn verteidigt, kehrt das Verhältniss radikal um und erklärt die sogenannte elohistische 1 tJfaiehrft, für deren hohes Alterthum die radikalsten beinah einstimmig elntreten, gerade als die i jüngste Partie der Bibel, jünger noch als das Deuteronomium, abgefasst iu der — exili9chen Epoche. Für jene Leser dieses Blattes, welche die in unsefern Jahrhundert unter den Forschern herrschend gewordene Anschauung von der Zusammensetzung und Entstehung des Pentateuchs nicht theilen, ist die Untersuchung, welche der einzelnen Partien älter oder jünge!־ sein mag, von vornherein gegenstandslos. Das darf jedoch nicht abhalten von dem, jedenfalls bedeutsamen Werke Wellhausens und der Art seiner Argumentation Kenntniss zu nehmen, weil es ohne Zweifel in Kreisen der Bibelforscher grosse Aufmerksamkeit finden, vielfache Controversen erwecken und zu nicht wenigen neuen Hypothesen Anregung geben dürfte. Eine gleiche Anschauung Uber die elohistische Grundschfilt hat übrigens K. H. Graf in Merks Archiv 1869, S. 466—477 vertreten, ohne recht zu reüssiren und Boden zu gewinnen In wie weit Prof. J. Wellh|ausen glücklicher sein wird, wird die Zukunft lehren. Zwischen dem Eloehisten und dem prophetischen Erzähler haben bekanntlich die Forscher eine grosse Anzahl von formalen und materiellen Verscltiedenheitftn und Abweichungen dargethan, welche sich oft bis zur starken Gegensätzlichkeit zuspitzen. Ewald wiedprum hat die nicht uninteressante Wahrnehmung geuiacht, dass das Deuteronomium zwischen ihnen ein Mittelglied, einen Uebergang bildet; indem es sowohl der Griindsclirift, als dem prophetischen Erzähler verwandter scheint und näher steht als diese beiden untereinander. Begleitet man nun aber genau die Entwicklungsgesebichte, das alliilählige Werden des jüdischen Kultus, wie man das in den historischen Schriften der Bibel wie in den Prophetenreden auf Schritt und Tritt deutlich verfolgen kann, so ergiebt sich nach Prof. Wellhausen, dass die prophetischeh Pariien gerade mit den Uranfängen des Kultus Ubereinstimmen und der Eiohist die, in der ganzen Entwicklungsepoche gewonnen Resultate entweder in sich aufniinmt oder als reits existent und gesichert voraussetzt Wir beabsichtigen nicht in eine Kritik dieser Anschauung uns einzulassen, die einzelnen Schwächen der Argumentation aulzudecken, pro oder contra Partei zu nehmen, — schon der engbegränzte Raum diese3 Blattes gestattet solches nicht; wir wollen blos versuchen, unsere Leser mit dem Gedankengang dieses unstreitig hochinteressanten Werkes vertraut zu machen. (Fortsetzung folgt.) Literatur bericht. Rtsessio■». Gierse, Albert, Die Geschichte der Juden in Westfalen während des Mittelalters in ihren firundzügen nach zukn Theil ungedruckten Quellen dargestellt. Ein Beitrag zur deutschen Rechtsgeschichte. Naumburg a. S. Verlag von Rauchbach & Co.! Beurtheilt von Dr. M. Wiener. Mit Freuden begrüssen wir stets eine jede die jüdische Geschichte betreffende Monographie als einen nenen Baustein zu dem noch immer eines weiteren Ausbaues bedürfenden Gebäude der allgemeinen Geschichte der Juden, und wir thun dies um so lieber, wenn eine solche Specia'.forschung von einer, jetzt leider so seltenen, vorurteilsfreien und wohlwollenden Gesinnung gegen diel Bekenner des Judenthums getragen ist. Aus diesen Grinden würden wir der uns vorliegenden Arbeit des Heirn Gierse gern unsere ungeteilte Anerkennung zollen, wenn wir in derselben auch das Ergebniss einer f :A:■, _ I M-,